Ein Schritt, ein Räuspern, ein Kichern, ein Nasehochziehen – all diese Geräusche hören wir jeden Tag, aber nehmen sie meist nicht bewusst wahr. Adeline Rüss und Anniek Vetter machten auf solche und viele andere Laute aufmerksam in ihrem „Konzert der stillen Dinge“ am Samstag im Theater Ansbach.
Das akustische Theaterabenteuer war im Rahmen der Ansbacher Puppenspiele im kleinen Haus des Theater Ansbach zu erleben. Die jungen und älteren Besucherinnen und Besucher waren begeistert von der außergewöhnlichen Vorstellung.
Die beiden Schauspielerinnen machten sich gemeinsam mit dem Publikum auf eine spannende Reise durch Schnee und Berge, Wind und Wetter. Durch Töne, Geräusche, Klänge, Melodien, Stimmen und alles, was man hören kann. Doch zuerst prüften Adeline Rüss und Anniek Vetter die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Herz und Nieren – oder besser gesagt: Sie hörten ganz genau hin.
So tummelten sich im Theatersaal bald eine tierisch tolle Schulter, opernsingende Ellenbogen, ein beatboxender Fuß, zickende Haare und viel mehr. Dann wurde es still, ganz still. Lediglich ein Knarzen war zu hören, genauso wie es sich im Schnee anhört, denn die beiden Künstlerinnen begaben sich in die Berge mit Echo und Jodeln. Von laut zu super leise, von wild zu ganz ruhig – der Geräuschpegel wechselte so schnell wie die Emotionen.
Das Stück ist konzipiert für alle Menschen ab fünf Jahren, nach oben gibt es keine Grenzen. Denn besonders Erwachsene vergessen im Alltagsstress oft, auf die kleinen Dinge im Leben zu achten und genau zuzuhören. In einer lauten Welt verlernt man schnell, auch die winzigen Geräusche wahrzunehmen, doch die sind besonders. Körner machen in verschiedenen Gläsern unterschiedliche Geräusche – und ebendiese Körner, fallend auf eine Snare-Drum, hören sich an wie Regentropfen am Fenster. Und ein Glas Stille sollte jeder von uns im Keller haben, für die zu lauten und zu aufgeregten Momente.
Das „Konzert der stillen Dinge“ unter der Regie von Lutz Großmann zeigte, dass die vermeintlich stillen Dinge gar nicht so still sind, sondern ganz viel Kraft und Potenzial haben, Töne, Geräusche und Klänge zu machen. Man muss eben nur genau zuhören. Und das Spiel mit den stillen Dingen zeigte auch, dass nach jedem lauten Sturm die Sonne wieder scheint und Ruhe einkehrt.