Zur Methode der Funktionaloptometrie, die in der FLZ vorgestellt wurde, bezieht der Augenarzt Dr. Axel Jaksche Stellung. Er sehe sich veranlasst, das Angebot fachlich einzuordnen, teilt der Ansbacher Mediziner in einem vierseitigen Schreiben mit.
Die FLZ hatte über die Ansbacher Funktionaloptometrie-Praxis von Sonja Weinberger berichtet. Sie verfolgt einen relativ neuen, ganzheitlichen Ansatz, Augenprobleme, die keine medizinische Ursache haben, mittels Seh-Training zu verbessern. Betreut werden von ihr vor allem Kinder, die zum Beispiel Probleme beim Lesen haben. Im Artikel war darauf hingewiesen worden, dass die Methode in Deutschland durchaus kritisch gesehen und die Wirksamkeit angezweifelt wird. Weinberger glaubt an ihre Methode und verweist auf mehrere Erfolgsfälle aus ihrer Praxis.
Dr. Axel Jaksche ist stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschland. In seinem Schreiben bezieht er sich auf internationale Fachgesellschaften, welche in einer gemeinsamen Stellungnahme 2011 festgehalten haben, dass es sich bei Lese- und Rechtschreibstörungen um „primär neurokognitive beziehungsweise sprachbasierte Entwicklungsstörungen” und nicht um Sehprobleme handelt.
Die Wirksamkeit von Augenübungen oder Wahrnehmungstrainings sei nicht nachgewiesen. „Wenn im öffentlichen Diskurs der Eindruck entsteht, Leseprobleme ließen sich primär durch visuelles Training beheben, widerspricht dies der etablierten wissenschaftlichen Einschätzung.”
Des Weiteren verweist Jaksche auf herkömmliche augenärztliche Untersuchungsmethoden und stellt fest: „Der überwiegende Teil von Kindern mit Lese- oder Konzentrationsproblemen zeigt keine behandlungsbedürftige okuläre Ursache.” Die Wirksamkeit von Visualtraining bei „nicht zusammenarbeitenden” Augen oder einem Gesichtsfelddefekt, der zur Fahruntüchtigkeit führen kann, zweifelt er an. Beides sei wissenschaftlich nicht belegt.
„Einzelfallberichte und subjektive Verbesserungen sind menschlich wünschenswert und nachvollziehbar. Sie können aber nicht verallgemeinert werden und ersetzen auch nicht eine leitliniengerechte Diagnostik und Therapie.” Letzteres strebt die Funktionaloptometristin Sonja Weinberger allerdings auch nicht an. Sie hatte selbst deutlich gemacht, dass ihre Trainingsmethode keine augenärztliche Behandlung ersetzen kann, sondern voraussetzt, dass medizinische Ursachen für die Wahrnehmungsstörungen ausgeschlossen sind.