Hat er in seiner Jugend den richtigen Beruf gewählt? Diese Frage erübrigt sich bei jemandem wie Reinhard Pimmer. Wer mit ihm unterwegs ist, der spürt die anhaltende Begeisterung des frisch pensionierten Försters – auch mit 66 Jahren. Pimmer wird im Ruhestand weiter viel im Wald unterwegs sein.
Förster Pimmer steht inmitten hüfthoher Weißtannen auf Sugenheimer Flur und strahlt: „Ist das nicht schön?“ Er meint die Naturverjüngung. So schön ist der Wald nicht immer und überall. Zu Beginn seines Berufslebens erlebte Pimmer, wie „Vivian“ und „Wiebke“ über den Forst hinweggefegt sind. Sie bildeten den Abschluss einer Reihe von acht Stürmen, die im Spätwinter 1990 in Deutschland sowie Teilen der Schweiz und Österreich wüteten. Pimmer sah Tausende von Festmetern darniederliegen. Für einen Förster ist ein Wald nicht nur „schön“, sondern auch Wirtschaftsgut.
Nach dem Sturm griff Bayerns Staatsregierung in den Holzmarkt ein. Um die Preise zu stabilisieren, ordnete sie an, dass nicht alles Holz auf einmal verkauft werden darf. „Wir haben die entwurzelten Bäume in eine Nasslage bei Dietersheim gebracht“, erinnert sich Pimmer. Das diente der Konservierung. „Wir“, das waren der Förster, Waldarbeiter, Freiwillige vom Technischen Hilfswerk sowie der Feuerwehr und sogar US-Soldaten aus Illesheim.
Zur Zeit einer anderen, eher schleichenden Waldkrise war Pimmer erst Schüler, dann Student in Weihenstephan. Pimmer kommt aus Freyung im Bayerischen Wald. Das hört man bis heute. Schon als Junge erlebte er das Phänomen „Waldsterben“ hautnah. Pimmers Eltern waren Flüchtlinge aus einem böhmischen Bauernhof, die es nach dem Krieg nach Freyung verschlagen hatte. Als „Saurer Regen“ ging diese Form des Waldsterbens in die Geschichte ein. Die Politik handelte, die Industrie baute Entschwefelungsanlagen. Es wurde besser.
Heute treibt der Klimawandel die Förster um. Das Thema ist bei den meisten Politikern angekommen. Zur Zukunftsstrategie für den Wald sagt Pimmer: „Jedenfalls keine Monokultur.“ Im künftigen Mischwald spiele die Tanne aber seiner Meinung nach eine wichtige Rolle. Auch der beste Förster weiß nicht, wie der Wald in ein paar hundert Jahren aussehen wird. Doch in solchen Zeiträumen denkt dieser Berufsstand.
Die älteste Tanne im Sugenheimer Wald ist etwa 150 Jahre alt. Die alte Eiche bei Füttersee in der Nähe von Geiselwind zählt ungefähr 400 Jahre. Die älteste Eiche in Deutschland wird auf etwa 600 bis 850 Jahre geschätzt. Pimmer sieht die Setzlinge wachsen, aber die Früchte ernten andere – kein Fall für Leute, die zügig ein Erfolgserlebnis haben möchten.
Pimmer schlüpft gerne in die Rolle eines wandelnden Lexikons. Viele, viele Male ging er mit Privatwaldbesitzern, Kommunalpolitikern oder einfach interessierten Bürgern durch sein Revier und machte auf die Besonderheiten der Natur aufmerksam. „Der Kleiber ist der Fakir unter den Vögeln“, sagt er in seiner unnachahmlichen Mischung aus Niederbayerisch mit einem Hauch Fränkisch.
„Hier war das mit dem Breitschulterbock“, sagt Pimmer im Sugenheimer Wald und bleibt stehen. Der Käfer ist in Fachkreisen eine Sensation. Zusammen mit den Kollegen von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) entdeckte Reinhard Pimmer das Insekt im August dieses Jahres.
Mit zunehmendem Alter beschäftigt den Waldhüter mehr und mehr die Forstgeschichte. „Früher habe ich gedacht: Was soll ich mit dem alten Kram?“ Jetzt will Pimmer wissen, warum in manchen Zeiten die Eichen so hoch im Kurs standen, in anderen die Fichte.
Die Tanne, die nach der Eiszeit in unsere Breitengrade vorgedrungen war, war immer auch dabei. Pimmer spricht im Zusammenhang mit dieser Baumart von der „Renaissance einer Totgesagten“. Die Tanne enthalte genauso wie die Eiche einen hohen Anteil am Gerbstoff namens Lohe, erklärt der Waldhüter. Der Name „Tennenlohe“ (bei Erlangen) stammt zum Beispiel daher.
Die Zeit mit Pimmer vergeht wie im Flug. Gerne möchte man noch länger zuhören. Aber auch der schönste Spaziergang muss irgendwann ein Ende haben. Zwei abschließende Fragen bleiben noch: Was wird er nicht vermissen? Die Digitalisierung sei für ihn immer anstrengender geworden, antwortet der Förster. Wofür möchte er sich künftig mehr Zeit nehmen? Für den Gesangverein und natürlich für die Familie.
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim (AELF) hat neue Revierzuschnitte im Forstgebiet bekanntgegeben. Mit dem Personalwechsel, der insbesondere mit Reinhard Pimmers Ruhestand einhergeht, ergeben sich folgende Zuständigkeiten:
Zum Revier Burgbernheim gehören Bad Windsheim, Burgbernheim, Gallmersgarten, Illesheim, Marktbergel und Obernzenn. Die Zuständige ist Simone Bogendörfer, Telefonnummer 0 98 43/9 35 67 84 oder 01 75/7 25 16 75.
Das Revier Emskirchen kümmert sich um Diespeck, Emskirchen, Hagenbüchach, Neustadt, Wilhelmsdorf und hat als Ansprechpartner Gernot Käßer, Telefon 0 91 04/8 23 87 73 oder 01 51/ 12 62 26 62.
Das Revier Markt Bibart – dort wird im Torschreinerhaus zum 1. November eine neue Dienststelle eingerichtet – umfasst Langenfeld, Markt Bibart, Markt Nordheim, Sugenheim, Weigenheim und die Freimarkung Osing. Förster wird Matthias Lunz, Telefon 0 98 42/2 08 21 oder 01 60/8 82 21 84.
Das Revier Markt Erlbach umfasst nun Ipsheim sowie Dietersheim, Markt Erlbach, Neuhof und Trautskirchen. Ansprechpartner ist Jan Rebele, Telefon 0 91 06/92 93 50 oder 01 51/ 10 90 98 95.
Das Revier Uffenheim betreut Ergersheim, Ippesheim, Gollhofen, Hemmersheim, Oberickelsheim, Simmershofen und Uffenheim. Ansprechpartner ist Roland Belian, Telefon 0 98 42/3 39 oder 01 60/ 7 18 49 55.
Im Revier Markt Taschendorf werden Baudenbach, Burghaslach, Markt Taschendorf, Oberscheinfeld und Scheinfeld beförstert. Zuständig ist Larissa Reininger, Telefon 0 98 42/2 08 21 51 oder 01 60/ 8 82 21 85.
Dem Revier Münchsteinach sind Dachsbach, Gutenstetten, Gerhardshofen, Münchsteinach sowie Uehlfeld zugeordnet. Der zuständige Förster heißt Gunter Lehrieder, Telefon 0 98 42/2 08 21 52 oder 01 60/8 82 21 88.
Dem Revier Roßtal ist unter anderem Wilhermsdorf zugeordnet. Die Zuständige ist Miriam Reingruber, Telefon 0 91 27/5 94 89 96 oder 01 73/4 76 09 67.