Zu Arbeitszwecken hat Gerd Rößler, der seit August 2023 dienstunfähig ist, das Gebsattler Rathaus zwar schon lange nicht mehr betreten. Offiziell ist er aber noch immer Gemeindeoberhaupt. Wer ihm in diesem Amt nachfolgen wird, entscheidet sich am Sonntag, 23. Februar. Dem Wahltermin blickt der 63-Jährige gespannt entgegen.
Rößler, den eine seelische Belastungserkrankung aus der Bahn warf, hatte im Frühsommer 2024 für sich die Hoffnung aufgegeben, wieder in eine gesundheitliche Verfassung zu kommen, die ihm die Weiterführung der Amtsgeschäfte ermöglichen würde. Bis über seinen damals eingereichten Antrag auf vorzeitige Versetzung in den Ruhestand entschieden war, dauerte es allerdings mehrere Monate. Erst Ende November waren alle Formalitäten geklärt.
Seither steht fest, dass Gerd Rößler, dessen reguläre Amtszeit bis 30. April 2026 gegangen wäre, Ende Februar 2025 in den Ruhestand versetzt wird und dass eine vorzeitige Wahl zur Bestimmung der Nachfolge stattfindet. Der Urnengang wurde zusammengelegt mit der Bundestagswahl. Um das Bürgermeisteramt in Gebsattel bewerben sich die bisherige Stellvertreterin Rößlers, Elisabeth Stammler, und der Bäckermeister Jakob Braun.
Gegenüber der Redaktion äußerte sich der scheidende Bürgermeister, der seine Amtszeit gerne unter anderen Umständen beendet hätte, zur Lage der Gemeinde und zu seinem Befinden. Ihm persönlich gehe es inzwischen etwas besser, so der 63-Jährige: „Ich bin überaus dankbar, dass der Gemeinderat auf Grundlage eines amtsärztlichen Gutachtens meinem Antrag auf Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand einstimmig zugestimmt hat.“ Rößler fügte aber hinzu, weiterhin psychologische Behandlung zu benötigen, „um für die Herausforderungen in meinem weiteren Leben besser gewappnet zu sein“. Leider habe sich die Situation in seinem familiären Umfeld nicht gebessert, so Rößler unter Hinweis auf die Erkrankung seiner Frau.
Obwohl seit Sommer 2023 dienstunfähig, falle es ihm nach mehr als einem Vierteljahrhundert in der Gemeindepolitik, davon 14 Jahre als Rathauschef, gar nicht so leicht, mit diesem Kapitel abzuschließen, betonte Gerd Rößler: „Die Gemeinde und die Menschen vor Ort liegen mir sehr am Herzen. Ich werde da auch in Zukunft mitdenken und mitwirken, wo ich gebraucht werde, aber alles in Maßen und wenn es gewünscht wird.“
Dass sich um seine Nachfolge zwei Personen bewerben, findet der scheidende Bürgermeister grundsätzlich gut. Andererseits bezeichnete er es als „schade“, dass die beiden Bewerbungen nicht über „das für viele Jahre erfolgreiche Projekt einer gemeinsamen Liste zu organisieren“ gewesen seien, sondern sich eine Konstellation mit zwei separaten Gruppierungen ergeben habe, so Rößler.
Die Gemeinde sehe er aktuell „insgesamt gut aufgestellt“. In seiner Amtszeit sei „gemeinsam viel bewegt“ worden, erklärte der 63-Jährige und nannte als Beispiele die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt, das Nahwärmenetz, den Kanalneubau im Trennsystem in Rödersdorf und Kirnberg, die Sanierung der Grundschule, den Kita-Neubau, den Rathaus-Umbau und „etliche Straßensanierungen“.
Viel Arbeit sei in die Anbahnung des Glasfaser-Ausbaus gesteckt worden, der jetzt laufe. Auch das Gewässerentwicklungs- und Hochwasserschutz-Konzept sei auf dem Weg. Gemeindeentwicklung in Gebsattel habe er „stets unter dem Aspekt der Schonung des Landschaftsbildes“ vorangetrieben. Das gute Verhältnis zum Landschaftspflegeverband und zur Unteren Naturschutzbehörde sei eine wichtige Basis für die Zukunft.
Natürlich gebe es bei anderen Themenfeldern noch viel Handlungs- und Entwicklungsbedarf. Da komme einiges an Arbeit auf die Gemeindeführung zu, der er dafür eine glückliche Hand wünsche, so Gerd Rößler.
Bis zum Urnengang am Sonntag, 23. Februar, sei der Gemeinde ein fairer Wahlkampf in gegenseitigem Respekt zu wünschen und danach „ein gemeinsames Handeln“ aller, die in der Gemeinde Verantwortung tragen: „Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen.“
Auch wenn seine Zeit in der Kommunalpolitik nun endet, wird sich Gerd Rößler weiterhin für die Allgemeinheit engagieren, und zwar im kirchlichen Ehrenamt. So ist er seit 2020 Mitglied der evangelischen Landessynode und wirkt überdies in Dekanatsgremien mit.
In seiner Heimatkirchengemeinde in Gebsattel möchte er sich künftig gerne ebenfalls stark einbringen, etwa als Lektor. Dem stand bisher sein politisches Amt im Wege. Ab März spräche dagegen zumindest formal aber nichts mehr, solange die Gesundheit mitmacht.
Da will er künftig besser aufpassen und empfiehlt deshalb auch dem künftigen Gemeindeoberhaupt, „sich regelmäßig die notwendige Auszeit für sich und seine Familie zu nehmen“. Er selber habe das versäumt.