Wie geht Nachhaltigkeit beim Einkaufen? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.09.2023 17:57

Wie geht Nachhaltigkeit beim Einkaufen?

Sylvia Landshuter verkauft seit vielen Jahren ihre Produkte auf dem Wochenmarkt in Ansbach. Sie hat viele Stammkunden. (Foto: Antonia Müller)
Sylvia Landshuter verkauft seit vielen Jahren ihre Produkte auf dem Wochenmarkt in Ansbach. Sie hat viele Stammkunden. (Foto: Antonia Müller)
Sylvia Landshuter verkauft seit vielen Jahren ihre Produkte auf dem Wochenmarkt in Ansbach. Sie hat viele Stammkunden. (Foto: Antonia Müller)

Die Gurke in Plastik eingeschweißt, die Riesen-Vorratspackung, die niemals leer wird, oder die Avocado aus Mexiko: Das sind die Paradebeispiele der Klimasünden beim Wocheneinkauf. Unnötiger Müll, Lebensmittelverschwendung und ein viel zu hoher CO2-Abdruck sind die Folgen. Mit verschiedenen Ansätzen lässt sich das Einkaufen umweltfreundlicher gestalten.

19 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen pro Jahr in Deutschland an. Pro Person knapp 230 Kilogramm. Das zeigen Zahlen des Umweltbundesamtes. Doch was bei uns zu Hause landet, ist noch nicht alles. Etwa ein Drittel des Verpackungsmülls in Deutschland fällt beim Transport an.

Ein Konzept versucht, alle Verpackungen zu minimieren: Unverpackt-Läden. Einer davon ist in Ansbach. Sarah Robinson hat ihn 2020 eröffnet. Wie sie dazu kam? Robinson studierte Umweltsicherung in Triesdorf. Mit ihren Studienkollegen stellte sie sich verschiedenen Herausforderungen, wie keine neuen Klamotten kaufen oder ohne Müll einkaufen. Das war schwierig, stellte sie fest.

Das Prinzip vom Einkaufen ohne Verpackung ist einfach. Man wiegt den mitgebrachten Behälter und notiert das Gewicht direkt darauf. Stifte oder Aufkleber liegen bereit. Hat man seinen Behälter vergessen oder möchte spontan einkaufen, gibt es vor Ort Gläser. Anschließend füllt man sich das Produkt ab. An der Kasse wird wieder gewogen, das Gewicht des Behälters abgezogen und anschließend bezahlt.

Und wie kommt die Ware im Unverpackt-Laden an? „Vieles kommt in Pfandbehältern“, erklärt Sarah Robinson. Andere Produkte werden in großen Papiersäcken oder Kartons geliefert. Plastik sieht man hier so gut wie nie.

Kaufen kann man in Unverpackt-Läden eigentlich alles, was man im Supermarkt auch bekommt. Einfach ist das bei trockenen Lebensmitteln wie Reis oder Nudeln. Doch auch Essig und Öl gibt es. In Robinsons Laden finden sich auch viele Kosmetik- und Putz-Produkte. Im Süßigkeitenregal gibt es Fruchtgummi, Schokolade und Kekse. In der konventionellen Vermarktung fällt durch Süßigkeiten besonders viel Müll an. Aber eine Extra-Verpackung für jede Praline – das lässt sich vermeiden, meint Robinson.

Ebenfalls umweltschonend: Man kann exakt die Menge abfüllen, die man benötigt. So landen weniger Lebensmittel im Müll. „Wenn wir bedarfsgerecht einkaufen, schmeißen wir weniger weg“, fasst Robinson zusammen. Auch Regionalität spielt in Unverpackt-Läden eine Rolle. Je kürzer die Wege, desto weniger CO2 bleibt auf der Strecke. Robinson arbeitet deshalb mit kleinen Manufakturen aus der Umgebung zusammen. Die Nudeln beispielsweise werden in Flachslanden hergestellt.

Es geht aber noch unmittelbarer: Direktvermarktung. In Hütten, Automaten oder kleinen Hofläden verkaufen immer mehr Landwirte ihre Waren. Die kurzen Wege sind gut fürs Klima. Transportmüll gibt es auch nicht. Viele der Produkte sind in Pfändgläsern oder zumindest ohne Plastik verpackt.

Ganz ohne Zwischenhändler

Eier, Milch, Kartoffeln, Kräuter oder Erdbeeren wandern direkt zum Käufer. Oder Erzeugnisse werden direkt verarbeitet. So gibt es auch Nudeln, Mehl, Schnaps, Fleisch oder Fisch. Selbst Essig und Öl gibt es aus dem Landkreis Ansbach.

In Stadt und Landkreis Ansbach gibt es 220 Direktvermarkter, die das Landratsamt Ansbach registriert hat. Auf einer Karte ist ein Großteil dieser Anbieter markiert. Ein Blick zeigt: Überall sind im Umkreis von wenigen Kilometern regionale Produkte verfügbar.

Wochenmärkte bieten ähnliches in geballter Form. Auf zentralen Plätzen versammeln sich verschiedene Stände. In zahlreiche Gemeinden hat sich ein solcher Markt etabliert. Produkte meist ohne viel Verpackung, mit kurzen Transportwegen und zu fairen Preisen.

Ein Besuch am Ansbacher Wochenmarkt: Ein Mann läuft mit einer Knolle Sellerie über den Martin-Luther-Platz. Das Grün ragt weit über seine Hand hinaus. Es ist Mittwochvormittag, zahlreiche Händler haben ihre Stände und Wagen in der Stadt aufgebaut. Zu kaufen gibt es Obst und Gemüse, Nudeln, Käse, Gewürze, Honig und Wachsprodukte sowie Blumen. Ein Stand bietet nur Demeter-Produkte an. Ein anderer bietet auch exotische Früchte wie Bananen.

In einem Verkaufswagen steht Sylvia Landshuter. Vor und hinter ihr türmen sich Nudelpackungen. Bandnudeln, Tortellini, Spätzle, Suppennudeln. „Rangau Landei“ steht auf den Verpackungen. An den Wänden des Wagens hängen Fotos von den Hühnern und von der Herstellung der Nudeln. Diese sowie Eier und Eierlikör stammen vom Hof der Familie Landshuter in Mausendorf bei Neuendettelsau.

Kurze Wege auf dem Wochenmarkt

Fleisch, Honig, Marmelade und Öl kommen von Direktvermarktern aus der nahen Umgebung. „Es ist wunderbar hier“, sagt ein Kunde, der eine Bestellung abholt. Er kommt regelmäßig. Allgemein hat Sylvia Landshuter viel Stammkundschaft. Seit etwa 20 Jahren ist sie mittwochs und samstags auf dem Markt in Ansbach. „Die kurzen Wege sind sehr wichtig“, betont sie. Sie will mit ihrem Stand zeigen, was es alles an tollen Produkten in Ansbach und Umgebung gibt.

Eine Standardempfehlung gibt Umweltingenieurin Sarah Robinson vom Unverpackt-Laden weiter. Jeder und jede sollte dafür seinen gelben Sack oder die gelbe Tonne genau inspizieren. Für zwei bis drei der Verpackungen, die darin am häufigsten vorkommen, sollte man dann Alternativen suchen. Joghurt- oder Quarkbecher und Milchtüten sind beispielsweise häufig. Außerdem lohnt es sich, die besonderen Produkte der Region zu entdecken.

Und noch ein Tipp: Viele vermeintlich nachhaltige Verpackungen werden ihrem Ruf nicht gerecht. Die Produktion der Baumwoll-Einkaufstasche zum Beispiel ist aufwendig, es wird dabei viel Wasser verbraucht. Diese Beutel lohnen sich erst, wenn man sie mehr als 100 Mal verwendet, haben Forscher ausgerechnet.

Sarah Robinson ist auch bei Glas vorsichtig. „Das rentiert sich eigentlich nur, wenn es ein regionales Produkt ist.“ Ansonsten ist es einfach zu schwer für den langen Transport.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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