Das Dasein als Fußballtrainer beschäftigt Niklas Reutelhuber dieser Tage zweifach. Einmal bei einem weiteren Lehrgang zur A-Lizenz in Frankfurt und dann ist da ja noch die SpVgg Ansbach, die er in den letzten Wochen für die zweite Saisonhälfte der Regionalliga präpariert hat. Durcheinander gerät er beim Interview dennoch nicht.
Herr Reutelhuber, zwischendurch litt die Wintervorbereitung der SpVgg Ansbach ein bisschen unter dem Winterwetter. Haben Sie sich beim Anblick von mehreren Zentimetern Schnee auf dem Kunstrasenplatz in ein Trainingslager ans Mittelmeer gewünscht?
Nein, das Wetter hat uns schon beeinflusst, aber wir haben das Beste daraus gemacht und hatten immer ein Alternativprogramm. Manchmal wurde eben indoor an der Athletik gearbeitet, auch das waren gute Einheiten, die uns weiterbringen.
Am Tag nach Ihrem 27. Geburtstag hat die SpVgg Ansbach das letzte Testspiel der Wintervorbereitung mit 2:6 bei den Kickers Würzburg verloren. Man könnte sich ein schöneres Geschenk vorstellen.
Wenn man sechs Gegentore bekommt, geht man nie mit einem guten Gefühl vom Platz. Aber es war nicht alles schlecht in diesem Spiel. Wir haben drei Standardgegentore bekommen, zwei nach Fehlern im Spielaufbau. Fünf der sechs Gegentore haben wir den Kickers geschenkt. Wir hatten auch gute Phasen, haben zwischendurch viel richtig gemacht. Die Kickers mussten sogar ihr Pressing umstellen, weil sie mit uns zunächst nicht zurechtgekommen sind. Das ist ihnen noch nicht oft passiert.
In sieben Vorbereitungsspielen gab es zwei Siege gegen Bayernligisten und zuletzt drei Niederlagen gegen Regionalligisten mit 2:9 Toren. Die Erfolgserlebnisse waren rar in den letzten Wochen der Vorbereitung.
Also bei uns ist jetzt keineswegs Krisenstimmung, wir wissen die Dinge einzuordnen. Unser maximaler Fokus gilt jetzt dem Spiel beim FC Augsburg II, ganz unabhängig von den Resultaten, die wir zuletzt erreicht haben. Wir haben in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet, die Mannschaft ist fit. Zwischendurch war sie körperlich in einem Loch, aber am Samstag wird sie frisch sein, sie wird sich auf dem Platz richtig wohlfühlen, weil wir frische Beine haben werden und total viele Meter gehen können. Wir werden einem sehr guten Gegner ein sehr intensives Spiel liefern.
Es gab kein Testspiel ohne Gegentor. Dabei hat man sich doch vorgenommen, im zweiten Saisonhalbjahr weniger Treffer zu kassieren.
Das lag auch daran, dass wir von den Matchplänen her in jedem Spiel eher auf uns konzentriert waren und nicht speziell auf die andere Mannschaft eingestellt. Das wird gegen Augsburg anders sein, wir werden uns intensiv auf den Gegner vorbereiten und die Spieler wissen dann genau, was auf sie zukommt.
Der im Sommer verpflichtete Torhüter Lukas Peterson hat im ersten Halbjahr keine große Rolle gespielt. Den Spielanteilen in der Vorbereitung nach ist Stammtorhüter Heiko Schiefer mit Winter-Neuzugang Jan Mottl aber ein echter Konkurrent erwachsen.
Ja, es gibt viele Spieler, die bei uns leistungsmäßig gleichauf sind, das sind ganz enge Entscheidungen. Man sieht das auch daran, dass ich in Würzburg so viele Wechsel wie wohl noch nie zuvor im letzten Testspiel einer Vorbereitung vorgenommen habe.
Wie haben sich die anderen Neuzugänge geschlagen? Beginnen wir mit Üveys Ayan.
Ein junger Spieler mit unfassbarer Qualität für sein Alter. Er ist total ehrgeizig, arbeitet diszipliniert und mit Leidenschaft, aber er muss sich noch Zeit geben.
Salih Sen?
Er bringt viel Qualität mit, das sieht man, wenn er den Ball berührt. Er hat eineinhalb Jahre nicht gespielt wegen einer Knieverletzung, muss bei der Fitness noch ein paar Prozent zulegen und ebenfalls geduldig sein.
Ken Mata?
Er hat uns überzeugt, macht seine Sache schon richtig gut, ist fit, total schnell und fleißig im Spiel gegen den Ball. Er bietet schon ein sehr gutes Gesamtpaket.
Der Xaver-Bertsch-Sportpark ist zum Teil noch eine Baustelle und wird das auch im ersten Heimspiel am 7. März gegen den 1. FC Nürnberg II noch sein. Die Gegengerade ist abgerissen. Wo werden dann eigentlich die Trainerbänke platziert?
Da steht doch ein Baukran, vielleicht lasse ich mich mit dem nach oben fahren und genieße das Spiel aus der Vogelperspektive. Nein, im Ernst: Irgendein Provisorium wird sich finden.
Acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone, vier Punkte Rückstand auf einen einstelligen Tabellenplatz. Schauen Sie bei der Tabelle zuerst nach oben oder nach unten?
Weder noch, ich schaue auf das Spiel am Samstag und freue mich, dass es wieder losgeht.
Niklas Reutelhuber aus Alesheim war als Spieler bereits für die SpVgg Ansbach aktiv und übernahm 2023 den Cheftrainerposten bei den nullneunern. Der Student der Sportwissenschaft spielt nebenbei noch für den Bezirksligisten SV Alesheim.