Offene und geschlossene Baustellen, Transfers unter Zeitdruck und die Herausforderungen für Jugendspieler sind Themen dieses Interviews mit dem Sportlichen Leiter des Fußball-Regionalligisten SpVgg Ansbach. Zwischendurch schiebt Christoph Hasselmeier eine andere Telefonkonferenz ein, ist danach aber sofort wieder im Thema.
Herr Hasselmeier, zunächst die Standardfrage an Bauherren: Wie geht es voran?
Mit der neuen Lounge für unsere Partner oben im Sportheim sehr gut. Da sind wir optimistisch, dass wir die schon im Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching am 24. März nutzen können. Bei der neuen Gegengerade herrscht seit Wochen witterungsbedingt kompletter Stillstand. Von einem Fertigstellungstermin zu sprechen, wäre reine Spekulation. Aber ich bin optimistisch, dass wir die neue Tribüne diese Saison noch einweihen können.
Immerhin sind die Baustellen im Kader mittlerweile geschlossen.
Ja, bei der Transferperiode ist unser Kaderplaner Manuel Deißler super in Wirkung getreten, da hat er wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Entscheidung, ihn mit ins Team zu holen, war goldrichtig. Ohne ihn wäre das nicht zu schaffen gewesen. Er hat die Wechsel initiiert und Harald Riegler hat sich um die Formalitäten gekümmert. Und das war diesmal wirklich kein leichter Job. Da waren internationale Wechsel dabei, da ging es um Minderjährige und das alles unter hohem Zeitdruck. Das haben sie hervorragend hinbekommen.
Manuel Deißler ist auch als Spielerberater tätig, vertritt unter anderem mehrere Ansbacher Kicker. Wenn jemand zugleich auf der Angebots- und auf der Nachfrageseite aktiv ist, kann man einen Interessenskonflikt vermuten.
Es ist geplant, dass er sich aus der Beratung komplett zurückzieht und sich nur noch auf die Kaderplanung bei uns konzentriert. Und es ist auch nicht so, dass er das letzte Wort bei der Budgetierung hat.
Welchem Bauplan für den Kader folgten die Wechsel?
Wir hatten vier Abgänge, drei davon kamen nicht überraschend. Bei Tom Abadjiew wussten wir frühzeitig Bescheid, bei Robin Hilpert hat sich abgezeichnet, dass seine Ausbildung bei der Polizei mit Leistungsfußball nur schwer zu vereinbaren sein wird und bei Abdennour Rhani war die Vertragsauflösung unser Wunsch. Überraschend war der Abgang von Tarkan Ücüncü in die Türkei, aber die Chance wollten wir ihm nicht verbauen und haben auch eine Ablöse bekommen. Und mit nur 18 Feldspielern in die Rückrunde zu gehen, das war uns zu dünn, auch im Hinblick auf die Trainingsarbeit.
Neu verpflichtet wurden Torwart Jan Mottl von der SpVgg Greuther Fürth II, Üveys Ayan aus dem Nachwuchs des 1. FC Nürnberg, Salih Sen, ehemaliger FC-Bayern-Nachwuchsspieler aus der Türkei, und kurz vor Toreschluss kam auch noch Ken Mata, ein Regionalligaspieler vom FC Homburg.
Bei Ken waren wir sehr spontan und schnell, sonst hätten wir so einen Spieler nicht bekommen. Er will wieder in den Profifußball kommen und wir wollen ihm das Sprungbrett dafür bieten. Wenn wir dann noch eine entsprechende Ablöse für ihn generieren, ist der Plan voll aufgegangen.
Der Kampf um die Stammplätze, vor allem in der Offensive, dürfte schärfer werden.
Das ist zu erwarten, und man kann insgesamt sagen, dass wir die Mannschaft durch die Wintertransfers qualitativ nach vorn gebracht haben. Und wir haben Geld eingespart, den Etat im Vergleich zum Sommer reduziert. Auch das war ein Ziel, das wir nun erreicht haben.
Vergangenes Jahr wurde ein Förderkader für junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs gebildet, die man über Extra-Einheiten unter anderem mit den Trainern der ersten Mannschaft speziell fördern will. Gibt es das Projekt noch?
Klar, das Projekt lebt, die nächste Trainingseinheit leiten Michael Griebel und ich, demnächst macht der Förderkader ein Testspiel gegen den Landesligisten TSC Neuendettelsau.
Wir wollten auf keinen Fall die U19 im Aufstiegskampf zur Bayernliga schwächen.
Es wurde aber nun im Winter kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft befördert.
Also Moment, da muss man schon geduldig sein, da sind ja auch 15- und 16-Jährige dabei. Das Projekt ist darauf ausgelegt, beim Nachwuchs die Gier, in die erste Mannschaft zu kommen, noch größer werden zu lassen. Zur aktuellen Situation: Es gab schon einige Kandidaten, die man hätte hochziehen können. Aber wir wollten auf keinen Fall die U19 im Aufstiegskampf zur Bayernliga schwächen. Auch die haben wir im Winter mit Julian Ott von der SpVgg Mögeldorf verstärkt. Das ist schon ein Zeichen dafür, dass uns der Erfolg der Jugend sehr wichtig ist.
Üveys Ayan ist schon ein wahnsinnig spannender Spieler.
Man könnte die Personalpolitik in diesem Winter aber auch so verstehen, dass die eigenen Jugendspieler nicht nach oben kommen, weil 17-Jährige aus dem Nachwuchs des FCN geholt werden.
Also Üveys Ayan ist schon ein wahnsinnig spannender Spieler und speziell bei ihm muss man das Gesamtpaket sehen. Sollte er sich nicht gleich in der ersten Mannschaft durchsetzen, wird er die U19 verstärken. Er ist in jedem Fall ein Gewinn für uns.
Es gab eine Zeit, in der die SpVgg Ansbach zu Recht mächtig stolz auf eine hohe Quote von Eigengewächsen in der Männermannschaft war. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass es für die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs schwieriger wird, in die Erste zu kommen.
Es ist tatsächlich nicht leicht, sich Einsatzzeiten in der Regionalliga zu erkämpfen. Die Qualität im Kader ist hoch und ob jemand seine Chance wahrnimmt und sich durchsetzt, hängt von vielen Faktoren ab. Aber wir sind schon bestrebt, die nach wie vor hohe Quote an Eigengewächsen nicht signifikant zu verändern.
Blicken wir auf die Transfers im Sommer zurück. Von den Neuzugängen voll eingeschlagen hat unbestritten Mirko Puscher. Johannis Zimmermann spielt ebenfalls viel, Ben Müller kam erst im Herbst dazu, ist aber die erwartete Verstärkung. Andere sind von einem Stammplatz doch ziemlich weit entfernt.
Ich bewerte die Transfers im Sommer insgesamt sehr positiv, auch weil wir den Personaletat erstmals deutlich reduziert haben. Wir hatten sieben Zugänge, von denen ich nach wie vor zu hundert Prozent überzeugt bin, aber man kann nicht erwarten, dass alle sofort Stammspieler werden. Wir haben die Mannschaft verjüngt und es kann immer mal ein Jahr dauern, bis sich ein Neuer durchsetzt. Das war zum Besispiel bei Tarkan Ücüncü so und auch Björn Angermeier hat länger gebraucht, bis er richtig im Team war.
Dino Nuhanovic, als sofortige Verstärkung für die Offensive vorgestellt, hat zwar eine gute Trefferquote, kommt über die Rolle als Joker aber kaum hinaus. Droht ihm das gleiche Schicksal wie Rhani, der 2024 aus Saarbrücken kam und als uneingelöstes Versprechen Ansbach nun wieder verlassen hat?
Dino ist unfassbar ehrgeizig, arbeitet wahnsinnig viel und man darf sehr gespannt sein, wie er sich in der Rückrunde schlägt. Ich bin total überzeugt von ihm. Bei den Wechseln im vergangenen Jahr lässt sich insgesamt sagen, dass wir den Etat reduziert und Qualität gewonnen haben. Man muss auch sehen: Wir verpflichten ja nicht nur Spieler, sondern Menschen, die sich neu in einer Gruppe zusammenfinden müssen. Wir sind bei jedem Einzelnen froh, dass er da ist.
Sie sind nicht nur der Sportliche Leiter, sondern gehören auch zum Trainerteam. Wie gelingt es der SpVgg Ansbach, in den restlichen 15 Saisonspielen noch auf Platz acht zu klettern und damit das Saisonziel zu erreichen?
Wir haben im ersten Halbjahr schon einige Punkte liegen lassen und daher sehe ich uns nicht da eingruppiert, wo wir hingehören. Wir gehören im Angriff zu den besten fünf Mannschaften, haben aber die zweitschlechteste Defensive. Da kommt dann eben nicht mehr als Platz zwölf heraus. Für uns geht es nun nicht darum, mehr Tore zu schießen, sondern weniger zu bekommen.
Wie sieht der Bauplan für eine bessere Verteidigung aus?
Wir haben uns im Trainerteam intensiv mit den Gegentoren auseinandergesetzt. Zu viele haben wir nach Standardsituationen bekommen, wir haben auch zu viele Tore kassiert, weil wir im letzten Drittel nicht konsequent verteidigt haben. Da geht es unter anderem darum, wie man zum Gegenspieler steht. Zum Teil waren die Abstände zu groß, auch beim Verschieben. Wir wollen es den anderen Mannschaften einfach schwerer machen, uns zu bespielen.
Die Diskussion um eine Reform der Regionalliga hat Fahrt aufgenommen. Im Moment ist eine Reduzierung der Regionalligen von fünf auf vier Staffeln das aussichtsreichste Modell. Dann könnte Ansbach von der geografischen Lage her zur Verschiebemasse zwischen einer neuen Süd- und einer Ost-Staffel werden, sollten die bayerischen Vereine getrennt werden.
Ich verfolge das eher am Rande. Ob wir irgendwann öfter nach Baden-Württemberg oder eher in den Norden und Osten fahren, ist mir relativ egal. Ebenso, ob die zweiten Mannschaften der Bundesligavereine aus der Liga genommen werden. Vom Zuschaueraufkommen her ist da für uns nur Bayern II relevant. Wichtig ist, dass wir zu den besten 80 oder 85 oder wie viele Vereine auch immer dann noch in der neuen vierten Liga in Deutschland spielen, gehören. Und darum mache ich mir keine Sorgen.
Christoph Hasselmeier (34) aus Sachsen bei Ansbach war als Spieler seit 2010 viele Jahre lang für die SpVgg Ansbach aktiv, führte sie als Trainer in die Regionalliga und gehört mittlerweile als Sportlicher Leiter dem Vorstand an. Der verheiratete Familienvater arbeitet als Regionaldirektor Firmencenter Ansbach bei der Sparkasse. Seine Karriere als Spieler, zuletzt war er noch sporadisch beim Heimatverein in Sachsen aktiv, hat Hasselmeier beendet.