Jetzt geht es ans Eingemachte: Die neu ins Leben gerufene Arbeitsgruppe (AG) zur Reform der fünf Fußball-Regionalligen in Deutschland hat ihre Arbeit aufgenommen. Am Montag, 24. November, tagte die 13-köpfige Gruppe und einigte sich darauf, sich „zunächst auf die Reduzierung der Regionalligen auf vier Staffeln zu fokussieren”.
Die Arbeitsgruppe war nach dem DFB-Bundestag vom 7. November dieses Jahres ins Leben gerufen geworden und tagte Mitte November zum ersten Mal. AG-Vorsitzender ist Michael Vesper, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der sagte nach der Sitzung vom Montag: „Das war ein sehr guter Einstieg in die inhaltliche Diskussion. Es wurde deutlich, dass alle in der Gruppe bereit und interessiert sind, konstruktiv an einer Lösung mitzuwirken. Wir haben über alle denkbaren Modellansätze gesprochen und erste Bewertungen vorgenommen. Aus meiner Sicht war das ein deutlicher Schritt nach vorne.”
Die AG setzt sich aus Verbands- und Vereinsvertretern der fünf deutschen Regionalligen zusammen. Die nächsten Tagungen sind für Januar, Februar und März 2026 geplant. Die Arbeitsgruppe selbst hat keine Entscheidungsgewalt. Sie kann nur einen Vorschlag zur Regionalliga-Reform machen, über den ausschließlich die DFB-Beschlussgremien entscheiden.
Hintergrund der geplanten Reform ist die umstrittene Aufstiegsregelung zur 3. Liga, für die es nur vier Aufstiegsplätze gibt. Die Meister aus der Regionalliga West und Südwest verfügen über einen garantierten Aufstiegsplatz. Die Meister aus den Staffeln Bayern, Nord und Nordost müssen sich dagegen in einer nicht gern gesehenen Aufstiegsrelegation abwechseln. Das wird von betroffenen Vereinen als unfairer Wettbewerb propagiert. Federführend für den Reform-Willen sind Clubs aus der Regionalliga Nordost, in der Vereine wie Lok Leipzig, Carl Zeiss Jena, Rot-Weiß Erfurt oder FSV Zwickau beheimatet sind. Die haben den Slogan kreiert: „Meister müssen aufsteigen.”
Auf die Seite der Reformer haben sich auch Fans des deutschen Rekordmeisters geschlagen. Als die zweite Mannschaft des FC Bayern München am 3. Oktober dieses Jahres im Xaver-Bertsch-Sportpark bei der SpVgg Ansbach gastierte, plakatierten ihre Anhänger eine Banderole mit dem Slogan: „Meister müssen aufsteigen! BFV-Privileg eigener Regionalliga abschaffen!” Ob sie nach dem aktuellen Tabellenstand der Regionalliga Bayern immer noch glühende Verfechter der Reform sind? Derzeit liegen die „kleinen Bayern” in der Tabelle nur auf Rang zehn und könnten Gefahr laufen, aus der 4. Liga, sprich Regionalliga, herauszufallen.
Auch BFV-Präsident Christoph Kern sieht die Notwendigkeit von Gesprächen, äußerte sich heuer bei der Sommertagung der Regionalliga Bayern in Ansbach aber betont zurückhaltender: „Fest steht für mich, dass wir das zweifelsfrei vorhandene Problem mit der Forderung ‚Der Meister muss aufsteigen‘ nicht einfach in unsere Bayernligen verlagern werden. Wenn, dann brauchen wir eine nachhaltige und durchdachte Lösung.”
Im Blick hat die Diskussionen auch der Sportliche Leiter der SpVgg Ansbach, Christoph Hasselmeier. Gegenüber der FLZ sagte er in einem Interview: „Wir verfolgen die Diskussionen um die Reform interessiert, aber auch entspannt. Sollte es so kommen, dass aus 90 Regionalligisten in fünf Ligen vier Ligen mit je 20 Vereinen gebildet werden, traue ich uns schon zu, zu diesen 80 Vereinen zu gehören. Was uns da eher umtreibt, ist die Tatsache, dass der Reiseaufwand höher wird.”
Zuletzt war auch über die Einführung einer neuen zweigleisigen 4. Liga zwischen der 3. Liga und der Regionalliga diskutiert worden. Es zeichnet sich ab, dass dieses Modell keine breite Mehrheit finden wird. Zudem gibt es einen Vorschlag zu einer U21- Bundesliga, in der sich die Nachwuchskräfte von Profivereinen weiterentwickeln könnten. Befürworter dieser Version ist Jürgen Klopp. Der Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums wurde in eine Experten-Kommission berufen, die die Zukunft des deutschen Fußballs vorantreiben soll. In diesem Zusammenhang kam auch der Unmut etlicher Regionalligisten zur Sprache, die kritisieren, dass die Reserveteams der Profivereine unter völlig anderen Voraussetzungen als die „normalen” Klubs in der Regionalliga spielen.
Die Lage ist verzwickt, es gilt nun, den Gordischen Knoten aufzudröseln. Sollte die Arbeitsgruppe eine mehrheitsfähige Lösung für ein Vier-Staffel-Modell entwickeln, könnte darüber 2026 im Rahmen eines außerordentlichen Bundestages abgestimmt werden. Die Reform könnte zur Saison 2027/28, oder eine Spielrunde später, umgesetzt werden. Dass sie kommt, scheint unumstößlich.
In der Regionalliga gibt es insgesamt vier Aufstiegsplätze in die 3. Liga. Die Meister der Regionalliga West und Südwest steigen direkt auf, während die beiden übrigen Aufstiegsplätze zwischen den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern verteilt werden. Ein Meister aus Nord, Nordost und Bayern steigt nach einem jährlich rotierenden System direkt auf, während die beiden übrigen Meister in Aufstiegs-Playoffs den vierten Aufsteiger ausspielen.