Eine durchaus wackelige Angelegenheit war das Finale der Weltmeisterschaft im Gabelstaplerfahren in Aschaffenburg. Mit viel Nervenstärke, Präzision und letztlich einem ruhigen Händchen hat sich Tina Föhre-Scheller aus Rothenburg den WM-Titel der Frauen gesichert.
„Ich fahre tatsächlich länger Gabelstapler als ich verheiratet bin“, erzählt die Rothenburger Siegerin. Bewusst war ihr das bis zu der Teilnahme am StaplerCup nicht. Jedoch ist der Zeitraum zwischen diesem Jahrestag und dem mit ihrem Mann nicht sonderlich groß. 2003 hat Föhre-Scheller ihren Stapler-Führerschein gemacht. Seither „ist das eine Leidenschaft von mir“, sagt sie. Was die 44-Jährige so sehr daran mag, lässt sich schwer in Worte fassen. Dennoch kann sie sagen: „Ich habe schon immer gerne gestapelt, Sachen von A nach B gefahren, das hat mir einfach gefallen.“ Diese Aufgaben sind Teil ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Lager der Firma Bosch in Blaufelden. In diesem Jahr ist die Rothenburgerin bereits das dritte Mal bei der Stapler-Meisterschaft angetreten. Heuer sind erstmals Fahrerinnen und Fahrer aus aller Welt dabei.
Der Wettbewerb sei ihr zwar schon länger bekannt gewesen, doch erst durch einen Kollegen hat sie sich vor mehreren Jahren für die Vorrunde angemeldet. Da die 44-Jährige in Baden-Württemberg arbeitet, ist sie in Neckarsulm angetreten und nicht wie die männlichen Teilnehmer aus der Region in Nürnberg. Wettbewerbe wie diese machen der Rothenburgerin „unglaublich viel Spaß“ und sie genießt es, Zeit mit Menschen zu verbringen, die die gleiche Leidenschaft wie sie – das Staplerfahren – teilen.
„Man hat schon Lust, mitzufahren und den Männern zu zeigen, dass auch Frauen Gabelstapler fahren können“, sagt Föhre-Scheller. Ihr ist es ein besonderes Anliegen, das auch anderen Frauen zu beweisen. „Es geht dabei nicht um Gleichstellung“, so die Rothenburgerin. Generell seien im Staplerfahren schon immer Männer präsenter gewesen, sagt sie. Bei ihrem Arbeitgeber sei damals einiges an Überzeugungskraft erforderlich gewesen, bis ihr Chef sie das erste Mal hat fahren lassen, erzählt die 44-Jährige. „Ich habe ihn so lange genervt, bis er mir den Schlüssel zugeworfen hat.“
Nach ihrer ersten Teilnahme am StaplerCup – noch vor Pandemiezeiten – wurden die Ergebnisse der Frauen „unter den Tisch gekehrt“, so Föhre-Scheller. Daraufhin hat sie eine Nachricht an die Organisatoren geschickt und auf diesen Umstand hingewiesen. „Das hat sich seitdem auch geändert“, sagt sie und ist zufrieden. Das Fahrverhalten der beiden Geschlechter unterscheidet sich ihrer Ansicht nach signifikant. „Frauen denken glaube ich ein bisschen mehr nach, sind langsamer, aber genauer. Männer gehen viel mehr Risiko ein“, so die Rothenburgerin. Das andere Geschlecht fährt schneller und nimmt mehr Kollateralschäden in Kauf, sagt sie. „Das sieht man im Wettbewerb.“ Frauen würden das Ziel häufiger als die männlichen Teilnehmer erreichen, jedoch benötigen sie dafür meist länger.
In insgesamt fünf Runden musste die WM-Siegerin mehrere Parcours mit dem Stapler bezwingen. Diese waren alles andere als leicht. „Man sieht manchmal nicht viel und muss dann nach Gefühl arbeiten“, beschreibt die Rothenburgerin die Disziplinen.
Stapeln, stapeln und noch mehr stapeln: Das war die Devise bei all den Aufgaben. Von Kisten über Schaumstoff bis hin zum Zusammenbauen eines großen Menschen aus mehreren Teilen. Der Kniff dabei: Alle Fahrerinnen mussten mehrmals „mit dem wackeligen Teil noch über die Wippe“, so Föhre-Scheller. Die Wippe sei das Schwierigste gewesen. „Letztlich braucht man ein ruhiges Händchen.“
Obwohl die Rothenburgerin im Vorfeld nicht viel üben konnte, hat sie die Aufgaben zum Schluss als Beste gemeistert. Ob sie damit gerechnet hat? „Überhaupt nicht. Ich war total überrascht, ich habe nicht erwartet, dass ich so gut abschneide.“ Mit ihrem Sieg in der Stapler-Weltmeisterschaft hat sich Tina Föhre-Scheller automatisch für die Team-Weltmeisterschaft 2025 qualifiziert. Dort wird sie Teil des Deutschen Teams sein. Der Druck steigt: „Ich muss sozusagen meinen Titel verteidigen.“