Nur weil Florian Bremm aus Colmberg zum neuen Jahr für einen Verein namens Franconia antritt, muss niemand um die körperliche Unversehrtheit des Langstreckenläufers fürchten. Eine Mensur steht bei Franconia Athletics nicht auf dem Programm. Bei der pflichtschlagenden Erlanger Burschenschaft gleichen Namens schon.
Anders als bei der Studentenverbindung Frankonia, Wahlspruch Ehre-Freiheit-Vaterland, gehen die Mitglieder der Franconia Athletics nicht mit dem Degen aufeinander los, sondern bestreiten gemeinsam Leichtathletik-Wettkämpfe. Im Vorfeld der Vereinsgründung gab es durchaus Diskussionen darüber, ob man sich so ähnlich wie die benachbarte Burschenschaft nennen soll.
Abgesehen vom kleinen C soll der Unterschied in der Aussprache, gerne mit englischem Zungenschlag, deutlich werden. Und wenn es gut läuft, dürfte Franconia bald sehr viel bekannter sein als die Frankonia und zwar nicht nur in Franken.
„Wir versuchen, unseren Sport so professionell wie möglich zu betreiben. Der neue Verein bietet da einfach bessere Möglichkeiten”, sagt Bremm, der bisher wie seine Kollegen von der Erlanger Trainingsgruppe Running Gags für den LSC Höchstadt gestartet ist. Im Paket sind die rennenden Witze nun zu Franconia Athletics gewechselt. Ausnahme ist der Scheinfelder Theo Schell. „Das lief ganz ohne Ärger ab, wir gehen im Guten auseinander”, sagt Bremm, der im Trikot des LSC etliche Medaillen und deutsche Meistertitel gewonnen hat.
Franconia Athletics ist Teil der Germany Athletics, ein Franchisesystem für Leichtahletik-Vereine in ganz Deutschland. Dahinter steht der ehemalige Weltklasse-Hammerwerfer Claus Dethloff (57) aus Lübeck, der auch am fränkischen Standort Vereinsvorsitzender ist. Weitere Posten im doch etwas unter Zeitdruck schnell noch im alten Jahr gegründeten Verein übernahmen zum Teil Familienmitglieder der Sportler.
Mit dem Ziel, die Leichtathletik in Deutschland in der Spitze besser zu fördern, brachte Dethloff 2021 die Cologne Athletics zur Welt. Einige weitere Vereine kamen seither dazu, die etliche Top-Athleten anlockten. Auch Mohamed Abdilaahi, ewiger Rivale von Bremm über die 5000 Meter, wechselte von Dortmund zu den Athletics.
Das harte Training eines Profisportlers kostet nicht nur viel Mühe, sondern auch viel Geld. Da sind die Trainingslager, die Reisen zu den Wettkämpfen, das Material, etwa die dauernden Laktatmessungen beim Training. „Dafür sind einfach mehr finanzielle Mittel da”, sagt Bremm, Mitglied der Spitzensportförderung der Polizei.
Und auch bei den Prämien ist das Athletics-Franchise relativ großzügig. Das beginnt bereits bei 300 Euro für einen Titel bei Bayerischen Meisterschaften, 1500 Euro bringt eine Deutsche Meisterschaft und für internationale Erfolge gibt es 3000 Euro. Auch Rekorde und Bestleistungen werden belohnt, auf nationaler Ebene etwa mit 2250 Euro.
„Wollen wir international wieder mehr Medaillen holen, brauchen wir eine viel intensivere Förderung des Hochleistungssports. Die Top-Athleten und deren Trainer brauchen bessere Bedingungen”, so Dethloff bei sportschau.de. Der Unternehmer hat sich öffentlich schon mehrfach kritisch über den Deutschen Leichtathletik-Verband geäußert, will die Sportart durch neue Wettbewerbsformate attraktiver für Zuschauer und Sponsoren machen.
Das System der Athletics-Vereine provoziert auch Kritik. Ein unter anderem von den arrivierten Vereinen vorgebrachter Vorwurf lautet, dass sich die Athletics vor allem bereits fertig entwickelte Athleten und Athletinnen schnappen ohne Nachwuchsarbeit zu leisten. Diesem Argument tritt Dethloff mit dem Hinweis auf Schulsportveranstaltungen entgegen.
Für Bremm, der lange für den TV Leutershausen startete, dieses Jahr in Tokio seine erste Weltmeisterschaft erlebte und auf Rang 41 der 5000-Meter-Weltrangliste steht, überwiegen die Vorteile. Zu denen zählt, dass die Running Gags ihren bisherigen Sponsor mit einbringen dürfen.
Neun Mitglieder werden derzeit auf der neuen Franconia-Homepage als Mitglieder im Leistungsteam Lauf aufgeführt. Eine friedliche Burschenschaft in Turnschuhen.