„Unvergessliches Erlebnis”: Vom Uttenhöfer Handwerker zum Ironman in Nizza | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.10.2025 13:00

„Unvergessliches Erlebnis”: Vom Uttenhöfer Handwerker zum Ironman in Nizza

Geschafft: Gerd Stöcklein erreicht bei der Ironman-WM im französischen Nizza nach elf Stunden, 18 Minuten und 37 Sekunden das Ziel. (Foto: Franziska Stöcklein)
Geschafft: Gerd Stöcklein erreicht bei der Ironman-WM im französischen Nizza nach elf Stunden, 18 Minuten und 37 Sekunden das Ziel. (Foto: Franziska Stöcklein)
Geschafft: Gerd Stöcklein erreicht bei der Ironman-WM im französischen Nizza nach elf Stunden, 18 Minuten und 37 Sekunden das Ziel. (Foto: Franziska Stöcklein)

Beruflich hat Gerd Stöcklein aus Uffenheim-Uttenhofen als selbstständiger Handwerker viel mit Holz und Metall zu tun, doch sein Körper ist aus Fleisch und Blut. Trotzdem ist der 45-Jährige ein Ironman – ein Eisenmann, also. Vor wenigen Wochen ging er bei der Triathlon-WM in Nizza an den Start. Nun träumt er von Hawaii. „Aloha.”

Wenn Gerd Stöcklein zur Begrüßung die Hand reicht, kommen die Muskeln in seinen Armen so richtig zur Geltung. An seinem Körper ist kein Gramm Fett zu viel. Der 45-Jährige ist durchtrainiert. Nein, das wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, dafür arbeitet Stöcklein hart. Sehr hart. Tag für Tag.

Denn wer sich mehr als einen Ruhetag in der Woche gönnt, der wird nicht besser, nicht schneller. Deshalb schwingt sich der Uttenhöfer zwischen Arbeit und Familie abends noch für eine Drei-Stunden-Einheit aufs Rennrad. Oder er geht Laufen. Zwei Stunden lang. Unter zwölf Stunden Training pro Woche sind es äußerst selten. „Dafür braucht man einen sehr strukturierten Alltag.” Wofür das alles? Sein Ziel hat Gerd Stöcklein immer vor Augen: die Teilnahme am Ironman 2028 auf Hawaii. Der Lebenstraum eines jeden Eisenmannes. .

Teilnahme an den Ironman-Weltmeisterschaften in Nizza

Dabei hat der Triathlet gerade erst einen Meilenstein erreicht. Nicht irgendeinen, sondern den wohl zweitgrößten: die Teilnahme an den Ironman-Weltmeisterschaften. In Nizza, nicht auf Hawaii. Côte d'Azur statt Na-Pali-Küste. Salut statt Aloha. Baguette statt Toast. Aber nein, nur zum Sightseeing oder um die kulinarischen Höhepunkte Frankreichs zu genießen, ist Stöcklein nicht angereist. Vielmehr, um sich zur sportlichen Höchstleistung anzutreiben.

3,8 Kilometer Schwimmen im tiefblauen Meer. 180 Kilometer Radfahren, „die wahrscheinlich bergigste Strecke” bei einer Triathlon-WM. 2700 Höhenmeter. Und zum Abschluss noch ein kleiner Marathon, 42 Kilometer entlang der Côte d'Azur. Rund 2400 Athleten starteten, der Älteste war 76 Jahre jung. Auch er hat das Ziel erreicht. Stöcklein war mit sich und seinem Resultat sehr zufrieden, ist im vorderen Drittel gelandet – mit elf Stunden, 18 Minuten und 37 Sekunden.

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Dabei ist Gerd Stöcklein gewissermaßen ein Sport-Quereinsteiger, erst seit fünf Jahren Athlet. „Ich komme vom Modernen Fünfkampf und der Musik”, sagt er. Musikverein, junge Schar, Spielmannszug. Bis seine Frau eines Tages zu ihm sagte: „Überleg' dir doch mal was Anderes.” Schließlich hänge das Musikanten-Dasein doch immer stark mit Feiern und entsprechend auch einem gewissen Alkohol-Konsum zusammen. „Vor fünf Jahren habe ich für mich dann beschlossen: Ich fange mit dem Sport an.”

Schließlich wurde er vor 30 Jahren mit dem Modernen Fünfkampf bayerischer, süddeutscher und deutscher Vizemeister in der Jugend. Doch irgendwann hat es ihm der Triathlon angetan. Hamburg, Frankfurt, natürlich Roth, Barcelona. Überall ging er in der Langdistanz an den Start. Und nun eben vor gut zwei Wochen bei der WM in Nizza. „Mein Ziel ist jetzt die WM auf Hawaii 2028.” Alle Triathleten reden immer von Hawaii. Auch die Familie, die ihn bei allen sportlichen Städtereisen begleitet, freut sich schon auf die Insel.

Stöcklein hat einen eigenen Fanclub

Gerd Stöcklein hat sogar einen eigenen Fanclub. 20 Frauen und Männer haben ihn nach Frankreich begleitet (zwei davon haben kurzerhand vorher noch mit dem Rad die Alpen überquert, knapp 1000 Kilometer in fünf Tagen zurückgelegt), standen in Deutschland-Trikots an der Strecke und jubelten ihrem Gerd zu. „Das war voll verrückt, für mich ein unvergessliches Erlebnis”, sagt der 45-jährige Familienvater – und Motivation in diesen durchaus nicht immer ganz einfachen Herausforderungen.

Der Sportler skizziert einen klassischen Tagesablauf bei der WM. Am Wettkampftag heißt es um 3.30 Uhr aufstehen. Ein leichtes Frühstück, danach geht es los. Um 6 Uhr müssen die Athleten in der Wechselzone sein. Ein besonderer Ort, sagt Stöcklein, an dem bei der WM Räder und andere Materialien im Wert von rund 20 Millionen Euro stehen. Die Wetterbedingungen waren nicht ganz optimal: knapp 30 Grad und Wind. „Das ist sehr kräftezehrend. Verpflegung ist da alles.” Wobei Verpflegung nicht gleich Verpflegung ist.

Schließlich trainiert der Mann aus Uttenhofen nicht nur Ausdauer, Muskeln und die richtige Technik für die jeweilige Disziplin. Nein, Gerd Stöcklein musste auch seinen Magen trainieren, möglichst viel Zucker in kurzer Zeit verarbeiten zu können: „Man braucht 100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde.” Derartige Zucker-Schocks ohne ungewünschte Nebenwirkungen müssen geübt sein. „Das ist eigentlich total krank”, sagt Stöcklein und lacht.

Ein Ironman wie er ist eben bekannt für seine eisenharte Disziplin. Aber zuweilen, gesteht er, vermisst er schon auch sein Feierabendbier. Das ständige Trainieren „nervt schon manchmal”. Aber dann erinnert er sich an sein Hawaii-Ziel – und macht mit neuer Motivation weiter.

Ganze Familie ist sehr sportlich

Das steckt auch die Familie an, die sehr sportlich ist. „Meine beiden großen Töchter eifern mir schon nach.” Im Modernen Fünfkampf haben sie es bereits in den Landeskader geschafft. Und seine Frau Franziska startet ebenfalls beim Roth-Triathlon. Ansonsten begleiten sie ihn eben, „meine Familie ist eigentlich immer dabei, ohne geht nicht”, allein schon für die Nervenberuhigung vor dem Wettkampf.

Seitdem der Sport so viel Platz in seinem Leben einnimmt, will Stöcklein erst recht nicht mehr krank sein „und ich bin es auch äußerst selten”. Denn so eine Infektion kann einen Triathleten schon ordentlich zurückwerfen. „Für die Abhärtung werde ich jetzt wieder Eisbaden.” Auf, auf in den unbeheizten Pool. „Das wird jetzt mit den abnehmenden Temperaturen immer interessanter.”

Schließlich will der 45-Jährige auch in zehn Jahren noch an Ironman-Veranstaltungen teilnehmen, sagt er, „wenn es die Knochen mitmachen. Ankommen ist das Ziel.” Er ist eben tatsächlich ein Mann aus Eisen, dieser Gerd Stöcklein.

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