Die Rothenburger Diskurse gehen in eine neue Runde. Anlässlich des 300. Geburtstags von Immanuel Kant, 1724 in Königsberg geboren, startete die Reihe am Campus mit einem Vortrag zur Bedeutung des großen Philosophen – eine kritische Würdigung mit aktuellen Bezügen. Zu Gast war Dr. Peter Kamleiter.
In seinen Ausführungen versuchte der Rothenburger Musiklehrer und Philosoph – nach der Begrüßung durch Dr. Florian Diener, dem Campus-Geschäftsführer – einen Überblick zu Kants Werk und Denkansätzen zu geben. „Gar nicht so einfach zu entscheiden“, gab Kamleiter zu Beginn zu bedenken, „wo man die Schwerpunkte setzen soll.“ Etwa ein Spezialgebiet herauszugreifen, um in die Tiefe gehen zu können, oder den Vortrag breiter anzulegen, um dem Publikum einen Überblick zu verschaffen.
Kamleiter hatte sich für die zweite Version entschieden und damit eine gute Wahl getroffen. Grundsätzliches an Kants Philosophie war dabei, aber immer wieder auch Gedanken dazu, was für Mensch und Gesellschaft von heute noch bedeutsam sei. Als Grundfragen einer philosophischen Betrachtung nannte der Referent Gedanken wie „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“ oder auch „Was darf ich hoffen?“.
Im Zentrum, so Kamleiter, stehe bei Kant der Mensch beziehungsweise dessen Verstand und Vernunft, welche diese Welt aufgrund der apriorischen, ohne Einfluss von Erfahrungen entstandenen, reinen Denkstrukturen hervorbringe. Für den Philosophen sei die menschliche Vernunft Ausgangs- und Zielpunkt gleichermaßen. Alle Ordnung und Gesetzmäßigkeit in Natur und Moral gingen auf den menschlichen Geist zurück. Dabei unterschied er inhaltlich die drei Phasen der Kant’schen Lehre: den vorkritischen, den kritischen sowie den nachkritischen Ansatz.
Kant bewegte sich zwischen zunächst naturphilosophischen Betrachtungen, erkenntnistheoretischen Gedanken, zusammengefasst in seinem Hauptwerk „Die Kritik der reinen Vernunft“ oder auch Kants Religions-, Staats- und Rechtsphilosophie der späteren Jahre.
Hier hob der Referent das Werk „Zum ewigen Frieden“ hervor. Wie die Moral, auch als kategorischer Imperativ bezeichnet, die Erkenntnis als synthetisches Urteil a priori oder die Religion, als postulierte „Idee“ Gottes, leitete Kant auch das Staats- und Völkerrecht aus der Vernunft ab, nicht aber etwa aus Tradition oder auch Gottesgnadentum.
Ziel der menschlichen Geschichte solle die Erlangung eines „ewigen Friedens“ sein, als dessen Merkmale er im Sinn der Aufklärung etwa Freiheit, Gewaltenteilung, Unterordnung unter und Gleichheit vor dem Gesetz auf der Grundlage einer republikanischen, repräsentativ-demokratischen Verfassung nannte. Für ihn gehörte auch dazu, dass die Würde eines jeden Menschen absolut sei.
Grundsätze dieser Lehre, so Kamleiter, seien auch in das Grundgesetz eingeflossen, beispielsweise in Artikel 1, der die Menschenwürde als unantastbar festsetzt. Sie zu achten und zu schützen, sei Verpflichtung aller staatlichen Gewalt, wobei Kant davon ausging, dass jeder Mensch seine Vernunft optimal nutzen würde.
Was dies in Bezug auf etwa Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine bedeuten könnte, kam neben anderem in der anschließenden Diskussion zur Sprache.
Zum Thema „Richard Wagner und der antijüdische Gestus seiner Musik“, referiert der Wagnerkenner Thomas Lipton am Freitag, 22. November, im Rahmen der Diskurse. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.