Riesenrad in Rothenburg zieht um: Neuer Standort weiter südlich an der Stadtmauer | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.04.2026 11:37

Riesenrad in Rothenburg zieht um: Neuer Standort weiter südlich an der Stadtmauer

Das Riesenrad steht aktuell am östlichen Rand der Altstadt und war dort auch einige Tage in Betrieb. Nach Einwendungen aus der Anwohnerschaft schob das Verwaltungsgericht dem aber einen Riegel vor. (Foto: MeinRAD Classic Cruiser/Patrick Greier)
Das Riesenrad steht aktuell am östlichen Rand der Altstadt und war dort auch einige Tage in Betrieb. Nach Einwendungen aus der Anwohnerschaft schob das Verwaltungsgericht dem aber einen Riegel vor. (Foto: MeinRAD Classic Cruiser/Patrick Greier)
Das Riesenrad steht aktuell am östlichen Rand der Altstadt und war dort auch einige Tage in Betrieb. Nach Einwendungen aus der Anwohnerschaft schob das Verwaltungsgericht dem aber einen Riegel vor. (Foto: MeinRAD Classic Cruiser/Patrick Greier)

Die Aussagen des Verwaltungsgerichts zur Frage, ob sich die Hasa-Fläche als Standort für ein 60 Meter hohes Riesenrad eignet, waren wohl zu eindeutig. Deshalb suchen Stadt und Betreiber nicht länger nach einer Lösung für den Verbleib des Fahrgeschäfts dort. Vielmehr soll es an den Parkplatz P1 umziehen. Der Abbau beginnt am Donnerstag.

Die optische Auswirkung des Riesenrads auf die Stadtansicht ist enorm. Seinen eigentlichen Zweck kann es aber nicht erfüllen. Ob sich das noch einmal ändert, ist unklar. (Foto: Jürgen Binder)
Die optische Auswirkung des Riesenrads auf die Stadtansicht ist enorm. Seinen eigentlichen Zweck kann es aber nicht erfüllen. Ob sich das noch einmal ändert, ist unklar. (Foto: Jürgen Binder)

Attraktion in Rothenburg: Hätte das Riesenrad so niemals errichtet werden dürfen?

Zur Eignung des Hasa-Areals als Standort kamen vom Verwaltungsgericht klare Ansagen. Der Betreiber sieht sich in Existenznot. Welche Rolle spielte die Stadt?

Informiert wurde über diese Entscheidung am Mittwochvormittag. So sprach die Stadtverwaltung in einer Mitteilung von intensiven Bemühungen um eine gute Lösung. Nach seinem Ab- und Wiederaufbau, was sich angesichts der Größenordnung dieser Konstruktion über einige Wochen hinziehen wird, soll das Riesenrad am Donnerstag, 7. Mai, am neuen Standort unweit des Spitaltors in Betrieb gehen. Dort soll es sich bis einschließlich Sonntag, 5. Juli, drehen können – täglich von 10 bis 22 Uhr.

Einbindung in den Sommermesse-Betrieb

Da in diesen Zeitraum auch die Sommermesse (26. Juni bis 1. Juli) fällt, wird das Fahrgeschäft in den Vergnügungspark dieser Veranstaltung integriert. In der Woche ab Montag, 6. Juli, werde das Riesenrad dann wieder abgebaut und danach zu seiner nächsten Station weiterziehen, so die Mitteilung der Stadtverwaltung.

Das Riesenrad mit 42 Gondeln und Platz für bis zu 400 Personen war am Freitag, 27. März, also unmittelbar vor Beginn der Osterferien, am Hasa-Areal eröffnet worden. Sechs Tage später, am Donnerstag, 2. April, forderte das Verwaltungsgericht per einstweiliger Anordnung die Stadt auf, wegen der Nichteinhaltung von Abstandsflächen zu benachbarter Wohnbebauung die sofortige Einstellung des Fahrgeschäft-Betriebs zu veranlassen.

Weinfahrten in luftiger Höhe geplant

Die dadurch entstandene Situation sei „für uns und viele Besucher nicht einfach” gewesen, so das Betreiber-Unternehmen am Mittwoch in einer Stellungnahme zu der neuen Entwicklung. Umso größer sei die Freude, „dass wir gemeinsam eine Lösung finden konnten und schon bald wieder in Rothenburg drehen dürfen“.

Bereits erworbene und verschenkte Tickets behielten selbstverständlich ihre Gültigkeit. Für besondere Erlebnisangebote stünden die Betreiber bereits im Austausch mit regionalen Brauereien und Winzern. Geplant seien während der Betriebswochen am neuen Standort unter anderem „Weinfahrten, Brotzeiten in luftiger Höhe sowie Biertastings”, die den Besuch des Fahrgeschäftes „zu einem besonderen Erlebnis machen sollen”.

Zusatzkosten im höheren fünfstelligen Bereich

Auf Anfrage der Redaktion räumte Patrick Greier, Geschäftsführer der Betreiberfirma, allerdings ein, dass der Firma durch den nicht eingeplanten Ab- und Wiederaufbau des Riesenrads erhebliche Zusatzkosten zwischen 50.000 und 100.000 Euro entstehen. Es werde für die Arbeiten ein Spezialteam anrücken müssen, das entsprechend teuer sei. Und auch der Transportaufwand mit Sattelzügen sei trotz der kurzen Strecke enorm. Es helfe aber nichts. Diese Kröte müsse geschluckt werden, in der Hoffnung, dass das durch gute Umsätze annähernd wieder hereinkomme, so Greier.

Der Geschäftsführer erklärte weiter, dass es nicht im Interesse des Unternehmens sei, die bisherigen Umsatzeinbußen und die entstehenden Zusatzkosten auf Ticketpreise umzulegen oder nachträglich auf Entschädigung zu pochen. „Wir wollen Freude bereiten und keinen Ärger”, betonte er. Auch gegen die Anwohnerfamilie am Hasa-Areal, die unter Verweis auf die Missachtung ihrer Interessen und die Verletzung ihrer Privatsphäre ein bauaufsichtliches Einschreiten beantragt hatte, werde kein Groll gehegt. „Es ist halt einfach blöd gelaufen für uns.”


Es ist halt einfach blöd gelaufen für uns

Patrick Greier

Wenn das Riesenrad am neuen Standort funktioniere, müsse es im Übrigen nicht bei einem einmaligen Rothenburg-Gastspiel bleiben: „Wir könnten im Zwei-Jahres-Turnus wiederkommen”, erklärte Greier.

Einstweilen steht noch die Frage im Raum, weshalb für das 60 Meter hohe Riesenrad als Standort nicht von vornherein der Parkplatz P1 vorgeschlagen und gewählt wurde. Eine Antwort der Stadtverwaltung auf diese Frage steht noch aus.


Von Jürgen Binder und Manfred Blendinger
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