Vor ihrem Vereinslokal rankt eine Hopfenrebe, über der Tür findet sich das Zeichen der Brauer und Mälzer. Bislang war die Hausnummer 23 in der Platenstraße ein Geheimtipp unter Freunden des selbst gebrauten Gerstensaftes. Nun wird das eigens kreierte Kellerbier der Neubrauer erstmals beim Altstadtfest ausgeschenkt.
Vielen Ansbachern wird die Firma Neubauer unter gleicher Adresse noch ein Begriff sein, für ihre Zwecke und mit ein wenig fränkischem Witz wurde der Schriftzug erweitert und passend mit einem auffälligen, roten „R“ versehen: NeubRauer. Das finden Hubert Berger, Gerd Steier, Stefan Wittig und Jürgen Friedrich auch noch nach rund sieben Jahren recht passend.
Beinahe so lange braut das Quartett bereits sein eigenes Bier, diskutiert, experimentiert, probiert sich an verschiedenen Sorten – und bringt auf den ersten Blick waghalsige Ideen wie die eines himbeerlastigen Ales schlussendlich doch zur hopfigen Reife. Die über sieben Prozent Alkohol fallen nicht auf, findet Jürgen Friedrich, „vielen Frauen schmeckt das sehr gut“. Oder aber ein Weizen mit Sauerkirschnote? „Sehr süffig“, meint Friedrich mit Blick auf verschiedene Wettbewerbe, bei denen die Ansbacher bei 200 Hobbybrauern unter den besten 50 landeten: „Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.“
Man kennt sich schon aus Jugendtagen oder hat als Erwachsener mit ähnlich ausgeprägten Vorlieben für Hopfengetränke zueinander gefunden. Daraus sind die Neubrauer entstanden, wobei sie Wert darauf legen, keine finanziellen Interessen zu verfolgen. Bislang war es auch nicht nötig, für ihr Hobby ein Gewerbe anzumelden. Ihr Treffpunkt ist eine Art Vereinslokal, das einmal im Monat geöffnet ist. „Das ist kein offizieller Ausschank. Aber für Freunde und gute Bekannte“, erklärt Gerd Steier.
Wer sich von ihren Freunden und guten Bekannten in der Platenstraße 23 bislang ein Bierchen gönnt, darf gerne einen selbstgewählten Obolus in ein Spendenschwein werfen. Wenigstens war das bislang das übliche Prozedere. Doch ob sich mit dem offiziellen Ausschank ihres Kellerbieres in den kommenden Tagen beim Altstadtfest daran nichts ändert?
An so etwas verschwenden die vier Männer in den besten Jahren keinen Gedanken. Im Gegenteil. „Wenn wir es nicht verkaufen, schaffen wir es bis Weihnachten“, sagt Jürgen Friedrich augenzwinkernd. Dabei hat das Ansbacher Kellerbier durchaus das Potenzial, Kult-Charakter zu entwickeln. „5,2 Prozent, malziger Körper mit leicht rauchigem Abgang und stabilem Schaum“, beschreibt Stefan Wittig die auffälligsten Merkmale des Produkts.
Zusammen mit dem bernsteinfarbenen Inhalt zählt für das Quartett aber auch und gerade die dahintersteckende Botschaft: Ein Ansbacher Bier, von Ansbachern für Ansbacher. Die vorherrschende Situation für Freunde eines guten Bieres sei in Ansbach schlichtweg „traurig“, findet Wittig, seine Kumpels nicken zustimmend. Die Altstadtsilhouette ziert obendrein das Logo im Ansbacher Grün – mehr Herzblut geht kaum, lassen die gewitzten Hobbybrauer erkennen. „Wenn in Ansbach etwas vorangehen soll, muss man selbst anpacken“, sagt Hubert Berger.
Das haben die Brauer aus Leidenschaft getan. Ganz real. Denn ehe ihr Ansbacher Rezept in der Brauerei Fischer in Wieseth als Lohnbrau abgefüllt wurde, „sind wir in den Kesseln rumgehüpft und haben sie sauber geschrubbt“, erzählt Jürgen Friedrich. Am Ende durften sie unter Aufsicht der Braumeisterin Nina Kolb auch selbst mit anpacken.
2000 Liter sind nun bereit,von Mittwoch bis Sonntag getrunken zu werden. Bei Bedarf könnte man die gleiche Menge nachordern, sagt Stefan Wittig: „Das ist etwas Besonderes zum Altstadtfest, das sich abhebt von der Masse.“ Besucher des Altstadtfestes können sich davon am Stand des Kanusportclubs in der Kannenstraße überzeugen.