Fledermaus-Waisenkind Luise wird in Scheinfeld aufgezogen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.08.2023 17:41

Fledermaus-Waisenkind Luise wird in Scheinfeld aufgezogen

Das verwaiste Langohr-Baby Luise wird derzeit in Scheinfeld ernährt, bis es eigenständig in der Natur überleben kann. (Foto: Jana Stepanek)
Das verwaiste Langohr-Baby Luise wird derzeit in Scheinfeld ernährt, bis es eigenständig in der Natur überleben kann. (Foto: Jana Stepanek)
Das verwaiste Langohr-Baby Luise wird derzeit in Scheinfeld ernährt, bis es eigenständig in der Natur überleben kann. (Foto: Jana Stepanek)

Von Juni bis August herrscht in der Scheinfelder Fledermausstation Hochbetrieb. Ein Großteil der aktuellen Pfleglinge sind – wie in jeder Aufzuchtsaison – Zwergfledermäuse. Während der „Wochenstubenzeit“ werden immer wieder verwaiste Fledermausjunge gefunden, so wie das Langohrbaby Luise.

Einmal im Jahr gebären weibliche Fledermäuse ein Baby oder höchstens Zwillinge. Während der Wochenstubenzeit werden die Jungtiere in Kolonien von den Müttern aufgezogen und gesäugt. Erkrankt die Mama und produziert keine Muttermilch mehr, wird auf ihrer nächtlichen Insektenjagd von einem Auto erwischt oder von einer Eule erbeutet, ist ihr Baby zum Verhungern und Sterben verurteilt.

Anfangs wog es gerade einmal drei Gramm

Denn andere Mütter nehmen sich dem Baby während der Wochenstube nicht an. Waisenmädchen Luise hatte noch Glück im Unglück: Tierliebe Hausbesitzer aus Dachsbach-Rauschenberg fanden kürzlich das Langohr-Jungtier vor ihrem Haus auf dem Boden. Es wog gerade einmal drei Gramm.

Da die Familie eine kleine Wochenstube beherbergt – wobei sich die Tiere meist hinter einem Balken verstecken und sich durch kleine Kotkrümel unterhalb ihres Hangplatzes verraten –, setzten sie das Tierchen abends dorthin, in der Hoffnung, seine Mutter wird es abholen. Doch das Langohr-Baby, das noch nicht lange flügge ist, wartete vergeblich. Am nächsten Morgen war es demnach immer noch an Ort und Stelle – kraftlos und dehydriert.

So landete Luise als Gast in der Scheinfelder Fledermausstation und wird seither per Hand aufgezogen. Durch leises Ticken macht sie sich bemerkbar, wenn sie hungrig ist. Sie fordert tags und nachts alle zwei Stunden ihr „Fläschchen“. Hierbei handelt es sich um eine Pipette mit spezieller Welpenaufzuchtsmilch.

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Vergesellschaftung mit Artgenossen scheiterte

Ein Versuch, sie mit den bereits weiterentwickelten acht Zwergfledermausbabys der Station zu vergesellschaften, scheiterte. Luise versuchte ständig, an den Anderen zu nuckeln und wurde deshalb von diesen weggebissen. Wann das Langohr-Baby wieder zurück in die Natur darf, ist derzeit noch völlig unklar. Bei Pfleglingen verzögert sich die Entwicklung oft um Wochen, da der Mensch eine echte Fledermausmama nicht eins zu eins ersetzen kann, sagt Jana Stepanek, die die Fledermausstation betreut.

Fledermäuse werden übrigens mit Milchgebiss geboren. Das bleibende Gebiss, mit dem sie Insekten jagen und knacken können, entwickelt sich erst bis zu ihrer Flugfähigkeit. Diese wird mit zirka einem Monat erreicht. Das Rauschenberger Waisenkind Luise muss demnach erst ihren Zahnwechsel hinter sich bringen. Sobald sie in der Lage ist, Insekten zu fressen, vom Boden mit dem Fliegen zu starten und ein ausgiebiges Flugtraining hinter sich gebracht hat, wird sie dann in der Nähe ihrer Artgenossen wieder ausgewildert.

Weitere Informationen zu den Fledermausstationen im Landkreis sind im Internet auf der Seite des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zu finden.


Von Luca Paul
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