Festakt in Ansbach: Die Genossenschaftsidee lebt weiter | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.03.2025 18:57

Festakt in Ansbach: Die Genossenschaftsidee lebt weiter

Mit viel Charme sorgten die vier Viva-Voce-Sänger für den musikalischen Part der Veranstaltung. (Foto: Robert Maurer)
Mit viel Charme sorgten die vier Viva-Voce-Sänger für den musikalischen Part der Veranstaltung. (Foto: Robert Maurer)
Mit viel Charme sorgten die vier Viva-Voce-Sänger für den musikalischen Part der Veranstaltung. (Foto: Robert Maurer)

Die Vereinten Nationen haben 2025 als Internationales Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Die Auftaktveranstaltung in Bayern hierzu fand nun in der VR-Bank Mittelfranken Mitte in Ansbach statt. Motto: „Genossenschaften machen’s besser“.

7000 Genossenschaften gibt es in Deutschland, machte Dr. Gerhard Walther, der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Mittelfranken Mitte, in seiner Begrüßung deutlich. Auf der einen Seite erfährt der Zusammenschluss Gleichgesinnter beispielsweise bei Nahwärmenetzen seit ein paar Jahren eine starke Renaissance. Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass für die Jüngeren der Begriff verstaubt klingt und sie oft wenig Wissen über die Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch haben. Die beiden sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gründerväter der Genossenschaftsidee gewesen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Genossenschaften sind Hilfe zur Selbsthilfe. Eine solche Kooperation eignet sich gut, um ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel zu erreichen, das die Leistungsfähigkeit des Einzelnen übersteigen würde. Hinter einer Bank wie der VR-Bank Mittelfranken Mitte stehen mehr als 62.000 Mitglieder als Eigentümer. In der Genossenschaftsversammlung hat jeder von ihnen nur eine Stimme, egal ob ein oder zehn Anteile.

Mit Prof. Dr. Richard Reichel und Stefan Müller waren zwei Fachleute als Redner nach Ansbach geladen, die eine besondere Verbindung zum Genossenschaftswesen haben. Reichel ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der frühere CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller ist seit August vergangenen Jahres Präsident des Genossenschaftsverbandes in Bayern (GVB).


Genossenschaften sind kein Allheilmittel.

Prof. Richard Reichel

Die Idee der Genossenschaften sei es gewesen, „den Marktzutritt zu schaffen“, erinnerte Reichel. Bauern, die allein nicht wahrgenommen worden wären, taten sich zusammen, um ihre Produkte zu verkaufen. Die Genossenschaftsbanken sorgten für Geldkreisläufe. Auf der einen Seite Erspartes, auf der anderen Kreditbedarf. „Genossenschaften sind kein Allheilmittel“, machte Reichel aber ebenfalls deutlich. Doch für die Mittelstandsfinanzierung in den Wirtschaftswunderjahren spielten sie eine wesentliche Rolle.

Er griff das Motto „Genossenschaften machen’s besser“ auf und zählte ein paar Beispiele auf, die das belegen. So sei die Zufriedenheit der Beschäftigten in Genossenschaftsbanken „deutlich höher“ als bei anderen Geldinstituten. Genossenschaften hätten oft „positive Effekte auf die Gemeinschaft“. Allerdings dürfe man keine Wunder erwarten.

Nicht die Lösung aller Probleme

Auch Genossenschaften müssten rentabel arbeiten und seien keine Wohlfahrtsverbände, pflichtete ihm Stefan Müller bei. „Genossenschaften sind nicht die Lösung für alle Probleme. Aber sie bieten die Möglichkeit für neue Ansätze.“

In Bayern gebe es rund 1200 Genossenschaften, die in 30 verschiedenen Branchen tätig sind. Das ist die Bank mit einer jährlichen Bilanzsumme von 4,2 Milliarden Euro (VR-Bank Mittelfranken Mitte) ebenso wie die kleine Gemeinschaft, die im oberbayerischen Pischelsdorf das Wirtshaus gerettet hat und es nun als Dorfheim Fanni weiterführt.

Getragen werden sie von drei Millionen Mitgliedern und sie beschäftigen nahezu 50.000 Menschen, bilanzierte Müller. Für den GVB-Präsidenten sind „Genossenschaften die größte Bürgerbewegung weltweit“. Eine Milliarde Menschen seien weltweit insgesamt Mitglieder einer Genossenschaft.

Vermögen der Stiftung erhöhen

Das Jahr der Genossenschaft will die VR-Bank Mittelfranken Mitte nutzen, um das Vermögen der Raiffeisen-Stiftung von 1,7 auf 1,8 Millionen Euro zu erhöhen, kündigte Vorstandsvorsitzender Walther an. Außerdem lobt die Bank einen Wettbewerb aus, bei dem es darum geht, „das Miteinander positiv zu begleiten“.

In der Hauptgeschäftsstelle in Ansbach ist derzeit eine Ausstellung des Historischen Vereins bayerische Genossenschaften zu sehen, die sich mit der Geschichte der Genossenschaften befasst. Sie wird in den nächsten Monaten in verschiedenen Städten im Freistaat gezeigt.

Zum Festakt war ein illustrer Kreis an Persönlichkeiten in die Hauptgeschäftsstelle der VR-Bank gekommen – von Regierungspräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum über Mittelfrankens BBV-Präsident Peter Köninger bis hin zu Dr. Sigurd Schacht, den Ehrenvorsitzenden des Genossenschaftsverbandes in Mittelfranken. Die A-capella-Gruppe Viva Voce sorgte zwischen den Wortbeiträgen und nach dem offiziellen Festakt für musikalische Kurzweil.

Die Geschichte der VR-Bank Mittelfranken Mitte

Die Geschichte der VR-Bank Mittelfranken Mitte reicht zurück bis 1872. Am 14. Januar wird in Rothenburg die Volksbank gegründet. Es ist eine Zeit der Not. Bauern, Handwerker und kleine Unternehmen benötigen Kredite, die sie nur von privaten Geldverleihern bekommen. Viele verschulden sich. Eine eigene Genossenschaftsbank, die Hilfe zur Selbsthilfe leistet, soll das stoppen.In den Folgejahren gründen sich weitere Genossenschaftsbanken, die inzwischen Teil der großen VR-Bank sind: Spar- und Darlehensverein Ansbach, Spar- und Darlehensverein Abenberg, Darlehnskassenverein Unterreichenbach, Gewerbebank Ansbach, Raiffeisenkasse Bettenfeld und Darlehnskasse Roth. Im 20. Jahrhundert bleibt es – abgesehen von ein paar Umfirmierungen – recht ruhig. Die Landschaft der Genossenschaftsbanken zwischen Rothenburg und Schwanstetten ändert sich erst in den 1980er-Jahren. 1987 fusionieren die Raiffeisenbanken Schwabach und Roth-Eckersmühlen zur Raiffeisenbank Roth-Schwabach. Weitere Zusammenschlüsse im Osten des heutigen Geschäftsgebietes folgen.Im Westen beginnt die Zeit der Bankenhochzeiten 2003 mit der Verschmelzung der Raiffeisenbank Rothenburg mit der Volksbank Rothenburg. Diese neue VR-Bank wird 2015 zusammen mit der Ansbacher Gewerbebank zur VR-Bank Mittelfranken West. Als diese wiederum 2022 mit der Raiffeisenbank Roth-Schwabach fusioniert, entsteht die VR-Bank Mittelfranken Mitte, die 2023 eine Bilanzsumme von mehr als 4,2 Milliarden Euro ausgewiesen hat. Zum Jahr der Genossenschaften zeichnet die Bank die Geschichte in einem eigenen Flyer nach.

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