Aufbruchstimmung war zu spüren beim schwungvollen Start ins neue Jahr im ausverkauften Ansbacher Onoldiasaal. Die Nürnberger Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Jonathan Darlington interpretierten, eingeladen von der VR-Bank Mittelfranken Mitte, vor allem tänzerische Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Temporeich und temperamentvoll starteten sie mit der „Tarantelle styrienne“ in den Abend, einem Klavierstück voll Lebensfreude des 28-jährigen Claude Debussy. Maurice Ravel hat die „steierische Tarantella” nach Debussys Tod als Hommage an den Kollegen instrumentiert.
Danach waren drei Klavierwerke von Frédéric Chopin zu hören – nicht im Original, sondern in der Orchestrierung von Alexander Glasunow. Sie stammten aus der „Suite Chopiniana“ des russischen Komponisten. Mitreißend, wie Jonathan Darlington die wohl bekannteste Polonaise Chopins, die in A-Dur, mit seinem Orchester darstellte. Dem erhebend-majestätischen Schreittanz folgte ein dunkel-melancholisches Nocturne, es kehrte ein wenig Ruhe ein. Und dann: wieder eine wild-bewegte, kraftvolle Tarantella mit viel Schlagwerk und einem großen Finale. Eines hätten alle vier Komponisten gemeinsam, so Darlington schmunzelnd – sie seien in Paris verstorben.
Dann betrat Bryan Cheng die Bühne. Der 28-jährige Kanadier, Kind chinesischer Eltern, lebt in Berlin, und hat hoch renommierte Wettbewerbe gewonnen. In Ansbach begeisterte der Ausnahmecellist mit dem ersten Cellokonzert von Camille Saint-Saëns. Technisch ist er brillant, er artikuliert klar, bewältigt schwierigste Passagen scheinbar mühelos. Cheng suchte immer wieder den Blickkontakt mit den interagierenden Orchestergruppen, trat mit ihnen in den musikalischen Dialog. Er zeichnete sanfte, lyrische Linien, verschmolz mit dem Orchester zu einem großen Ganzen.
Einen ganz anderen Charakter hat das Nocturne d-Moll für Violoncello und Orchester von Peter Tschaikowsky, gilt es doch als „Kleinod nächtlicher Stimmungsmusik der russischen Spätromantik“. Dessen Sehnsuchtston traf Bryan Cheng zauberhaft. Er berührte tief mit seiner eindringlichen Spielweise und seinem ausdrucksstarken, warmen Celloton. Das Publikum war sichtlich hingerissen.
Nach der Pause gab es zuerst Tanzmusik, diesmal aus Galanta, ungarisch gewürzt von Zoltán Kodály. Er verbrachte seine Jugendzeit in der Gegend, ließ sich von den volkstümlich inspirierten Tänzen der Sinti und Roma begeistern. Die folkloristisch inspirierte Komposition gelang fulminant und farbenreich.
Die Musik von Percy Aldridge Grainger wird in Deutschland eher selten gespielt, was Darlington bedauert. Der australisch-amerikanische Pianist und Komponist ist vor allem bekannt für seine Volksliedsammlungen und Bearbeitungen. Effektvoll sind seine Werke allemal.
Grainger sei so etwas wie ein „Monty Python“ oder der „Mr. Bean“ der Musik, meinte Darlington. Mancher Musiker hätte bei den Proben gefragt, ob die Noten, die da stünden, tatsächlich richtig seien. Sind sie. Was zunächst volksliedhaft gefällig und munter klingt, reichert Grainger in „Country Gardens” mit eher schrägen, ja falsch klingenden Tönen an, was überaus reizvoll, da unerwartet ist. Darlington hatte seine Freude daran.
Die folgende „Irish Tune from County Derry“ liebt er besonders. Seine Interpretation wirkte sanft, gefühlvoll, eben typisch irisch. „Jetzt sind wir alle Engländer geworden“, kommentierte er heiter nach dem effektvollen, farbenreichen dritten Stück, dem „Shephard’s Hey”. Und er zitiert den eher als Exzentriker geltenden Grainger, der an die Menschen appelliert, das Positive zu sehen. Das Gute dürfe man nie aus den Augen verlieren oder gar vergessen.
Fröhlich und lebhaft endete das Konzert mit der Ouvertüre zu „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar. Schwungvolle Tanzmelodien waren dabei, die wirklich alle kennen, wie „Lippen schweigen“ oder „Da geh‘ ich zu Maxim“.
Ohne Zugabe entließ das Publikum das hervorragend disponierte Nürnberger Symphonieorchester natürlich nicht. Und so gab es noch die Furioso-Polka von Johann Strauss Sohn und noch einmal Glasunow.
Den Solo-Cellisten des Abends, Bryan Cheng, und Jonathan Darlington verbindet übrigens noch etwas über die Musik hinaus: Laut Programmheft sind es die auffallenden Socken. Bei Cheng müssen sie bunt sein, Darlington will damit Farbe und Persönlichkeit zeigen.