Schmierereien, mutwillige Zerstörungen und Müll ohne Ende – der Festplatz ist einer der Brennpunkte im Gemeindegebiet. Statt Jugendlichen einen anderen Treffpunkt wie beispielsweise ein Jugendzentrum anzubieten, hat die Verwaltung den dortigen Zugangspunkt zum kostenfreien Bayern WLAN abschalten lassen.
Bislang wurde das frei verfügbare große Datenvolumen offenbar gern genutzt, um selbst gedrehte Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok hochzuladen. Der WLAN-Router war am Mosthaus des Obst- und Gartenbauvereins angebracht, der unter anderem mehrfach über eingeschlagene Glasscheiben seines Schaukastens berichtet hatte. „Zum 18. April haben wir dort das Bayern WLAN gekündigt, und seitdem ist Ruhe“, informierte der kommunale EDV-Beauftragte Frank Feimer den Finanzausschuss. „Da ist jetzt nichts mehr los.“
Die Abschaltung spart dem Markt Dietenhofen ab sofort 105 Euro monatlich. Beobachtet werden muss nun allerdings, ob sich das Problem nicht einfach nur an einen anderen Ort verlagert. Am Rathaus und vor der Ballsporthalle kann ebenfalls auf das Netz zugegriffen werden.
Die Marktgemeinde gibt, anders als andere Kommunen in der Region, kein Geld für freie Jugendarbeit aus. Das Jugendzentrum „Juz“ im Schloss wurde überwiegend von Ehrenamtlichen betrieben. Noch vor der Pandemie gab einer nach dem anderen auf. Mit dem ersten Lockdown 2020 war dann ganz Schluss. Auch der Jugendbeirat löste sich auf. Seitdem haben junge Menschen keinen wettergeschützten, öffentlichen Ort mehr, an dem sie zwanglos zusammen sein können.
Bürgermeister Rainer Erdel könnte sich vorstellen, das „Juz“ sofort wieder zu beleben. Der Impuls dazu müsse aber von den Jugendlichen kommen. „Offenbar ist der Bedarf nicht da, sonst hätte sich ja bei uns jemand gemeldet.“ Außerdem wolle man ungern das planlose Herumhängen fördern, sondern setze stattdessen auf die Jugendarbeit der Vereine. Diese würden auf vielfältige Weise von der Gemeinde unterstützt. „Ich denke, es gibt kaum eine Kommune, die so viel für die Jugend tut wie wir.“
Gleichzeitig nimmt der Vandalismus zu. Erst vor kurzem wurde das Rathaus unter anderem mit Hakenkreuzen und Beschimpfungen der neuen Kanzlerpartei besprüht. Allein dadurch entstanden der Allgemeinheit Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro. Um das Problem in den Griff zu bekommen, wird über die Installation einer Videoüberwachung nachgedacht. Die Täter sind unbekannt, aber Erdel hat eine starke Vermutung, dass es sich um Heranwachsende gehandelt hat. „Diese Aktionen hätte man mit einem Streetworker auch nicht verhindert“, meint er.
Lore Würflein, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, hat viele der Jugendlichen, die sich bis zur WLAN-Abschaltung am Mosthaus aufgehalten haben, persönlich kennengelernt. Es habe sich dabei um Heranwachsende im Alter zwischen etwa zwölf und 19 Jahren gehandelt, die in mehreren Gruppen gerne auf der Treppe am Mosthaus beisammengesessen hätten – und das zum Teil auch in den Wintermonaten.
„Die meisten davon waren nett und anständig. Dass sie sich weiterhin dort aufhalten, hätte uns auch überhaupt nicht gestört, sofern sie ihren Müll mitnehmen und nichts kaputtmachen“, sagt Würflein. Vor dem Rettichfest des Obst- und Gartenbauvereins habe sie mit einer Gruppe von jüngeren Jugendlichen den Platz aufgeräumt. Das habe gut geklappt. „Für diese Kinder tut mir der Schritt der Gemeinde wirklich leid.“ Die Wiederbelebung des Jugendzentrums hielte sie daher für eine gute Idee.
Die Nachbargemeinde Wilhermsdorf, mit rund 5500 Einwohnern etwas kleiner als Dietenhofen, muss aufgrund von geplanten Großprojekten wie dem Neubau des Schulzentrums ebenfalls sparen, leistet sich aber trotzdem weiterhin ein Jugendzentrum mit einem Vollzeit-Jugendpfleger und einer Teilzeitkraft. Der Betrieb einer solchen kommunal finanzierten und administrierten Einrichtung ist im Landkreis Fürth insgesamt deutlich etablierter als im Landkreis Ansbach.
Nach Angaben der Wilhermsdorfer Kämmerei betragen die Kosten dafür im Schnitt 80.000 Euro im Jahr. Zwar sollen die Öffnungszeiten aus Kostengründen zum nächsten Monatsersten um ein paar Stunden pro Woche reduziert werden. Bürgermeister und Marktgemeinderat stehen jedoch zum Jugendzentrum. „Wir sind der Ansicht, dass das Geld in die Betreuung unserer Jugendlichen gut angelegt ist“, sagt der Wilhermsdorfer Bürgermeister Uwe Emmert.
Er finde es wichtig, dass es in der Gemeinde einen Anlaufpunkt gebe, an dem sich junge Menschen unter Aufsicht treffen, aber auch bei Schwierigkeiten und Problemen fachkundig beraten würden. „Gerade in einem Alter, in dem Heranwachsende sich mehr und mehr vom Elternhaus abnabeln, brauchen sie einen Platz, an dem sie, jugendsprachlich ausgedrückt, einfach mal ‚abhängen und chillen‘ können.“ Natürlich sei auch die Jugendarbeit der Vereine von Bedeutung, aber es spiele eben nicht jedes Kind gern Fußball oder singe in einem Chor.