Fallananalytiker Alexander Horn in Ansbach: Kann jeder ein Mörder werden? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.10.2024 08:30

Fallananalytiker Alexander Horn in Ansbach: Kann jeder ein Mörder werden?

Bei dem Gespräch über das Thema „Im Kopf von Verbrechern“ in der Ansbacher Feuerbach Akademie (von links): Hermann Lennert, ehemaliger Ansbacher Kripo-Chef, Moderator Tom Greve, Oberstufenkoordinator am Reichsstadtgymnasium Rothenburg, und der Münchener Fallanalytiker Alexander Horn. (Foto: Luca Paul)
Bei dem Gespräch über das Thema „Im Kopf von Verbrechern“ in der Ansbacher Feuerbach Akademie (von links): Hermann Lennert, ehemaliger Ansbacher Kripo-Chef, Moderator Tom Greve, Oberstufenkoordinator am Reichsstadtgymnasium Rothenburg, und der Münchener Fallanalytiker Alexander Horn. (Foto: Luca Paul)
Bei dem Gespräch über das Thema „Im Kopf von Verbrechern“ in der Ansbacher Feuerbach Akademie (von links): Hermann Lennert, ehemaliger Ansbacher Kripo-Chef, Moderator Tom Greve, Oberstufenkoordinator am Reichsstadtgymnasium Rothenburg, und der Münchener Fallanalytiker Alexander Horn. (Foto: Luca Paul)

Was geht im Kopf von Mördern vor? Steckt in jedem Menschen ein Verbrecher? Diese Fragen haben der Münchener Fallanalytiker Alexander Horn und der ehemalige Chef der Kriminalpolizei Ansbach Hermann Lennert in der Feuerbach Akademie besprochen. Dabei nahmen sie Bezug auf Passagen aus Lennerts neuestem Regionalkrimi.

Ein gepflegter, attraktiver Mann mit weißem Hemd und blauen Augen steht im Baumarkt. Er füllt seinen Einkaufswagen. Mit einer Rohrschelle, einem Absperrband und weiteren Utensilien. Bezahlt wird in bar.

Mit diesen Informationen startet Hermann Lennert in seinen neuen Roman „Rabenschwarz“. Ausführlich beschreibt der ehemalige Ansbacher Kriminalist seinen Protagonisten – den Täter. Dieser ist behütet, wenn auch etwas einsam aufgewachsen, hat adelig geheiratet und sich eine Karriere als Immobilienmakler aufgebaut.

Den Fußstapfen des Kriminellen folgen

Seit 2019 genießt Lennert seinen Ruhestand. Über 40 Jahre war er Kriminalist in München, Nürnberg und Ansbach. „Die Idee war schon immer da, einen Krimi zu schreiben“, erzählte der Autor. Berufsbedingt habe er es vor der Rente aber nie geschafft. Der neue Krimi, der in Ansbach spielt, ist nicht sein erstes Werk. Jedoch: das Erste aus der Perspektive des Täters. All seine Bücher spielen sich in Franken ab, denn erfahrungsgemäß gefalle das den Leserinnen und Lesern besonders gut, so der Autor. Sie würden sich besser in der Geschichte wiederfinden und hineinversetzen können.

In der Realität hingegen ist es nicht so einfach, ein derartiges Täterprofil, wie es zu Beginn des Krimis erzählt wird, zu erstellen. Alexander Horn, Leiter der Dienststelle für Operative Fallanalyse (OFA) am Polizeipräsidium München, ließ die Zuhörerinnen und Zuhörer in die Schritte der Analytiker eintauchen. „Denken wie ein Täter, das tun wir Gott sei Dank nicht“, so Horn. Es werde aber versucht, die Fußstapfen des Täters nachzuverfolgen. Ein Schritt nach dem anderen. Zu Beginn werde der Tathergang analysiert.

Erst wenn die Ermittler diesen verstanden haben, können sie sich die nächsten Fragen stellen, so der Fallanalytiker. Dabei gehen sie gedanklich von der Warum-Frage bis schlussendlich zur Wer-Frage. „Die Fälle, die zu uns kommen, sind meist sehr außergewöhnlich“, erzählte Horn. Deshalb sei es ein gutes Zeichen, dass er relativ selten in Ansbach ist. In 45 bis 60 Fällen ist seine Dienststelle pro Jahr beratend tätig. „Ganz oft ist es so, dass uns die operativen Fallanalytiker in unserer These bestätigen“, so der ehemalige Ansbacher Kripo-Chef.

Verbindung von Emotionen und Gewalt

Ob jeder zum Täter werden kann? Das stand als Frage bei der Veranstaltung groß im Raum. Auch aus Lennerts Protagonist wurde plötzlich ein Mörder. Er wollte sein gesellschaftliches Kartenhaus vor dem Einbrechen schützen. „Es ist nie ein einziger Grund, der jemanden dazu bringt, ein solches Delikt zu begehen“, sagte Horn. Traumata, eine schwere Kindheit oder auch körperliche Gewalt können dazu beitragen. Es gehört eine Summe von schwierigen Faktoren dazu, so der Analytiker. In emotionalen Extremsituationen seien bei kaum einer Person eine Affekthandlung und demnach ein Verbrechen ausgeschlossen.

Deshalb handelt es sich bei einem Großteil der Tötungsdelikte um eine Beziehungstat – häufiger von Männern als von Frauen begangen, erzählte Horn. Ein akribisch durchdachter Mord sei die Seltenheit.

Unterschied zum Totschlag

Akribisch durchdacht hat der Täter aus dem Krimi das weitere Vorgehen nach seiner Tat. Während er im Auto unterwegs ist, überlegt er, wem er sein Verbrechen anhängen kann. Und „was eine gute falsche Fährte wäre“. Dabei recherchiert er auch die fünf juristischen Mordmerkmale. Dazu zählen beispielsweise Heimtücke, Mordlust und die Befriedigung des Geschlechtstriebs. „Da unterscheidet sich der Mord eben vom Totschlag“, erklärte der Münchener Analytiker.

Doch wie leicht ist es tatsächlich, einer anderen Person eine Tat – wie zum Beispiel einen Mord – anzuhängen? „Ich denke, es ist unendlich schwierig“, sagte Lennert. Horn fügte hinzu: „Sie verlieren am Tag etwa 50.000 Hautzellen, wir brauchen eine.“ So stellt sich also die Frage für den Krimileser: Kommt der Täter mit seinem Verbrechen davon?


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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