Schlaglichter auf die Wirtschaftswunderjahre, zwei Frauen auf der Flucht aus dem Alltag, Einblicke in ein Autorenleben aus erster Hand und eine Hommage an eine Ikone der Nachkriegsliteratur – die 23. LeseLust wartet in Ansbach mit einem breit gefächerten Programm auf. Und ein grüner Schreibtisch lädt zum Selberschreiben ein.
Die LeseLust, das Ansbacher Frühjahrs-Pendant zur LesArt im November, findet dieses Jahr zwischen dem 12. und 26. April im Ansbacher Kunsthaus Reitbahn 3 statt. Mit vier Veranstaltungen, zwei davon bei freiem Eintritt, fällt sie traditionell kleiner aus als die Literaturwoche im Herbst. Das neue Programmkonzept geht ins zweite Jahr.
2025 hat Bettina Baumann, die Leiterin der beiden Reihen, die LeseLust geöffnet: Waren bis dahin nur Autorinnen und Autoren zugelassen, die einen Bezug zu Franken hatten, lädt sie nun ohne eine solche lokale Bindung ein. Dass die LeseLust und auch die LesArt die Literaturszene Frankens weiter im Blick haben, versteht sich für Bettina Baumann: „Wir geben natürlich gerne eine Plattform, um Talente zu fördern.”
Neu ist in diesem Jahr die Aktion „Dein*Schreibtisch”. Elisabeth Meisel, die Vorsitzende des Kulturforums Ansbach, hat dafür einen Tisch und einen Stuhl zur Verfügung gestellt. Frisch in Grün lackiert stehen die beiden Möbel nun im Kunsthaus bereit, dem Domizil des Kulturforums, und warten auf Menschen, die Platz nehmen, um in Ruhe oder im Austausch mit Gleichgesinnten etwas zu schreiben. Das muss kein Roman, kein Gedicht sein. „Es dürfen alle nutzen, auch wer schon immer mal seiner Tante einen Brief schreiben wollte”, sagt Bettina Baumann. Die Aktion passe zum Werkstatt-Charakter des Kulturforums, meint Elisabeth Meisel. Beim Kulturforum könne sich jeder einbringen.
Los geht die LeseLust mit einem Ausflug in die deutsche Mentalitätsgeschichte. Harald Jähner beleuchtet in seinem viel gelobten Sachbuch „Wunderland” die Gründerzeit der Bundesrepublik, die Jahre von 1955 bis 1967. Die Kriegstrümmer sind weggeräumt, Versandhauskataloge illustrieren den neuen Wohlstand, Italien wird Reiseziel – und die NS-Vergangenheit verdrängt (12. April, 11 Uhr, Eintritt frei).
Der Wolframs-Eschenbacher Autor Horst Prosch kommt mit dem Typoskript eines unveröffentlichten Romans zur LeseLust. „Hinter.Unter.Ober.Tal” heißt die Geschichte und handelt von einer Patchworkfamilie, deren Erbe zu Lebzeiten gerecht verteilt werden soll – was einfacher gesagt als getan ist (15. April, 19 Uhr, Eintritt frei).
Autorinnen miteinander ins Gespräch bringt der LeseLust-Club, ein Doppelabend mit Anja Gmeinwieser und Esther Schüttpelz. Ihre Romane, beide in renommierten Verlagen erschienen, haben einige thematische Berührungspunkte. In ihnen sind Frauen in Kraftfahrzeugen unterwegs und dabei, ihr altes Leben hinter sich zu lassen (22. April, 20 Uhr).
Anja Gmeinwieser erzählt in „Wir Königinnen” von zwei Frauen, die in einem Viehlaster mit zwei Dutzend trächtigen Kühen im Hochsommer durch halb Europa fahren. Die Deutsche will aus ihrem geregelten Leben ausbrechen, die italienische Lkw-Fahrerin macht ihren Job, nicht weil sie ihn mag, sondern weil sie ihn braucht.
Esther Schüttpelz hingegen schickt in „Grüne Welle” ihre Protagonistin nach einem Kinobesuch auf eine nächtliche Odyssee. Die namenlose Fahrerin verpasst die richtigen Ausfahrten, entfernt sich Kilometer für Kilometer weiter von Zuhause und ihrer schwierigen Ehe. Sie kommt dabei ins Grübeln, denkt über sich nach.
Die Literarische Matinee mit den Germanisten Professor Dr. Gunnar Och und Dr. Christoph Grube führt zurück in jene Jahre, die Thema der Eröffnungsmatinee sind. Sie ist Ingeborg Bachmann gewidmet und soll ihr Leben und ihr Werk in Beziehung setzen. Die österreichische Schriftstellerin, die dieses Jahr 100 geworden wäre, war eine der Ikonen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur (26. April, 11 Uhr).
Die Ausstellung „Schönste deutsche Bücher“ der Stiftung Buchkunst rundet das LeseLust-Programm ab. Unterstützt wird die LeseLust vom Lions Club Ansbach, der Hilterhaus Stiftung, der Stadt Ansbach und der Fränkischen Landeszeitung. Karten sind ab Samstag, 27. März, unter anderem bei der Tourist-Info der Stadt Ansbach erhältlich.