Man schreibt das Jahr 1630. Der Dreißigjährige Krieg tobt in Deutschland. Während Protestanten und Katholiken sich bekämpfen, begibt sich der Junge Johann mit einem mürrischen Komplizen auf die Spuren von verschwundenen Kindern. Tim Sünderhauf stellte am Freitag in Leutershausen seinen Debütroman „Die Wölfe unter uns“ vor.
Ein guter Roman müsse reifen wie guter Käse, sagte der Autor bei seiner Lesung in der Stadtbibliothek und spielte damit darauf an, dass er seinen kürzlich erschienenen Roman bereits im Jahr 2020 aufs Papier gebracht hat. Fünf Jahre dauerte es, bis der dtv Verlag diesen veröffentlichte – und das mit Erfolg, denn schon steht die zweite Auflage in den Regalen der Buchhandlungen. Sünderhauf durfte sich außerdem kürzlich über die Nominierung für den Glauser-Preis 2026 in der Kategorie Debüt freuen.
Der gebürtige Erlanger vereint in seinem Erstlingswerk seine Leidenschaft zur Geschichte und zur Sprache. Als studierter Historiker und Redakteur mit vielen Jahren Berufserfahrung fand er seine Passion in historischen Romanen. Die Liebe zum Schreiben habe ihn dagegen schon viel früher gepackt, erzählte der Autor. Bereits als Jugendlicher verfasste er Kriminalkurzgeschichten.
Für seinen Debütroman zog es Sünderhauf ins Fichtelgebirge des Jahres 1630. Der junge Johann, Sohn einer calvinistischen Müllerfamilie, muss mit seinen Eltern und der älteren Schwester nach dem Einmarsch der Katholiken die Heimat in der Oberpfalz verlassen und flieht ins idyllische Fichtelgebirge.
Doch so idyllisch, wie es im ersten Moment scheint, ist es dort nicht, denn die Kinder des Dorfes verschwinden alle auf mysteriöse Art und Weise, zwei von ihnen werden sogar tot aufgefunden. Bereits kurz nach seiner Ankunft in der neuen Heimat, trifft Johann auf den rauen, unfreundlichen und großen Jägersmann Hildner. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den verschwundenen Kindern und dem Mythos des wilden Jägers und der wilden Hunde.
Die bilderreiche und atmosphärische Sprache des Autors versetzte das Publikum bereits vom ersten Moment an in die Wälder des Fichtelgebirges. Sünderhauf erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven: einmal aus dem Blickwinkel des jungen und gläubigen Johann, dann aus dem des glaubenslosen Einzelgängers Hildner, aus dem von Johanns Schwester Anna und aus einer weiteren Perspektive. Um wen es dabei ging, verriet der Autor bei der Lesung nicht, sondern überließ das der Fantasie der Zuhörenden.
Das Spiel mit den Gegensätzen der Hauptfiguren habe ihm besonders viel Spaß gemacht, erzählte der Autor, und ließ tief in den Entstehungsprozess des Romans blicken. Als Historiker liebe er die Geschichte und wolle, dass seine Leserinnen und Leser aus seinen Romanen etwas lernen könnten, auch wenn diese Fiktion seien. Dafür recherchiere er lange und intensiv, versuche aber, die Dramaturgie der Handlung in den Vordergrund zu stellen.