Ist es noch die Frühjahrsmüdigkeit oder einfach nur der übliche Stress? Man schleppt sich durch den Tag, positive Energie und Frühjahrspower lassen auf sich warten. Wenn Kaffee und kaltes Duschen am Morgen zu wünschen übrig lassen, dann könnte etwas Phytopower helfen.
Nicht umsonst befahl Karl der Große um 800 nach Christus den Mönchen in ihren Klöstern, Gärten anzulegen und Heilpflanzen zu vermehren. Und von diesen Erkenntnissen kann man auch heute noch profitieren. Doch einen eigenen Kräutergarten braucht es gar nicht unbedingt. Was derzeit aus dem Boden sprießt, genügt fürs Erste. Denn die Wirkstoffe, die Wildpflanzen zur Abwehr von Fraßfeinden in sich haben, kommen auch uns zugute
Wie kleine Sonnen erstreckt sich derzeit ein Blütenmeer von Löwenzahnköpfen, wohin das Auge reicht. Und diese Köpfchen sehen nicht nur schön aus, sie helfen beim Entgiften. Die Leber ist das Entgiftungsorgan im Körper schlechthin. Ist sie überlastet, fühlen wir uns müde und schlapp. So rät Kräuterexpertin Irene Prell aus Neuhaus bei Adelsdorf, mit einem Löwenzahnkopf zu beginnen und täglich einen mehr dazuzunehmen, bis man bei zehn Löwenzahnköpfen gelandet ist. Und dann geht das Spiel wieder rückwärts. Um ganz simpel zu beginnen.
Generell ist von der Wurzel bis zur Blüte alles essbar. Die Blätter verfeinern mit ihrem herb-bitteren Geschmack einen Blattsalat. Die Wurzel sollte derzeit nicht verwendet werden, die ist eher etwas für den März oder den September, wenn die guten Wirkstoffe noch nicht in Blätter und Blüte gewandert sind.
Mit einem Mythos möchte Irene Prell an dieser Stelle auch aufräumen. Der Löwenzahn ist nicht giftig. „Die weiße Milch des Löwenzahns hinterlässt auf der Kleidung Flecken, die man nicht wieder herausbekommt. Das hat dazu geführt, dass viele Mütter ihren Kindern gesagt haben, sie sollen die Finger davon lassen.”
Eher Spinatflecken macht die Wunderwaffe Brennnessel. Der Stickstoffanzeiger steckt voller Mineralstoffe, Vitamine und Proteine. Er regt den Stoffwechsel an, wirkt blutreinigend, entzündungshemmend, blutzuckersenkend und stärkt die Immunabwehr. Er soll sogar bei Arthrose helfen. Auch hat die Brennnessel deutlich mehr Eisen, Magnesium und Vitamine als ein Kopfsalat. Von der Brennnessel immer die obersten, jungen Spitzen nehmen und dann mit dem Nudelholz die Brennhärchen glatt walzen. Oder gleich in den Mixer, mit Apfel, Banane, Orange und Leinöl zum Smoothy. Aber nicht jeden Tag, warnt die Kräuterexpertin, sonst gibt es zu viel Power.
Fast schon eine kleine Delikatesse ist der blaublühende Gundermann mit seinem minzig-würzigen Geschmack. Ob als kleines Naschi mit etwas Schokolade zwischendurch oder als erfrischender Drink mit etwas Zitrone in einer Wasserkaraffe: Er leitet Giftstoffe und Schwermetalle aus. „Gundermann wurde früher gern von Malern genutzt, da damals die Farben noch belasteter waren”, sagt Irene Prell.
Aus allen Pflanzen lässt sich selbstverständlich Tee zubereiten. Am schnellsten geht die Variante mit getrockneten Kräutern. Beim Tee kann man aber auch viel falsch machen. Der Tee sollte beim Ziehen gut abgedeckt werden, damit die ätherischen Öle nicht einfach verdampfen.
Aber nicht immer gilt die Devise „Heiß Wasser und Deckel drauf”. Auf die richtige Brühtemperatur muss geachtet werden. Manche Pflanzen wie die Malve müssen über Nacht im kalten Wasser angesetzt werden, Schachtelhalm muss eingeweicht werden und 15 Minuten köcheln, damit sich die Kieselsäure löst. Mit der ein oder anderen Maßnahme wird man zwar nicht über Nacht fit, aber momentan ist der Zeitpunkt ideal, um damit anzufangen.