Ein saftiger Streit mit ein paar knackigen Zitaten bringt Aufmerksamkeit. So schafften es deutsche Bobpiloten Wochen vor Start der neuen Saison in die Schlagzeilen. Als Teammitglied der einen Partei ist der Ansbacher Felix Straub betroffen. Doch der bleibt cool.
Seit 2022 gehört der 27-jährige ehemalige Sprinter zum Team von Francesco Friedrich aus Sachsen. Einer der zwei dominierenden deutschen Bob-Piloten.
Der andere ist Johannes Lochner aus Oberbayern. Der fand es gar nicht gut, dass Friedrich im Sommer seinem Anschieber Georg Fleischhauer einen Wechsel anbot. Lochner sprach gegenüber Münchner Medien von „Unverschämtheit“ und formulierte eine Kampfansage für die kommende Saison: „Man sollte mich nie reizen“.
Für Friedrich war die Kontaktaufnahme mit dem wichtigsten Mitarbeiter des großen Konkurrenten Business as usual und der Weltmeister trug auch nichts weiter zum Theaterdonner bei, den Lochner da entfacht hatte.
Jeder muss ständig das Beste aus sich rausholen.
Das Bemühen um neues Personal könnte man als Misstrauen von Friedrich in die Fähigkeiten der bestehenden Mannschaft werten. Straub tut das nicht. „Wir sind im Leistungssport, sicher ist da gar nichts. Jeder muss ständig das Beste aus sich rausholen. Wenn ein anderer besser ist als ich, dann sitzt eben der im Schlitten“, sagt Straub.
Der Ansbacher wusste um das aus seiner Sicht alles andere als unmoralische Angebot. „Zu dem Zeitpunkt war noch gar nicht klar, dass Lochner weiterfährt. Es hieß ja, dass er aufhört“, so Straub. Und bevor ein guter Anschieber in der Luft hängt und andere Teams anklopfen, habe eben Friedrich Kontakt gesucht. Der Abwerbeversuch dürfte in diesem Winter immer mal wieder als Thema aufploppen, wenn sich die beiden Rivalen duellieren. „Ich finde es gut, dass Lochner weiterfährt“, sagt Straub. Der Druck, den der Kollege vom Königsee auf das Team vom BSC Sachsen Oberbärenburg ausübt, wirke leistungsfördernd.
Zuwachs hat die Anschieberriege von Friedrich dennoch bekommen. Simon Wulff heißt der Neuling, kommt aus Dresden und weist eine Bestzeit von 10,06 Sekunden über 100 Meter auf. Wenn es demnächst wieder für die ersten ernsthaften Fahrten aufs Eis geht, hat Straub schon monatelanges Training hinter sich.
Im April gab es eine längere Pause, aber im Mai ging es schon wieder los damit, den Körper in Form zu bringen mit langen Läufen und vielen Wiederholungen im Kraftraum.
Ausgefeilte Analysemethoden und diverse Instrumente halfen dabei, die Prozesse beim Anschieben zu verbessern. Ein Messschlitten ermöglicht es, genau zu registrieren, wann welche Kräfte einwirken und wo in diesem komplexen Zusammenspiel verschiedener Impulse noch Verbesserungen drin sind.
„Der Anlauf dauert ja nur fünf Sekunden, da geht es um Nuancen“, weiß Straub. Ein Biomechaniker hilft, die optimalen Bewegungen zu finden, um so noch eine Hundertstel herauszuholen. Die kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Vielleicht auch 2026 bei den Olympischen Spielen.
Die Bahn, die nach einigem Hin und Her nun doch in Italien neu gebaut wird, ist den Plänen nach nicht besonders anspruchsvoll. „Je einfacher die Bahn, umso wichtiger ist der Anlauf“, sagt Straub. Denn da könne man dann den entscheidenden Vorsprung herausholen. Eine Medaille bei Olympia, die fehlt dem Ansbacher in der Sammlung noch.
Innerhalb von nur zwei Jahren als Wintersportler hat er eine beeindruckende Liste von Erfolgen erreicht. Dazu zählen fünf Weltcupsiege, ein EM- und ein WM-Titel. Der soll bei der Weltmeisterschaft im März in Lake Placid (USA) verteidigt werden. Davor stehen etliche Weltcuprennen an. Los geht es Anfang Dezember auf der Heimatbahn in Altenberg.