Niemand darf Kinder vernachlässigen oder misshandeln. Die Koordinationsstelle Frühe Kindheit (KoKi) in der Stadt Ansbach will dem vorbeugen. Eine der drei Säulen sind Besuche bei Familien mit Neugeborenen. Martin Querndt ist ein „Urgestein“ der seinerzeit noch neuen Stelle. Kurz vor der Rente hat er einiges zu berichten.
Schon vor der KoKi gab es eine Art KoKi. 2008 richtete die Stadt in der Amtszeit von Oberbürgermeister Ralf Felber das Projekt Frühe Hilfen ein. Die Sozialpädagogin Lisa-Marie Buntebarth, heute Gleichstellungsbeauftragte der Kommune, wirkte an dieser Stelle. Schon da gab es die Besuche bei den Familien, damals weithin eine Pionierleistung.
2010, in der Amtszeit Carda Seidels, kam die KoKi, und die Stadt wollte diese Besuche weiterführen. Die zwei weiteren Säulen der Koordinationsstelle sind die Einzelfallhilfe für Schwangere und für Familien, zum Beispiel mit einer Familienhebamme oder Kinderkrankenschwester, sowie Netzwerkarbeit, also Kontakt etwa mit Kinderärzten oder Beratungsstellen.
Nach einer ersten beruflichen Station als Sozialpädagoge im heutigen Bezirksklinikum begann Martin Querndt (65) vor rund 35 Jahren bei der Stadt. Seit 2010 ist er bei der KoKi tätig.
Die Koordinationsstelle Frühe Kindheit ist inzwischen in der Würzburger Straße 16 beheimatet. Sie konnte Familien vor schwierigen Situationen bewahren, wie Martin Querndt informiert. Er begrüßt es, dass die Besuche bei den jungen Familien flächendeckend stattfinden. Damit „hast du nicht nur ,benachteiligte‘ oder Problemfamilien“ als Gesprächspartner.
Er erzählt von einer nicht „benachteiligten“ Familie, die in Ansbach seinerzeit aber ohne soziales Netz war. Nach einer weiteren Geburt kam die Mutter nach Querndts Worten „ins Schleudern“, als es darum ging, den Bedürfnissen eines schon größeren Kindes gerecht zu werden.
Die Familie habe ein halbes Jahr eine Einzelfallhilfe zur Seite gestellt bekommen – fürs Selbstbewusstsein und um den Rücken zu stärken. „Alle, die Mutter oder Vater werden, haben eine Veränderung im Leben vor sich, bei der der Umgang damit sehr unterschiedlich ist.“
An alle Eltern von Neugeborenen schickt Oberbürgermeister Thomas Deffner ein Schreiben. Dem ist ein Gutschein für einen Obstbaum beigefügt, und der Rathauschef weist auf den Babybesuch hin.
Für das Kind gibt es beim Besuch ein Geschenk, für die Eltern Informationen – zum Beispiel über Eltern-Kind-Gruppen, über Kindertagesstätten oder über die Entwicklung des Kindes. So schildert es Martin Querndt. Außerdem sei genug Zeit für ein Gespräch.
„Was uns ausgezeichnet hat, ist eine Konstanz in der Besetzung“, findet Martin Querndt. Bei großen Teilen anderer KoKis in Bayern sei dies immer schwierig gewesen. Derzeit sind er und seine langjährige Kollegin Petra Böllet in der Koordinationsstelle tätig, und Martin Querndt wirkt darüber hinaus noch in der Kommunalen Jugendarbeit.
Der Sozialpädagoge Markus Hecht (46) folgt im Juli Martin Querndt nach. Bis dato ist er in Sachen Jugendsozialarbeit an Schulen an der Luitpoldschule tätig. Nachdem er bislang viele Schüler betreut habe, „fand ich jetzt einfach den Bereich Prävention reizvoll“, sagt er.
Er freut sich darüber, dass er nach wie vor Kontakt mit Klienten habe – aber unter anderen Vorzeichen, vorbeugend ausgerichtet und mit einer anderen Zielgruppe.
Vor der Corona-Zeit bekamen die Eltern noch einen Terminvorschlag für den Babybesuch. Heute „suchen wir sie ungefragt auf“, erläutert Querndt. Damals wie heute nähmen 70 bis 80 Prozent das Besuchsangebot wahr. „Wir haben sogar das Gefühl, dass wir mehr erreichen.“ Dies erklärt sich für ihn durch den Überraschungseffekt. „Richtig böse abgewiesen“ habe man ihn nur ein einziges Mal.
Manche nehmen die KoKi als „Vorhof“ des Jugendamts wahr, wie Martin Querndt wiedergibt. In seinen 13 Jahren als deren Mitarbeiter allerdings habe er nur „ein einziges Mal oder zweimal das Jugendamt eingeschaltet, weil ich eine Gefährdung des Säuglings sah“.