Bestsellerautorin Lena Johannson begeistert mit Rilke-Lesung in Feuchtwangen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.04.2026 12:07

Bestsellerautorin Lena Johannson begeistert mit Rilke-Lesung in Feuchtwangen

Die Lesung von Bestsellerautorin Lena Johannson in der Stadtbücherei stieß auf große Resonanz. (Foto: Wolfgang Hauf)
Die Lesung von Bestsellerautorin Lena Johannson in der Stadtbücherei stieß auf große Resonanz. (Foto: Wolfgang Hauf)
Die Lesung von Bestsellerautorin Lena Johannson in der Stadtbücherei stieß auf große Resonanz. (Foto: Wolfgang Hauf)

Anlässlich des 100. Todestages des Lyrikers Rainer Maria Rilke war die Bestsellerautorin Lena Johannson zu einer Lesung aus ihrem Buch „Clara & Rilke – Eine Liebe zwischen Worten und Farben“ in die Stadtbücherei Feuchtwangen gekommen. Das Publikum war begeistert.

Büchereileiterin Kati Volz eröffnete mit einer Kurzbiografie von Lena Johannson die Lesung. Die gelernte Buchhändlerin stellte bald fest, dass für sie das Schreiben enorm wichtig ist und machte das dann zu ihrem Beruf.

Der Beginn einer intensiven Liebe

Statt einer Aneinanderreihung von Rilkes besten Gedichten ging es um die beginnende, intensive Liebe zwischen zwei Künstlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Publikum folgte von Anfang an gespannt und konzentriert dem Vortrag, der durch Auszüge aus dem „Rilke-Projekt“ von Richard Schönherz und Angelica Fleer ergänzt und aufgelockert wurde.

Als Einstieg hatte die Autorin eine Passage mit dem Schauspieler Ben Becker gewählt („Ich will du sein“). Gekonnt leitete sie dann auf ihren Roman über. Rilke kommt nach einem Aufenthalt bei Tolstoi und verlassen von seiner Liebe Lou zu seinem Freund Heinrich Vogeler nach Worpswede nördlich von Bremen. Er ist nicht gerade gut gelaunt, fühlt sich ängstlich. Bei einem Empfang in Vogelers Salon lernt er die Künstlerinnen Paula Becker und Clara Werthoff kennen. Er trägt eines seiner Gedichte vor und wird dabei vom ebenfalls anwesenden Prof. Carl Hauptmann bloßgestellt.

„Wie schön, dass Sie hier sind“

Nun wechselt die Erzählperspektive von Rilke zu Werthoff. Clara und Paula unterhalten sich beim Schmücken der Kirche anlässlich des Erntedank-Festes über Hauptmanns unangemessene Kritik, Clara schwankt dabei zwischen Bewunderung für Rilke und darin, ihm eine gewisse Arroganz zuzuschreiben. Beim anschließenden opulenten Empfang in Vogelers Salon sehen sich Rilke und Clara wieder. „Wie schön, dass Sie hier sind“, dabei lächelt er ohne eine Spur von Spott.

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Clara ist allerdings verwundert darüber, dass er vordergründig nur ihren Duft von Veilchen wahrnimmt. Rilke trägt das Gedicht „Menschen bei Nacht“ vor und Clara hängt dabei förmlich an seinen Lippen, genießt dessen angenehme Baritonstimme, hat dabei eine „Gänsehaut“. Der eigentlich schmächtige Dichter wirkt auf einmal groß, alle sind ergriffen. Am Schluss sieht Rilke Clara bewusst an und da „funkt“ es! Mit einer melancholischen Einspielung aus dem Rilke-Projekt endet Teil eins.

Vogeler verreist und überlässt Rilke sein Domizil. Wieder erfolgt eine Einspielung, „Wellenschlagen in den Sälen“, fröhlich, tänzerisch. Rilke veranstaltet ein Treffen im Salon. Hauptmann fragt ihn dabei, wie er es mit den Frauen halte, er solle sich doch eine suchen, die ihm ein schönes Heim bereite. Für Rilke steht aber die Arbeit im Vordergrund. Er bräuchte „eine, die in seine Poesie eintauchen wollte“.

„Er war kein Partylöwe”

Beim anschließenden Ball überlässt Rilke das Vorrecht des ersten Walzers Hauptmann. Der fordert Clara auf, was Rilke dann doch nicht so recht passt, er wirkt wie versteinert. „Ein Partylöwe war Rilke nicht“, ergänzt Lena Johannson süffisant und spielt passend dazu „Tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten, …“ vorgetragen von Iris Berben, ein.

„Das Schicksal stellt jeden an seinen Platz“, für Rilke wird es Worpswede, das Dorf im Moor. Er wird extrem kreativ, beeindruckt von der Landschaft. Er schreibt das Gedicht „Die Braut“ für Vogeler und hat dabei doch Clara im Kopf. Auf deren Einladung hin begleitet er sie in ihr Atelier nach Fischerhude.

Beim Aufsperren verletzt sich Clara an der Hand, beide kommen sich näher. Rilke sperrt auf und ist beim Anblick einer Skulptur, die Clara erst am Tag zuvor begonnen hatte, schwer beeindruckt. Er erkennt, dass sie Kunst Seele verleihen kann, dass ihre Hände zum Schaffen erschaffen waren. Sie erzählt ihm, wie sie ihre erste Skulptur, eine Hand aus Marmor, gefertigt hatte, er hängt dabei an ihren Lippen. Er bekommt einen völlig neuen Blick auf Steine, die ihm früher in Form von Grabsteinen Albträume bereitet hätten.

„Nennt ihr das Seele?“ trägt er ihr, die verletzte Hand haltend, vor. Ab jetzt spricht Clara nicht mehr von Herrn Rilke, sondern von Rainer. Als Zugabe wird das wohl allen bekannteste Gedicht „Der Panther“, vorgetragen von Otto Sander, eingespielt.

Ein beeindruckender Abend, der den Zuhörenden nicht nur den Dichter Rilke nähergebracht hat, sondern der auch durch die wunderbar weiche Stimme der Autorin und deren professionelle Modulation zu überzeugen wusste.

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