Auszeit vom Alltag – Volksfestsaison in Bayern | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.08.2026 10:27

Auszeit vom Alltag – Volksfestsaison in Bayern

Das Gäubodenvolksfest in Straubing gilt als das zweitgrößte Volksfest in Bayern nach dem Oktoberfest. (Archivbild) (Foto: Armin Weigel/dpa)
Das Gäubodenvolksfest in Straubing gilt als das zweitgrößte Volksfest in Bayern nach dem Oktoberfest. (Archivbild) (Foto: Armin Weigel/dpa)
Das Gäubodenvolksfest in Straubing gilt als das zweitgrößte Volksfest in Bayern nach dem Oktoberfest. (Archivbild) (Foto: Armin Weigel/dpa)

Das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt. Diesen Superlativ aus München kann das Gäubodenvolksfest natürlich nicht toppen. Die Straubinger betrachten ihr Volksfest aber mit Stolz als das zweitgrößte in Bayern – und als das schönste sowieso. Mit dem abendlichen Trachtenumzug am Freitag geht der Wahnsinn wieder los. Das Gäubodenvolksfest ist einer der Höhepunkte der Volksfest-Saison im Freistaat.

Elf Tage Ausnahmezustand stehen der Stadt bevor. Rund 1,3 Millionen Besucher werden erwartet. Die parallel stattfindende Verbrauchermesse Ostbayernschau ist ein weiterer Besuchermagnet.

Kleine Stadt, riesiger Andrang

Spricht man Straubinger auf den Vergleich zum Oktoberfest an, wird einem schnell vorgerechnet: Bei 50.000 Einwohnern sind 1,3 Millionen die 26-fache Besucherzahl. Festwirte-Sprecher Martin Lechner sagt: „Das muss man sich mal in München vorstellen.“ Bei 1,5 Millionen Einwohnern wären das 39 Millionen Wiesnbesucher. Das können und wollen sich die Münchner wohl eher nicht vorstellen.

Zumal der Faktor Zeit da noch nicht eingerechnet ist. Das Gäubodenvolksfest dauert genau genommen nur zehneinhalb Tage und beim Oktoberfest verteilen sich die gut sieben Millionen Besucher auf 16 bis 18 Tage. 

Aber: Wie auch immer man es dreht und rechnet, der Ansturm auf das Gäubodenvolksfest ist jedenfalls groß – wenn auch leicht rückläufig. In den Jahren 2025 und 2024 wurden rund 1,25 Millionen Menschen gezählt, 2023 und 2022 rund 1,3 Millionen. Beim letzten Fest vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 waren es nach Veranstalterangaben noch etwa 1,45 Millionen Besucher.

Kein „O'zapft is“ in Straubing

Was zeichnet das Gäubodenvolksfest im Vergleich zur so viel größeren und weltberühmten Wiesn aus? Für Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) ist es „deutlich stärker regional verankert“ und habe sich seinen Charakter als Heimatfest bewahrt. Einen wesentlichen Unterschied gibt es zum Auftakt: In Straubing findet kein Anzapfen statt, dafür kommt ein hochrangiger politischer Gastredner. „Das ist bei uns gute Tradition und ich beschränke mich dann auf kleine rhetorische Schläge in meiner Begrüßungsrede“, so Pannermayr. In diesem Jahr spricht Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). 

Auch Straubings Volksfest-Betriebsleiter Daniel Winklmaier hebt regionale Verbundenheit, Bodenständigkeit und familiäre Stimmung beim Gäubodenfest hervor. Das Oktoberfest sei natürlich geprägt von der einzigartigen Atmosphäre auf der Theresienwiese, konstatiert er. „Wobei die Größe als Vorteil oder auch als Nachteil gesehen werden kann, je nachdem, was man halt mag.“ 

Während München von seiner U-Bahn profitiert, die riesige Mengen Besucher zur Festwiese und zurück transportiert, wird in Straubing eigens der Bus- und Bahnverkehr für elf Tage ausgeweitet. Negative Begleiterscheinungen wie zum Beispiel sich übergebende Festbesucher gibt es zwar in Straubing ebenfalls, aber ein bisschen weniger. 

Internationales Publikum reist auch nach Straubing, sagt Lechner. Österreicher, Südtiroler, Niederländer, Schweizer und darüber hinaus. In dieser Saison habe er beispielsweise bereits Anfragen aus Venedig, Warschau und Cornwall. Der Großteil der Gäste komme aber immer noch aus Niederbayern und der Oberpfalz, so Lechner. Doch das Einzugsgebiet innerhalb Bayerns wachse. „Auch viele Münchner sind da, und die sagen dann: „Hier ist es gemütlicher.”“ 

Sommerhitze vs. kühle Herbstabende

Die leicht rückläufigen Besucherzahlen – und den geringer werdenden Bierdurst – kommentierte Rathaus-Chef Pannermayr vergangenes Jahr schon mit dem Satz: Angesichts gegenwärtiger Herausforderungen sei eben nicht die Zeit, um mit dem Fest von Rekord zu Rekord zu ziehen. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bleibt es allemal.

Festwirte-Sprecher Lechner führt die Entwicklung neben den steigenden Lebenshaltungskosten auch auf die Hitze zurück. In den letzten Jahren sei es tagsüber teilweise extrem heiß gewesen. „Da bleiben vor allem viele Tagesgäste weg und gehen lieber ins Freibad.“ Pünktlich zum Festbeginn am Freitag soll die hochsommerliche Hitze jedoch etwas nachlassen. 

Doch auch beim Wetter liegen pro und kontra nahe beieinander: Im August müsse man sich keine Gedanken machen, ob man eine Jacke mitnimmt, findet Volksfest-Chef Winklmaier. „Am Oktoberfest muss man mit Sicherheit öfter in die Wetter-App schauen, um nicht falsch gekleidet zu sein.“ 

Nürnberg, Augsburg, Rosenheim – und Karpfham

Das Oktoberfest beginnt am 19. September und endet am 4. Oktober. Davor gibt es unter anderem noch das Nürnberger Herbstvolksfest und zeitgleich den Augsburger Plärrer sowie die Regensburger Herbstdult (28. August bis 13. September) und vom 29. August bis 13. September das Herbstfest Rosenheim.

Und dann ist da noch das Karpfhamer Fest (27. August bis 1. September) im Landkreis Rottal-Inn. Das lockt – auch wegen seiner Landwirtschaftsmesse – jährlich 400.000 bis 500.000 Besucher an. Bei etwa 1.200 Einwohnern sind das dann mindestens 330 Mal so viele Gäste, bei gerade sechs Festtagen – schon geht das Rechnen wieder los.

Unabhängig von der Besucherzahl hätten Volksfeste – egal, ob Wiesn oder Gäubodenvolksfest – ohnehin eine Sache gemeinsam, findet Pannermayr: Es sind „wunderbare Auszeiten vom Alltag, die Menschen zusammenbringen“.

© dpa-infocom, dpa:260806-930-491419/1


Von dpa
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