Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Die Herausforderung ist enorm, auch für die Angehörigen. Sie erleben, wie Ehemann, Mutter oder Opa immer wunderlicher, immer fremder werden. In Ansbach rückt nun die Wanderausstellung „Demenz neu sehen” das Thema in den Fokus – im Rahmen der bayernweiten Demenzwoche.
Präsentiert wird die Ausstellung mit eindringlichen Fotografien auf dem Plateau vorm Theater: mitten im Geschehen also, nicht in einem Bürgerbüro, Seniorenheim oder Krankenhausfoyer. Das war das Anliegen des Seniorenbeirats, der die Fotoschau nach Ansbach geholt hat. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, sich hier umzuschauen, die Bilder zu betrachten, die knappen Texte zu lesen oder ausführliche Informationen per QR-Code mit dem Smartphone abzurufen.
Bei der Eröffnung am Samstagvormittag begrüßte Fritz Heubeck, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Ansbach, der Sparkasse als Sponsor, der AOK und der Pflegestützpunkte von Stadt und Landkreis Ansbach. Er dankte allen Helfenden und Fördernden, die die Ausstellung mit auf den Weg gebracht haben. Ergänzt werde das Ausstellungsprojekt mit einem Infostand täglich von 14 bis 16 Uhr, an dem sich verschiedene Organisationen im Wechsel vorstellen, schilderte Heubeck.
Oberbürgermeister Thomas Deffner betonte die große Bedeutung der Ausstellung mit Blick auf die immer älter werdende Gesellschaft. Wir alle müssten uns mit dem Thema Demenz auseinandersetzen, da wohl fast jeder mit Betroffenen im Familien- und Freundeskreis zu tun habe. Landrat Marco Meier wies darauf hin, dass Menschen mit beginnender Demenz und Angehörige der Erkrankten „Ansprechpartner vor Ort und Unterstützung” benötigten. „Demenz geht uns alle an, auch jüngere Menschen”, so Meier.
Werner Frieß, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Ansbach, sprach von seinen eigenen Erfahrungen: Er sei erstmals als junger Mann mit der Krankheit konfrontiert worden, als seine Großmutter „immer vergesslicher und dann merkwürdiger” wurde. „Man stellt sich die Frage, wie man mit den veränderten Menschen umgeht. Das kann furchtbar schlimm sein für Angehörige.”
Martin Soldner, Teamleiter bei der AOK in Ansbach, erklärte, dass Demenz „immer noch ein starkes Tabuthema” sei. „Es ist wichtig, dass wir das Thema in die Mitte der Gesellschaft bringen.” Soldner stellte auch die Bedeutung von Prävention heraus: „Es gibt Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen.”
Ehrenbürger Friedrich Hilterhaus war zwar nicht für ein Grußwort vorgesehen, ergriff aber aus persönlichen Gründen spontan das Wort. Er berichtete emotional von seiner seit fünf Jahren an Demenz erkrankten Frau und äußerte Kritik: Er habe zunächst keine Unterstützung gefunden. „Hilfe ist schwer zu bekommen, man muss sich selbst helfen”, sagte er.
Beklemmend wurde es, als die Schauspielerin Pia von der Assen und ihr Kollege Matias Lavall vom Theater Ansbach aus mehreren Büchern zum Thema Demenz vorlasen. Vor allem die Auszüge aus Jo Failers „Ich denk nicht dran. Ein Vermächtnis zu Lebzeiten” waren harter Stoff. Der Journalist, Sportmoderator und Vater von zwei kleinen Kindern bekam mit 51 Jahren die Diagnose „Alzheimer Frühform”.
Ganz unterschiedliche Aspekte der Krankheit werden in der Ausstellung aufgezeigt: schöne, fröhliche Momente, stille Momente, traurige, melancholische und hoffnungsvolle Situationen. Da ist zum Beispiel eine 86-jährige Frau, eingebettet in die Welt ihrer Lieblingsblumen. Die präsentierten Bilder wurden mit dem Preis für Fotografie des Vereins Desideria ausgezeichnet; dessen Ziel ist es, Demenz mehr Aufmerksamkeit zu geben und den Blick auf die Erkrankung zu verändern.
Zu sehen ist die Wanderausstellung bis Sonntag, 27. September. Ergänzend wird am Donnerstag, 24. September, um 15 Uhr in den Kammerspielen der Film „Blauer Himmel, weiße Wolken” gezeigt. Dieser Dokumentarfilm der Regisseurin und Produzentin Astrid Menzel erzählt von einer zweiwöchigen Kanufahrt mit ihrer an Demenz erkrankten Großmutter, nicht bedrückend schwer, sondern durchaus mit trockenem Humor.
Der Eintritt zum Film ist frei. Aus organisatorischen Gründen werden Gratis-Tickets ausgegeben. Diese sind bei Tante Anna in der Neustadt oder im Seniorenbüro erhältlich.