Erst Putins Krieg in der Ukraine, dann Trumps Iran-Krieg, dann die Huthi-Miliz, die noch eine strategische Meerenge besetzt: Wer auf fossile Kraftstoffe angewiesen ist, erlebt seit 2022 sein blaues Wunder. Dem derzeitigen Rekordhoch bei den Spritpreisen will die Bundesregierung nun erneut begegnen. Was würde das in der Region bringen?
Wie die Regierung am Freitag bekannt gab, plant die schwarz-rote Koalition in Absprache mit den Ländern die Wiedereinführung des „Tankrabatts”. Diese Maßnahme hatte schon im Frühjahr für zwei Monate die Benzin- und Dieselpreise an der Tankstelle gesenkt. Nun sollen die 17 Cent Reduzierung pro Liter wieder in Kraft treten. Als Beginn der Entlastung wird der 1. Oktober in einer Pressemitteilung genannt.
Ergänzen soll die Maßnahme ein zeitlich limitierter „Preisdeckel” für Kraftstoffe, der staatlich festgelegt wird. Hier wird spätestens der 1. Januar als Startdatum anvisiert.
Hintergrund sind die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Spritpreise in Deutschland. Dabei kletterten die Zahlen an den Tankstellen zuweilen auf ein Niveau, das selbst zu Beginn des Iran-Konflikts nicht erreicht wurde. Als Auslöser gilt vor allem die anhaltende Blockade der Straße von Hormus im Persischen Golf. Hinzu kamen zuletzt Eroberungen von strategisch wichtigen Inseln im Arabischen Meer durch die mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen.
In Westmittelfranken begann der jüngste Preisschub Ende August. Seitdem kletterten die Spritpreise nahezu kontinuierlich Tag für Tag nach oben. Den krassesten Ausreißer in der Region protokollierten Spritpreis-Plattformen für eine Autobahn-Tankstelle an der A6 im Landkreis Ansbach: Hier waren am Mittwoch kurzzeitig aufgerundet 2,97 Euro für den Liter Diesel fällig. Den selben Preis verlangte auch eine Tankstelle an der A7 im westlichen Kreis Ansbach. Auch wenn dieser Spitzenwert zuletzt leicht sank, lag der niedrigste Dieselpreis am Samstag dort noch immer bei 2,86 Euro.
Abseits der Autobahn sind die Preise deutlich niedriger, allerdings trotzdem auf hohem Niveau. Für eine Marken-Tankstelle in Ansbach waren am Samstag vor 12 Uhr 2,24 Euro für den Liter E10 fällig, für Diesel 2,42 Euro. Das sind rund zehn bis 20 Cent mehr als noch im März kurz nach Ausbruch des Iran-Kriegs.
Unter 2,17 Euro war am Samstagvormittag in Stadt und Landkreis Ansbach auch bei den günstigsten Anbietern kein E10 zu bekommen. Günstiger kamen die Menschen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim davon. Hier vertrieben einzelne Discounter-Tankstellen den Kraftstoff für 2,13 Euro.
Damit ist aber auch klar: Sollten die Preise auf dem jetzigen Niveau verharren, wird auch der „Tankrabatt” von 17 Cent in der Region nur in einzelnen Fällen den Preis unter die Marke von zwei Euro drücken – vorausgesetzt, die Energiekonzerne geben die Erleichterungen an die Verbraucherinnen und Verbraucher vollständig weiter.
Generell tankte es sich in Bayern zuletzt im Vergleich noch günstiger als in anderen Bundesländern: Laut einer Auswertung der Plattform Benzinpreis.de waren die durchschnittlichen Kraftstoffpreise am Samstag nirgendwo niedriger als in Bayern. Am meisten war mit einem Unterschied von etwa sechs Cent in Hessen und Brandenburg fällig.
Im europaweiten Vergleich sind die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland überdurchschnittlich hoch. Nach Statistiken der Europäische Kommission war in der vergangenen Woche nur in den Niederlanden und in Dänemark mehr an der Tankstelle fällig.
An den jetzt beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung wird bereits Kritik laut. Verbraucherschützende und Sozialverbände halten den „Tankrabatt” für zu wenig zielgenau. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace befürchten, dass die Ölkonzerne die Erleichterung nicht komplett an die Bevölkerung weitergeben und sich stattdessen Zusatzgewinne einstreichen.