ANregiomed: Wie muss die Notfallversorgung aufgestellt sein? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.02.2025 07:00

ANregiomed: Wie muss die Notfallversorgung aufgestellt sein?

Die ANregiomed-Klinik Rothenburg steht vor einer unsicheren Zukunft. Nicht nur der Förderverein Mediroth befürchtet eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region. (Foto: Jürgen Binder)
Die ANregiomed-Klinik Rothenburg steht vor einer unsicheren Zukunft. Nicht nur der Förderverein Mediroth befürchtet eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region. (Foto: Jürgen Binder)
Die ANregiomed-Klinik Rothenburg steht vor einer unsicheren Zukunft. Nicht nur der Förderverein Mediroth befürchtet eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region. (Foto: Jürgen Binder)

Es gibt Zoff um die Notfallversorgung in den beiden Krankenhäusern in Rothenburg und Dinkelsbühl, sollten diese zu intersektoralen Versorgungszentren herabgestuft werden. Vor allem in Rothenburg gibt es aktuell massive Kritik. Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer hält dagegen.

Anlass für die Auseinandersetzung war eine Äußerung von Michaela Ebner, der Vorsitzenden des Krankenhausfördervereins Rothenburg. Sie hatte gesagt, im Falle einer Abstufung könnten von den bislang in Rothenburg behandelten Notfällen künftig nur noch zehn Prozent versorgt werden.

Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer bezeichnet es als „unlauter, mit falschen Zahlen bei der Bevölkerung Ängste zu schüren. Die Behauptung, dass bei der Umsetzung der zuletzt vorgelegten Planung nur noch zehn Prozent der Notfälle versorgt werden könnten, ist unrealistisch und falsch“, so Sontheimer. Mediroth und die Notärzte aus Rothenburg haben die Zahlen inzwischen präzisiert. Es gehe um die „wirklich kritisch erkrankten Patienten“, betonten sie.

Nur 40 Prozent werden stationär aufgenommen

Das Controlling von ANregiomed hat die Daten der Rothenburger Notaufnahme ausgewertet. Demnach werden 56 Prozent der Notfall-Patienten ambulant versorgt. In absoluten Zahlen geht es um 7982 Personen. 40 Prozent (das sind 5651 Patienten) werden stationär aufgenommen. Jeweils zwei Prozent werden ANregiomed zufolge in ein anderes Haus verlegt oder gegen ärztlichen Rat entlassen.

Von den stationär aufgenommenen Patienten haben nach Auswertung der Daten 70 Prozent (3968 Menschen) internistische Krankheitsbilder. Diese können auch in einem intersektoralen Versorgungszentrum behandelt werden, heißt es von ANregiomed. Nur rund 8,5 Prozent (479) aller stationären Notfälle könnten aufgrund ihrer Schwere grundsätzlich nicht mehr in einem solchen Haus versorgt werden.

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Wie geht es weiter mit ANregiomed? Die Frage steht am Mittwoch im Mittelpunkt der Beratungen im Verwaltungsrat. Dieser tagt nichtöffentlich. (Foto: Evi Lemberger)
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„Internistisch betrifft dies Patienten mit unklarem Brustschmerz oder bei Verdacht auf innere Blutungen“, heißt es in der Mitteilung von ANregiomed. Bei solchen Symptomen würde der Rettungsdienst im Falle einer Herabstufung des Hauses gleich eine andere Klinik ansteuern. „Bei allen anderen Symptomen könnte auch künftig eine Versorgung, zumindest aber eine Erstversorgung stattfinden“, heißt es im Pressetext.

Es entbehre „jeglicher Grundlage”, wenn Sontheimer ihnen „unlautere Mittel” vorwerfe, kontern nun Mediroth-Vorsitzende Michaela Ebner und Notärzte-Sprecher Jan Overmans. Ihnen gehe es um „die Sicherstellung einer funktionierenden Notfallversorgung mit dem Erhalt vollwertiger Krankenhäuser in Rothenburg und Dinkelsbühl“, betonen Ebner und Overmans.

Ist die Notfallversorgung ausreichend?

Eine Herabstufung der beiden Krankenhäuser zu intersektoralen Versorgungszentren – so wie es der Verwaltungsrat nun diskutiert hat – würde bedeuten, dass sie „nicht mehr an der Notfallversorgung nach G-BA“ teilnehmen. G-BA steht für den gemeinsamen Bundesausschuss, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

Der G-BA legt Standards für die Notfallversorgung fest – von der Basisnotfallversorgung über die erweiterte Notfallversorgung bis zur umfassenden Notfallversorgung. Das Szenario, das der Verwaltungsrat beraten hat, sah zwar eine Notfallversorgung rund um die Uhr vor, aber eben nicht nach einem dieser Standards. Dinkelsbühl und Rothenburg decken bislang die Basisnotfallversorgung ab.

Wie es für die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg weiter geht, ist auch am Tag nach dem großen Treffen fraglich. Zu einer Einigung ist der Verwaltungsrat von ANregiomed nicht gekommen.  (Archivbild: Robert Maurer)
Wie es für die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg weiter geht, ist auch am Tag nach dem großen Treffen fraglich. Zu einer Einigung ist der Verwaltungsrat von ANregiomed nicht gekommen.  (Archivbild: Robert Maurer)

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In der Pressemitteilung stimmen Ebner und Overmans zwar Sontheimers Darstellung zu, dass in „90 Prozent der Fälle“ der Rettungswagen mit internistischen Notfällen weiterhin nach Rothenburg fahren könnte. Doch bei kritischen Fällen wie bei einem Verdacht auf Herzinfarkt oder einer schweren Atemnot reduziere sich diese Zahl auf nur noch zehn Prozent. Bei einer derart „abgespeckten Notfallversorgung“ würde man in Zweifelsfällen das Rothenburger Krankenhaus nicht anfahren, betonen demnach Notärzte.

Insofern lenke der Klinikvorstand mit seinen Zahlen von der eigentlichen Problematik ab: „Die wirklich schwer kranken Patienten, die eine Klinik mit Herzkatheterbereitschaft oder eine Überwachungsstation benötigen, werden künftig nicht mehr in Rothenburg behandelt werden können (analog Stroke-Patienten in Bezug auf das Krankenhaus Dinkelsbühl)“, heißt es in der Mitteilung.

Kritik an Zahlenspielen Sontheimers

Ebner und Overmans sprechen von einer „Mogelpackung der Inneren Medizin“. Es seien weder das Leistungsspektrum noch die Finanzierung oder die Weiterbildungsmöglichkeiten geklärt. Sie stellen sich deshalb die Frage, ob dafür die Ärzte der Abteilung überhaupt zur Verfügung stünden.

Die Verantwortlichen von ANregiomed sollten nach Meinung von Mediroth und den Notärzten damit aufhören, sich „hinter Zahlenspielen zu verstecken, und stattdessen echte Lösungen für die Notfallversorgung der kritisch Kranken erarbeiten“. Wörtlich heißt es: „Eine Gesundheitsversorgung, die sich an Durchschnittswerten orientiert und dabei die tatsächlich gefährdeten Patienten ignoriert, ist keine verantwortungsvolle Medizin.“

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