Neun Stunden Debatte und doch kein Ergebnis: Der Verwaltungsrat von ANregiomed hat nicht über die Herabstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg abgestimmt. Damit bleibt erstmal alles, wie es ist. Doch das Thema ist damit nicht vom Tisch. Allerdings ist noch komplett offen, wie es weitergeht.
Beide Kliniken sind und bleiben Häuser der Grund- und Regelversorgung. Das ist erstmal Fakt. Doch ändert das nichts an Herausforderungen wie dem Personalmangel in Medizin und Pflege, hohen Defiziten sowie den Trends zur Ambulantisierung und zur Spezialisierung. Darauf müsse auch ANregiomed reagieren, wie Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Jürgen Ludwig, der Ansbacher Landrat, in einer Stellungnahme gegenüber der FLZ deutlich macht.
Für Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer ist die Nicht-Abstimmung am Mittwochabend fast so gut, wie eine eindeutige Ablehnung der geplanten Herabstufung. „Das, was die Menschen von uns erwartet haben, ist passiert“, konstatiert er mit Blick auf über 36.000 Unterstützer einer Online-Petition.
Hammer hat in der Vergangenheit gern den öffentlichen Protest angeführt, um die Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg in ihrer bisherigen Form zu erhalten. Er kann sich nicht vorstellen, dass der Verwaltungsrat in der jetzigen Konstellation zu einem anderen Ergebnis käme, sollte das Thema erneut auf der Tagesordnung landen. Also würde bis zur Kommunalwahl 2026 nichts passieren.
Sein Amtskollege, Dr. Markus Naser aus Rothenburg, ist für den Moment ebenfalls erleichtert. Das Aufschieben der Entscheidung zeige, „dass die zahllosen Appelle und Bittschreiben für den Erhalt der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg etwas bewirkt haben“. Für Naser ist klar, dass „die Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg als echte Krankenhäuser erhalten bleiben müssen“.
„Das ist noch keine Garantie“, warnt Michaela Ebner, die Vorsitzende von Mediroth, dem Rothenburger Förderverein des Krankenhauses, nach der Nicht-Entscheidung. Aus ihrer Sicht hat die deutlich verbesserte Finanzsituation von ANregiomed im vergangenen Jahr „die Sachlage komplett verändert“. Ihre Hauptsorge gilt der Notfallversorgung. Nach Ebners Informationen könnten von den in Rothenburg behandelten Notfällen künftig nur noch zehn Prozent versorgt werden, käme es zu einer Abstufung.
Vorgesehen war, Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren zu machen. An beiden Häusern sollte es jeweils noch eine Abteilung für Innere Medizin und eine neu aufzubauende Geriatrie geben. Hinzu sollten ambulante Angebote kommen. In der Zukunftsstrategie von ANregiomed entspricht das dem Szenario 5. Ergänzt hat Landrat Ludwig die Variante im Beschlussvorschlag um eine Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung. Allerdings mit der Einschränkung, dass es in Dinkelsbühl und Rothenburg keine stationäre Chirurgie mehr geben würde. Der Knochenbruch am späten Abend könnte also nicht behandelt werden, der entgleiste Blutzucker schon.
Der Grund, weshalb das Thema am Mittwochabend schließlich nicht abgestimmt wurde: Es zeichnete sich ab, dass die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit nicht zustande kommt. Bei Entscheidungen, die die Struktur der Gesundheitsversorgung in Stadt und Landkreis grundsätzlich verändern, müssen mindestens neun Verwaltungsräte dafür stimmen.
Mit Dinkelsbühls OB Dr. Christoph Hammer (CSU) und den beiden Grünen-Vertretern Gabriele Müllender (Rothenburg) und Oliver Rühl hatten drei Verwaltungsräte im Vorfeld deutlich ihre Ablehnung signalisiert.
Auch Uwe Reißmann bekannte auf FLZ-Anfrage, dass er im Falle einer Abstimmung „Nein“ gesagt hätte. Die SPD-Fraktion im Kreistag, der er angehört, hat sich zwar frühzeitig auf Szenario 5 festgelegt, allerdings mit zwei Einschränkungen: Es muss sich etwas in der Führung des Klinikverbundes tun und die Notfallversorgung im westlichen Landkreis muss gesichert sein. Reißmann: „Ich kann nur zustimmen, wenn klar ist, dass das klappt.“
Aus den Reihen der Kreisräte soll es noch einen weiteren Vertreter gegeben haben, der sich gegen das Szenario 5 aussprach. Die Vertreter der Stadt Ansbach waren mit Ausnahme von Oliver Rühl hingegen für den Beschlussvorschlag. Damit sich Landrat Jürgen Ludwig mit seinem Vorschlag keine blutige Nase holt, verzichtete man auf die Abstimmung.
Die Gründe für die Ablehnung des Beschlussvorschlags waren wohl ganz unterschiedlich. Die Sorge um die medizinische Versorgung im westlichen Landkreis, die im vergangenen Jahr verbesserte finanzielle Situation von ANregiomed und damit verbunden Zweifel an Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer sollen genannt worden sein.
Wie es nun weitergeht, müsse intern besprochen werden, erklärte Fabian Hähnlein, Pressesprecher des Landratsamtes. Nachdem sich in neun Stunden Diskussion keine Kompromisslinie finden ließ, wird es für Landrat Ludwig und seinen Stellvertreter Thomas Deffner sicher nicht leicht, den Gordischen Knoten aufzulösen.