Leider sehr aktuell war das Programm der Arbeitstagung der Heimatpflege in Mittelfranken, für das schon zum wiederholten Male die Museen im Alten Schloss in Neustadt Gastgeber waren. Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, stellte dabei das „Netzwerk jüdisches Leben in Bayern“ vor.
Spaenle berichtete von Erfahrungen, die zeigen, wie wichtig dieses Projekt ist: So habe er nach den Ereignissen in Israel die Kommunen darum gebeten, ihre Solidarität durch das Hissen der israelischen Flagge zu bekunden. Ein Rathausmitarbeiter habe ihm daraufhin geantwortet, es sei ihm nicht zuzumuten, unter dieser Flagge zu arbeiten.
Den Angriff der Hamas bezeichnete er als eine „Zeitenwende“. So viele Juden und Jüdinnen seien seit dem Holocaust nicht mehr an einem Tag getötet und verletzt worden. Bei der Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte vor Ort sah er dagegen Positives: Er verwies auf ein Buch, das zur Einweihung der kleinsten Synagoge Frankens entstanden sei: Von links nach rechts gelesen war darin die Lokalgeschichte aufgeführt, von rechts nach links die jüdische Geschichte. „Jüdische Geschichte wird mehr und mehr als Teil unserer Geschichte begriffen“, folgerte er daraus.
Mittelfranken habe dabei mit den vielen jüdischen Landgemeinden einerseits eine reiche Tradition, über die andere Teile Bayerns infolge der restriktiven antijüdischen Politik der Wittelsbacher nicht verfügten. Dabei dürfe man die Verbrechen der Nazizeit nicht ausblenden. „Westmittelfranken war eine der übelsten Nazihochburgen.“ Synagogen oder Friedhöfe seien eine gute Anlaufstelle für politische Bildung: „Es wird ja jeder abnorme Irrsinn geglaubt, der im Umlauf ist.“
Das „Netzwerk jüdisches Leben“ steht noch in den Startlöchern. Beim „Landesverein für Heimatpflege“ sollen, wie Geschäftsführer Rudolf Neumaier erläuterte, die Fäden zusammenlaufen. Für die Inhalte kommt es aber maßgeblich auf die Heimatpfleger an, die in Neustadt zusammengekommen waren. Neumaier und Bezirksheimatpflegerin Andrea Kluxen plädierten dafür, die Stelle des Antisemitismusbeauftragten beizubehalten und sogar weiter aufzustocken.
Ein zweites Projekt wurde vorgestellt, in dem der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim eine Rolle spielen könnte: die Idee eines „Regionalparks Pegnitz/Rednitz/Regnitz“, die sich ein Verein zur Aufgabe gemacht hat. Solche Regionalparks gebe es schon bei vielen großen Städten. Es gehe darum, die Heimat so zu inszenieren, dass sich diejenigen, die dort wohnen – egal, ob Alteingesessene oder neu Zugezogene – damit identifizieren. So seien Kohle-Schmutz-Berge im Norden des Ruhrgebiets in Aussichtspunkte verwandelt worden. Bewusst wähle man deshalb nicht die Fränkische Schweiz als touristischen Magneten, sondern wolle den Reiz der Flüsse, der Reichswälder, der Teichlandschaft im Aischgrund oder kleiner Städte für die Naherholung betonen.
Ein bereits umgesetztes Beispiel ist ein Erlebnisweg mit 25 Stationen zum Thema „Wallensteins Lager“, den drei Gemeinden gemeinsam umgesetzt haben. Den Anstoß dafür gab besagter Verein. Das Geld komme aus Förderprogrammen, aber teils auch von privaten Sponsoren.
Dr. Andrea Kluxen nutzte die Veranstaltung, um ihre Nachfolgerin als Bezirksheimatpflegerin, die bisherige Rother Kreisheimatpflegerin und dortige Archivarin Dr. Annett Haberlah-Pohl vorzustellen. Sie übernimmt zum 1. Februar 2024 die Stelle, die Kluxen seit mehr als 20 Jahren inne hatte.