Er wird oftmals als der Beginn der Demokratie hierzulande gesehen: der Bauernkrieg. 2025 jährt er sich zum 500. Mal. Rothenburg und die Landwehr waren ein frühes Zentrum dieser Ereignisse. Aus diesem Anlass haben die Stadt und der Tourismus-Service ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.
Damit soll laut Ankündigung aus vielen Blickwinkeln und „von einem betont heutigen Standpunkt aus“ auf die damaligen Ereignisse geschaut und der Opfer gedacht werden. Gleichzeitig soll ein Bezug zur Gegenwart und Zukunft hergestellt werden. Den Auftakt macht am Donnerstag, 23. Januar, ein Sinfoniekonzert mit dem Akademischen Orchester der Universität Würzburg um 19 Uhr in der Reichsstadthalle.
Auf dem Programm steht unter anderem die „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland. The „Common Man“ – der gemeine im Sinn von gewöhnliche Mann – kann als Verbindung zum Bauernkrieg gesehen werden, der auch als „Aufstand des gemeinen Mannes“ bezeichnet wird.
Am Tag darauf – Freitag, 24. Januar – widmet sich Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger im Rahmen der Rothenburger Diskurse am Campus dem Thema. Ab 19 Uhr stellt er das kulturelle Themenjahr in einen aktuellen Kontext.
Vor fünfhundert Jahren starteten die entrechteten Bauern eine gewaltige Freiheitsbewegung, die das heutige Österreich, die Schweiz, Oberschwaben, sowie Teile von Mitteldeutschland und Franken umfasste.
Die Bauern forderten die Abschaffung der Leibeigenschaft sowie die Verringerung der extrem hohen Lasten und Abgaben. Die Reformation Martin Luthers gab ihnen dabei Auftrieb, radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer oder Johannes Teuschlein wurden zu Aufrührern der Landbevölkerung. Huggenberger will in seinem Vortrag auch eine Übersicht über die Geschehnisse im Rothenburger Gebiet geben, heißt es in der Ankündigung.
Hier führten im März 1525 die Ohrenbacher Dorfmeister Simon Nusser und Wendel Haim eine Delegation von rund 30 Bauern durch die Stadt und verliehen ihrem Unmut Ausdruck. Dann begannen sie, sich militärisch zu organisieren. Rund 800 bewaffnete Landwehrbauern versammelten sich in Ohrenbach und Brettheim und vereinigten sich mit Bauern aus benachbarten Gebieten zum „Tauberhaufen“.
Anfang Mai 1525 trafen die fränkischen Bauernheere mit rund 15.000 Mann vor Würzburg zusammen, um die bischöfliche Festung Marienberg zu erobern. Erfolglose blutige Schlachten beendeten den fränkischen Bauernkrieg. So beschreibt dies Dr. Richard Schmitt in der Broschüre „Renaissance und Bauernkrieg in Rothenburg ob der Tauber“.
Die Bauern hatten keine Chance gegen die Übermacht der kampferprobten Heere, deren Schwerter und Kanonen. Dazu verweist der Tourismus-Service auf die Sonderausstellung „Die Waffen einer Reichsstadt“, die noch bis Ende des Jahres im RothenburgMuseum zu sehen ist. Sie mache die „militärische Unterlegenheit der Bauern spür- und nachvollziehbar“.
Für das Thema Demokratie sind die im März 1525 in der Reichsstadt Memmingen proklamierten zwölf Artikel der Bauern von besonderer Bedeutung. Die Versammlung dort gilt als das erste deutsche Volksparlament, ihre zwölf Artikel werden als die ersten schriftlich ausformulierten Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten angesehen.
Den Titel Bauernkrieg erhielten diese Ereignisse erst später. Im 16. Jahrhundert war vielmehr – wie beispielsweise beim Rothenburger Chronisten Thomas Zweifel – vom „bewrischen Uffrur“ die Rede. „Uffrur!... on the road“ heißt daran angelehnt ein Spektakel zeitgenössischer Schauspielkunst, das am 28. Juni auf den Marktplatz kommt.
Ein mobiles Veranstaltungsteam der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg will die Ereignisse von damals zum Leben erwecken und das Publikum in die Zeit des Bauernkrieges eintauchen lassen. Im Juli ist dann ein Erzähltheater vor Tilman Riemenschneiders Blutaltar in der St.-Jakobs-Kirche geplant. Riemenschneider gehörte dem Würzburger Ratskollegium an, das im Frühjahr 1525 mit der „Sache des gemeinen Mannes“ sympathisierte. Er wurde verhaftet und eingekerkert. Markus Grimm will diese Ereignisse in einer szenischen Aufführung darstellen.
Auch bei den Reichsstadttagen im September sind Sonderszenen zum Bauernkrieg eingeplant. Außerdem wurden dem Tourismus-Service zufolge zwei spezielle Stadtführungen – einmal zur Historie des Bauernkriegs, einmal zu Reformation und Renaissance – extra für das Gedenkjahr zusammengestellt.