Weiberfasching – ein Tag, an dem viele laut und bunt feiern. Im Onoldiasaal ging es am Donnerstag nicht ganz so ausgelassen zu: Der Landfrauentag des Kreisverbandes Ansbach stand unter dem Thema „Ist unsere Demokratie gefährdet?”. Zwischen Grußworten, Vortrag und Modenschau mussten zwei Krawatten aber doch dran glauben.
Ein „schwieriges Thema an einem lustigen Tag”, stellte auch Referentin Claudia Bockholt fest. Sie ist Chefredakteurin des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblattes, das wohl für die meisten Anwesenden im vollen Saal zur Pflichtlektüre am Wochenende gehört.
Bockholt ging den Vortrag in ihrer Journalistenrolle an. Sie stellte „Mosaikstücke“ vor, ließ das Publikum teilhaben an ihrer Recherche. Was macht Demokratie aus? Bockholt arbeitete eine Checkliste ab. Freie Wahlen – die haben wir. Bei der Meinungsfreiheit sind sich schon nicht mehr alle einig. Die Rednerin zeigte eine Studie, deren Zahlen sie selbst erschrecken, räumte sie ein. Nur 46 Prozent der Befragten waren 2025 der Ansicht, man könne seine politische Meinung frei äußern. Auch auf die Themen Gleichheit und Gerechtigkeit ging Bockholt ein.
Die Chefredakteurin verknüpfte die Fakten und Studien mit Erfahrungen und Beobachtungen aus ihren 35 Jahren Berufserfahrung. Mit Blick auf die Demokratie sprach sie von einer „Vertrauenskrise“, die auch durch negative Aspekte wie die langwierigen Prozesse befeuert werde.
Auch auf die Rolle der Medien ging sie ein. Früher sei die Tagesschau „das Wort Gottes” gewesen, heute vertrauen viele Menschen nicht einmal mehr den etablierten Medien. Zu den sozialen Medien sagte sie klar: Die Kommentarspalten seien kein Stimmungsbild der Gesellschaft. Nur ein kleiner Anteil an Nutzenden sei für die Hälfte der Kommentare verantwortlich.
Bockholt betonte, wie wichtig es sei, im Gespräch zu bleiben, einander zuzuhören und wieder mehr Vertrauen aufzubauen. Sie forderte dazu auf, sich zu engagieren und sich nicht vom Staat „pampern“ zu lassen. Mit Blick auf die Kommunalwahl wandte sie sich mit einem klaren Statement an die Landfrauen: „Liebe Damen, wählt Frauen. Macht die Frauen stark, die Männer sind es eh schon.”
Den Rahmen des Landfrauentags bildeten Liedvorträge des Landfrauenchores, Kaffee und reichlich selbst gebackener Kuchen und Torten. Kreis- und Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer begrüßte zu Beginn alle Ehrengäste aus Politik, Verbänden und Behörden.
Sie leitete über zum Thema des Tages und fasste die großen Herausforderungen der Zeit zusammen. Populismus, Extremismus und die Macht der sozialen Medien und Falschnachrichten zählte sie unter anderem auf. Demokratie sei manchmal anstrengend, aber sie biete mehr Möglichkeiten als jede andere Staatsform, betonte Reitelshöfer.
Bei einem moderierten Grußwort kamen auf die Bühne: Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner, Landrat Dr. Jürgen Ludwig, die Tauberzeller Weinprinzessin Maren Pflüger, die ehemalige EU-Abgeordnete Marlene Mortler, Kreis- und Bezirksrat Herbert Lindörfer, Bundestagsabgeordneter Artur Auernhammer sowie Kreisobmann Reinhold Meyer.
Reitelshöfer erkundigte sich nach den liebsten Faschingskostümen (zwischen „Indianer”, Cowboy, Amor und Römer) sowie den Gedanken zur Demokratie. Als „die beste Staatsform” bezeichnete der Landrat sie. Man dürfe nie aufhören, miteinander zu reden, betonten mehrere Personen. Auch Dinge zu erklären gehöre dazu, betonte OB Deffner.
Dann rief Reitelshöfer die Männer mit Krawatte auf die Bühne, denn es waren bei weitem nicht nur Landfrauen im Saal. Die Grußwortredner trugen keine – weise Voraussicht oder wurden sie schon vorher durchtrennt? Zwei Männer wagten sich dann doch nach vorn. Schnipp, schnapp: Unter Lachen des Publikums kürzte Reitelshöfer die Krawatten.
Nach dem Vortrag der Hauptrednerin Bockholt überreichte Kreisbäuerin Reitelshöfer ihr Blumen und ein Kochbuch als Dank. Anschließend präsentierten Landfrauen und -männer, darunter auch Reitelshöfer und Reinhold Meyer, die Mode der Saison. Nina Rühl vom Modehaus Rühl aus Windsbach moderierte die Schau.