Sigmund Pröbstel (Name geändert) ärgert sich. Fast jeden Tag wird nach seiner eigenen Aussage inzwischen seine große Photovoltaikanlage im Raum Feuchtwangen abgeregelt, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht. Die N-Ergie-Netzgesellschaft bestätigte die Probleme auf FLZ-Anfrage und will das Netz ausbauen.
Seit Beginn des Jahres 2024 seien die Abschaltungen fast täglich erfolgt, berichtet der Betreiber. Zwar gibt es für die Abregelung eine Entschädigung, aber der Teufel steckt hier im Detail: Entscheidend für die Höhe dieser Ausgleichszahlung ist beim Pauschalverfahren der eingespeiste Wert der letzten Viertelstunde vor der Abschaltung. Früher seien die Anlagen erst gegen Mittag abgekoppelt worden – zu einer Tageszeit also, in der viel Strom erzeugt wird.
Nun werde häufig schon am Morgen abgeregelt. Die Entschädigung ist dann niedriger, weil zu dieser Zeit noch wenig Strom von der Sonne hergestellt wird. Allerdings werden auch weitere Faktoren berücksichtigt, so dass der Verlust nicht ganz so hoch wie befürchtet ausfällt.
Die N-Ergie Netz Gmbh bestätigte auf Anfrage der FLZ, dass die Anlagen „tendenziell in größeren Zeiträumen abgeregelt“ werden, teilte Pressesprecherin Silke Weiß mit. Das Nürnberger Unternehmen erwartet demnach, dass die Abregelungen künftig noch zunehmen werden.
Drei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Der Erzeugungsmix aus erneuerbaren Energien passt nicht zum zeitgleichen Verbrauch im Netzgebiet. Vereinfacht gesprochen: Wenn am Wochenende die Sonne scheint, wird viel Strom erzeugt, den niemand braucht. Erschwerend kommt laut N-Ergie hinzu, dass der Stromverbrauch in Deutschland und in der Region „entgegen allen politischen Aussagen und Prognosen eben nicht steigt“, sondern seit mehreren Jahren sinkt, so Silke Weiß.
Das Netz werde parallel „in hoher Geschwindigkeit“ mit Investitionen von 1,3 Milliarden Euro bis 2030 ausgebaut, was aber die grundsätzliche Situation nicht lösen werde. An manchen Tagen würden schon die auf Dächern installierten kleinen PV-Anlagen mehr Strom erzeugen, als von den knapp 1,5 Millionen Menschen und 46.000 Unternehmen im Netzgebiet der N-Ergie nachgefragt wird.
Ein Teil des Überschusses kann in das von der Firma TenneT betriebene Übertragungsnetz abtransportiert werden. Aber auch die Kupplungen mit diesem Netz müssen ausgebaut werden, damit der überschüssige Strom in anderen Regionen Europas verbraucht werden kann.
Wegen der Engpässe im Stromnetz und fehlender Speichermöglichkeiten muss ein Teil der Anlagen abgeregelt werden. Betroffen sind unter anderem Anlagen mit einer installierten Leistung von über 100 kW, die am „Redispatch-Prozess“ teilnehmen. Die Entschädigung für deren Betreiber wird auf die Netzkosten umgelegt und muss von allen Stromverbrauchern bezahlt werden.
Die Zahl der Eingriffe, um die Versorgungssicherheit im Stromnetz nicht zu gefährden, steigt nach den Worten der N-Ergie in den letzten Jahren deutlich an. Dennoch könnten derzeit 95 Prozent der erzeugten Energie in das Stromnetz der N-Ergie eingespeist werden. Insgesamt sei die Energiewende viel weiter fortgeschritten als in anderen Teilen Deutschlands. Der Haken ist nur, dass weder das Netz noch die Nachfrage mithalten.
Ein Ausbau bis zur Einspeisung der „letzten Kilowattstunde“ der erneuerbaren Energien sei „niemals“ möglich, weil er laut N-Ergie unbezahlbar wäre. Die teilweise Abregelung von Windkraft und Solaranlagen werde das „dauerhafte Normal“. „Es ist dann eine rein politische Entscheidung, welche gesellschaftliche Gruppe die Folgekosten hieraus trägt“, schreibt Pressesprecherin Weiß.
Statt einem weiteren Ausbau der Solarstromerzeugung hält man bei der N-Ergie einen „besseren Mix aus Photovoltaik, Windkraft und Speichern“ für energie- und volkswirtschaftlich deutlich sinnvoller. Würde man die Erzeugung und den Verbrauch weitgehend in Übereinstimmung bringen, könnte der erwartete Anstieg der Folgekosten für die Verbraucher zumindest abgemildert werden.
Ein weiteres Ärgernis ist aus der Sicht von Sigmund Pröbstel, dem Anlagenbetreiber aus dem Raum Feuchtwangen, dass nach seiner Beobachtung größere Solaranlagen von Stadtwerken nicht von den Abschaltungen betroffen seien. Die N-Ergie antwortet dazu, dass sie sich nach den gesetzlichen Bestimmungen richte. Es sei jedoch richtig, dass erneuerbare Erzeugungsanlagen ab 100 kW in den Netzgebieten kleinerer Stadtwerke bisher kaum von Abregelungen betroffen gewesen seien, da die Engpässe vorrangig im 100-kV-Netz aufträten. Diese Netzebene werde jedoch von kleineren Netzbetreibern nicht betrieben.
Künftig werde und müsse es aber auch Abregelungen im Netzgebiet kleinerer Betreiber geben. Dazu sei man im Gespräch mit den „nachgelagerten Netzbetreibern“, also den Stadtwerken.