Schwedische Botschafterin Veronika Wand-Danielsson kommt nach Dinkelsbühl | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.07.2025 17:57

Schwedische Botschafterin Veronika Wand-Danielsson kommt nach Dinkelsbühl

Im Dinkelsbühler Neubaugebiet Gaisfeld ist ein Weg dem schwedischen Konsul Sven Helander gewidmet. Seine Enkelin ist heute Botschafterin in Berlin und besucht am Sonntag, 20. Juli, die Kinderzeche. (Foto: Martina Haas)
Im Dinkelsbühler Neubaugebiet Gaisfeld ist ein Weg dem schwedischen Konsul Sven Helander gewidmet. Seine Enkelin ist heute Botschafterin in Berlin und besucht am Sonntag, 20. Juli, die Kinderzeche. (Foto: Martina Haas)
Im Dinkelsbühler Neubaugebiet Gaisfeld ist ein Weg dem schwedischen Konsul Sven Helander gewidmet. Seine Enkelin ist heute Botschafterin in Berlin und besucht am Sonntag, 20. Juli, die Kinderzeche. (Foto: Martina Haas)

Die Botschafterin Schwedens in Deutschland wird am Sonntag, 20. Juli, zur Kinderzeche erwartet. Das hat die Verwaltung lange geplant. Dass Veronika Wand-Danielsson eine Enkelin Sven Helanders ist, ist aber eine glückliche Fügung. Ihr Großvater hatte dafür gesorgt, dass sich Dinkelsbühl am Ende des Zweiten Weltkriegs kampflos ergab.

Schon seit dem Schwedenjahr 1982 hat sich die Stadt Dinkelsbühl bemüht, offizielle Abordnungen aus dem nordischen Land zur Kinderzeche einzuladen, erinnert Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer im Pressegespräch zum Besuch der Botschafterin. Versuche, die aus Deutschland stammende schwedische Königin Silvia für einen Besuch zu gewinnen, hätten ebenso wenig gefruchtet wie die immer wiederkehrenden Einladungen an das diplomatische Personal Schwedens in Deutschland.

Verhandlungsgeschick an den Tag gelegt

Diese Beharrlichkeit der Dinkelsbühler Stadtverwaltung beruhe auf dem Wunsch, den Schwedinnen und Schweden vor Augen zu führen, wie eng ihre Geschichte mit der Dinkelsbühler verknüpft sei, so Hammer. Deshalb sei die Freude groß gewesen, als aus der Botschaft in Berlin die Zusage Veronika Wand-Danielsson eingegangen sei. Erwartet wird sie am ersten Kinderzechsonntag, 20. Juli.

Dinkelsbühls Schicksal ist mit schwedischen Persönlichkeiten tatsächlich eng verwoben. Belagerten im Dreißigjährigen Krieg die Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolf die Stadt, so war es kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs ein schwedischer Konsul, der mit seinem Verhandlungsgeschick offenbar die einrückende amerikanische Armee davon abhielt, das bis dahin unversehrte mittelalterliche Städtchen in Schutt und Asche zu legen. Sein Name: Sven Helander.

Ein Mahnmal gegen den Krieg

In den letzten Kriegsnächten 1945 flogen auch über Dinkelsbühl die Bomber, allerdings ohne ihre verheerende Fracht abzuwerfen. Am Ostchor des Münsters, so erinnern sich Zeitzeugen, habe zwar der Beschuss von amerikanischen Tieffliegern manche Wunde hinterlassen, die in der Zwischenzeit beseitigt wurde. Noch heute sichtbar ist aber der Krater, den eine Granate in den Torbogen des Frauenportals auf der Nordseite riss. Als Mahnmal gegen den Krieg wurde dieser Schaden so belassen, lediglich durch ein Holzdach geschützt. Vermutlich verursachte ein Geschoss aus einer Panzerkanone der von Norden aus Lehengütingen her nahenden amerikanischen Kolonne dieses Einschussloch.

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Die Übergabe der Stadt am 20. April 1945 an die Amerikaner ging kampflos vor sich, was vor allem dem Konsul Sven Helander zugeschrieben wird. Seine damals 15-jährige Tochter erinnerte sich in ihren 1985 verfassten Memoiren, dass ihr Vater über die durch Sprengung beschädigte Wörnitzbrücke den Amerikanern entgegengegangen sei und den amerikanischen Offizier bewegt habe, Dinkelsbühl zu verschonen.

Es gab eine Kontroverse

Sven Helander - 1889 in Göteborg geboren, 1970 in Stockholm gestorben - war 1944 mit seiner Familie aus Nürnberg nach Dinkelsbühl geflüchtet. Seine Geschichte war bereits 1958 vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ aufgegriffen worden: „Als nach der Besetzung durch die Amerikaner deutsche Artillerie vereinzelte Schüsse auf die Stadt abgab, beruhigte der des Englischen mächtige schwedische Konsul die Amerikaner offenbar und vereinbarte mit ihnen als Parlamentär und Dolmetscher die Übergabebedingungen für die kampflose Kapitulation“, schrieb in seiner Ausgabe vom 18. September 1958 das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Anlass war ein Streit, der in Dinkelsbühl darüber entbrannt war, wer die Stadt am 20. April 1945 wirklich gerettet hatte. In den Mauern der Stadt hatte sich nämlich eine Art „Historikerstreit“ darüber entwickelt, wer denn nun der tatsächliche Retter Dinkelsbühls gewesen sei.

Weiße Bettlaken in den Fenstern

Diese Kontroverse spielt heute keine Rolle mehr. Sven Helander hat in Dinkelsbühl seinen festen Platz in der Stadtgeschichte erhalten. Nach ihm ist ein Preis benannt, den der Verein Pro Jugend vergibt. Und auch eine Straße im Neubaugebiet Gaisfeld wurde dem Schweden gewidmet, der die Dinkelsbühler dazu gebracht hatte, vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen weiße Bettlaken aus den Fenstern zu hängen.

Viel weiß man über die Person Helanders allerdings nicht, so Maximilian Mattausch, der Sprecher des Kinderzech-Vorstands und früherer Stadtarchivar. Nur soviel, dass der Konsul über der Apotheke zum Adler am Ledermarkt gewohnt haben soll. Und ebend die Erzählung seiner Tochter in der Publikation „Alt Dinkelsbühl”. „Deshalb hoffen wir, von seiner Enkelin, der schwedischen Botschafterin, ein bisschen mehr zu erfahren.”

„Ohne die Bausubstanz könnten wir die Kinderzeche gar nicht so feiern”, würdigt Mattausch den Einsatz Helanders für eine friedliche Kapitulation. Auch am Ende des Zweiten Weltkriegs habe sich also durch eine glückliche Fügung das Schicksal Dinkelsbühls zum Positiven entschieden.

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