Schlussabrechnung für die neue Kläranlage in Sugenheim wirft Fragen auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.10.2025 10:37

Schlussabrechnung für die neue Kläranlage in Sugenheim wirft Fragen auf

Die neue Sugenheimer Kläranlage ist schon seit geraumer Zeit fertig, die Schlussrechnung dafür bekommen die Bürgerinnen und Bürger nun ins Haus. (Foto: Andreas Reum)
Die neue Sugenheimer Kläranlage ist schon seit geraumer Zeit fertig, die Schlussrechnung dafür bekommen die Bürgerinnen und Bürger nun ins Haus. (Foto: Andreas Reum)
Die neue Sugenheimer Kläranlage ist schon seit geraumer Zeit fertig, die Schlussrechnung dafür bekommen die Bürgerinnen und Bürger nun ins Haus. (Foto: Andreas Reum)

Lange haben die Sugenheimer auf ihre Schlussrate für die neue Kläranlage und die dazugehörigen Pumpleitungen aus fast allen Ortsteilen (Fertigstellung Mai 2024) warten müssen. Jetzt waren die Briefe in der Post und es gibt Fragen, die das Begleitschreiben zur Rechnung beantwortet.

Und zwar wie folgt: „Bei der nun vorliegenden endgültigen Kalkulation hat sich gezeigt, dass bestimmte Kosten bei der ersten Kostenhochrechnung im Jahr 2020 nicht berücksichtigt worden sind und deshalb nicht in den bereits geleisteten zwei Vorauszahlungen vom November 2020 und August 2022 enthalten waren.“

Auf Nachfrage erklärt die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Scheinfeld, dass zunächst die Planungskosten des Ingenieur-Büros, das das Großprojekt begleitet hat, nicht einkalkuliert worden seien. Das ergab jetzt eine Steigerung von durchschnittlich 30 Prozent im Vergleich zu den zunächst veranschlagten Kosten, sagt Bürgermeister Anton Schiefer.

Planungskosten bei Kalkulation vergessen

Wie es passieren konnte, dass die Planung zunächst nicht mitberechnet wurde, das sei nach so langer Zeit nicht mehr herauszufinden, meint Schiefer. Die Schlussabrechnung habe jetzt ergeben, dass sich die reinen Baukosten nur um 4,8 Prozent verteuert haben. Dass Baukosten nicht auf den Cent genau vorab kalkuliert werden können, sei völlig normal, sagt Uwe Härtfelder, dessen Ingenieurbüro die Kläranlagen-Modernisierung begleitete.

Planungsbeginn war 2019. Im Jahr 2020 zahlten die Bürger den ersten Verbesserungsbeitrag – das waren 65 Prozent der veranschlagten Kosten. 2022 war die zweite Rate fällig: Dafür hatte man sich im Gemeinderat auf 25 Prozent der kalkulierten Kosten geeinigt. Die verbleibenden zehn Prozent der Schlussrate fallen nun aber höher aus. Denn in die tatsächlichen Gesamtkosten mussten noch Planungskosten eingerechnet werden, die bei den ersten beiden Raten unberücksichtigt blieben.

Gesamtinvestition beläuft sich auf 10,4 Millionen Euro

Bürgermeister Schiefer erklärt sich das lange Rätseln und Warten auf die Schlussrate mit einem Personalwechsel in der Verwaltungsgemeinschaft. In Kämmerei und Liegenschaftsabteilung wurde lange gesucht, bis der Fehler gefunden wurde, sagte Schiefer. Er selbst war noch nicht im Amt, als die erste Aufschlüsselung der Kosten vorlag. Der damals amtierende Bürgermeister Reinhold Klein sagte, dass er nicht verstehen könne, wieso dieser Posten übersehen wurde, und sieht eher die VG in der Verantwortung.

Felix Hülsenbeck von der VG Scheinfeld betont, dass die Bürger wegen des Fehlers grundsätzlich nicht mehr Geld auf den Tisch legen müssen. Dass die Gemeinde Sugenheim einen Nachteil hatte, weil die Rechnungen beglichen wurden, der Verbesserungsbeitrag aber noch nicht auf dem Konto war, also Geld vorgestreckt werden musste, bestreiten Hülsenbeck und Bürgermeister.

Rund 4,3 Millionen Euro müssen umgelegt werden

Da es sich bei der Abwasseranlage um eine kostendeckende Einrichtung handelt, bleibt der Gemeinde nichts anderes übrig, als die Kosten für diese Anlage über Beiträge und Gebühren wieder hereinzuholen. Von den 10,4 Millionen Euro Gesamtinvestition müssen (nach Abzug der staatlichen Förderung und des Straßenentwässerungsanteils) rund 4,3 Millionen Euro auf die Bürgerinnen und Bürger umgelegt werden. 2020, bei der ersten Kalkulation war man von Gesamtkosten für Kläranlage und Leitungen in Höhe von knapp 7,6 Millionen ausgegangen, wovon „nur” gut drei Millionen Euro umgelegt werden sollten. Bau und Anschluss der neuen Kläranlage betreffen fast alle Sugenheimer Ortsteile bis auf Dutzenthal und Rüdern.

Auf der Homepage der Gemeinde Sugenheim findet man unter der Rubrik Satzungen und Ordnungen den aktuellen Preis pro Quadratmeter Grundstück beziehungsweise Geschossfläche. Fürs Grundstück sind pro Quadratmeter 84 Cent berechnet, für die Geschossfläche sind es 9,42 Euro. Beide Werte liegen in etwa ein Drittel höher als es 2020 festgesetzt worden war.

Was sagt das Planungsbüro?

    Uwe Härtfelder, der ein Planungsbüro in Feuchtwangen und Bad Windsheim betreibt und 30 Jahre Berufserfahrung hat, betont, dass die Marktgemeinde Sugenheim bei dem von ihm begleiteten Kläranlagenbau alles richtig gemacht habe.
    Der vormalige Bürgermeister Reinhold Klein habe frühzeitig verstanden, dass Sugenheim aufgrund der Gewässerschutz-Vorschriften um den Ausbau der Kläranlage nicht herumkommt und beherzt gehandelt. Härtfelder spricht von anderen Gemeinden, die jetzt erst anfangen, ihre Abwasseranlagen zu ertüchtigen und wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssen.
    Zu den Preissteigerungen – die Kosten haben sich laut Härtfelder verdreifacht – hat der Ingenieur seine eigene Meinung: Die Bürokratie verschlinge Zeit und Geld und schrecke zudem junge Leute davon ab, den Beruf des Bauingenieurs zu wählen. Die Hochschule in Triesdorf beispielsweise habe den Studiengang für Bauingenieure geschlossen. Härtfelder spricht von Nachwuchssorgen in seiner Branche.
    Preistreiber seien weder sein Büro noch die Baufirmen. Vielmehr leide er mit den Kommunen, wenn die Kalkulation der voraussichtlichen Kosten dazu führt, dass die Gemeinden zurückschrecken, weil sie sich die gesetzlich vorgeschriebene Baumaßnahme nicht leisten können.
    Auch die Baufirmen profitierten nicht von den hohen Preisen, meinte Härtfelder. Diese geben seiner Beobachtung nach sogar Angebote ab, die wirtschaftlich kaum zu vertreten sind. Die Profiteure seien aktuell die wenigen Anbieter von Rohstoffen oder die Hersteller von Bauteilen (Kunststoffrohre, Pumpen etc.). Diese könnten die Preise bestimmen. Härtfelder sprach von Oligopolen und appellierte an die Bundesregierung, die Volkswirtschaft in Ordnung zu bringen.
    jm


    Von JUDITH MARSCHALL
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