Das Trautskirchener Pfarrhaus ist wieder bewohnt. Anfang September sind der neue Religionspädagoge Philipp Fiedler und seine Frau eingezogen. Als Nachfolger von Pfarrerin Gerhild Zeitner übernimmt der 31-Jährige die evangelische Kirchengemeinde Sankt Laurentius und wurde am vergangenen Sonntag im Rahmen eines Gottesdienstes eingesegnet.
Fiedlers Aufgaben sind die eines Pfarrers: Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand leitet er die Gemeinde, hält den Gottesdienst und predigt. Sobald er eine entsprechende Weiterbildung absolviert hat, darf er auch Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten durchführen. Pfarrer nennen darf er sich allerdings nicht, denn statt eines Theologiestudiums hat er Religionspädagogik studiert und im Anschluss kein Vikariat, sondern einen ebenfalls zweijährigen Vorbereitungsdienst durchlaufen. Diese und weitere alternative Wege in den Pfarrerberuf hat die evangelische Landeskirche geschaffen, da immer weniger junge Menschen Theologie studieren.
Für Philipp Fiedler ist Trautskirchen die erste Pfarrstelle, denn zu seiner Berufung kam er auf Umwegen. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein berufsbegleitendes Studium, das er als Bankbetriebswirt abschloss.
In der evangelischen Kirche fühlte er sich gleichzeitig immer zu Hause. Unter anderem betreute er christliche Zeltlager und war in der Jugendarbeit aktiv. „Mit Mitte 20 habe ich mir dann die Frage gestellt, welchen Weg ich in Zukunft gehen möchte“, erinnert sich Fiedler: „Möchte ich den Schritt wagen, meine Leidenschaft, den Menschen von Gott zu erzählen, zum Beruf zu machen?“ Schließlich dachte er sich, jetzt oder nie. Seine Wahl fiel auf das Religionspädagogik-Studium, da sich dies gut mit der Erwerbstätigkeit bei der Bank verbinden ließ. „Mein Ziel war aber von Anfang an der Pfarrdienst.“
Dort fühlt er sich jetzt beruflich und persönlich angekommen. „Mittlerweile stehe ich jeden Morgen mit Freude auf und freue mich auf alles, was kommt.“ Früher, bei der Bank, sei dies oft anders gewesen.
In den vergangenen Wochen hat Philipp Fiedler seine neue Gemeinde kennengelernt, mit vielen Menschen gesprochen und fühlt sich außergewöhnlich herzlich aufgenommen. Trautskirchen ist für ihn ein ganz besonderes Dorf. „Ich finde es bemerkenswert, wie stark hier der Zusammenhalt ist und wie viele Menschen aktiv etwas auf die Beine stellen, sei es in der Kirchengemeinde oder in den Vereinen.“ Dadurch sei das gesellschaftliche Leben sehr vielfältig, vor allem gemessen an der Einwohnerzahl. Auch der ländliche Raum ist dem 31-Jährigen, der in Gebsattel im Landkreis Ansbach aufgewachsen ist, bestens vertraut.
Da für die rund 900 Gläubigen nur eine halbe Pfarrstelle vorgesehen ist, pendelt Fiedler zwischen der Zenngemeinde und Rothenburg ob der Tauber. Dort hat er ebenfalls zum 1. September die Position als Bildungsmanager beim evangelischen Bildungswerk, dem Verein „Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch“, angetreten.
Als Ausgleich zur Arbeit treibt er viel Sport und hat während des Studiums eine eher ungewöhnliche Sportart für sich entdeckt: den historischen Schwertkampf. Kampfsport und Religion stehen für Fiedler nicht im Widerspruch. „In beiden Bereichen geht es darum, sich zu fokussieren.“
Auf seiner neuen Pfarrstelle möchte er die Menschen zusammenbringen und ihnen sein tiefes Gottvertrauen vermitteln. „Ich glaube daran, dass Gott für jeden von uns da ist und uns hilft, wenn wir uns an ihn wenden.“ Für seinen Einführungsgottesdienst wählte er daher Jesu bewegende Worte aus dem Matthäus-Evangelium „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans der Welt Ende“. Den Platz der Kirche sieht Fiedler mitten unter den Menschen. Als Pfarrperson möchte er Ansprechpartner in allen Lebenslagen und bei Problemen jeder Art sein. „Meine Tür steht immer offen!“ verspricht er.