Auf diese Nachrichten haben die Verantwortlichen gewartet: Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) hat grünes Licht für das Medizinische Versorgungszentrum in kommunaler Hand gegeben. Damit steht einem Start am 1. Februar 2025 nichts mehr im Weg.
„Eigentlich nicht“, antwortet Stefan Grün, Vorsitzender des Kommunalunternehmens „Gesundheitszentrum Neuendettelsau“, auf die Frage, ob er Zweifel hatte, dass es vom Zulassungsausschuss grünes Licht für das Medizinische Versorgungszentrums (MVZ) für die Hausärzteversorgung in kommunaler Hand geben wird. Zweifel gab es eher, ob der Ausschuss den Antrag noch in diesem Jahr behandeln wird. Trotzdem ist die Erleichterung laut Grün und Verwaltungskraft Nina Eberhardt sehr groß, dass das MVZ zum 1. Februar die Praxistüren öffnen kann.
Doch diese Zweifel sind jetzt ausgeräumt. Jetzt gilt es, die letzten Vorbereitungsmaßnahmen zu erledigen. So muss die Praxis noch eingerichtet werden, die Möbel und die Ausstattung wird derzeit angeliefert. „Wir starten auf dem neuesten Stand“, betont Dr. Benjamin Welte, der ärztliche Leiter des MVZ.
Auch ein erstes Teamtreffen hat es bereits geben. Zu diesem zählen neben Welte ein weiterer Arzt, vier medizinische Fachangestellte und Praxismanagerin Jérome Wäger. Geplant ist zudem, dass ab Mitte oder Ende 2025 auch Weiterbildungsassistenten eingestellt werden. Das ist aber erst möglich, wenn die Neuendettelsauer ein halbes Jahr Betrieb in dem MVZ nachweisen können, wie Grün berichtet.
Eine Besonderheit gibt es mit Blick auf Praxismanagerin Wäger. Denn sie ist ausgebildete Physician Assistent (PA), was sich mit Arztassistentin übersetzen lässt. Während dieser Beruf im Ausland schon zur Normalität gehört, ist er in Deutschland noch nicht so verbreitet – vor allem außerhalb von Kliniken. „Der PA nimmt die Zwischenstelle zwischen Arzt und medizinischer Fachangestellter ein“, erklärt Wäger. Sie soll einerseits den Arzt von Praxisaufgaben wie zum Beispiel Qualitätsmanagement oder Dokumentationen – Stichwort Bürokratie – entlasten. Andererseits soll der Arztassistent medizinische Aufgaben übernehmen.
Der PA „soll Patienten eigenständig betreuen können und kann alle Aufgaben des Arztes übernehmen“, ergänzt Benjamin Welte – von der Annahme über die Untersuchung und Diagnostik bis hin zum Behandlungsplan. Das alles erfolgt nach seinen Worten in enger Absprache mit dem Arzt. Unter dem Strich bedeutet diese Zusammenarbeit einen Mehrwert für die Patienten.
Gemäß den Ausführungen des ärztlichen Leiters wird der Einsatz von Arztassistenten aber auch immer mehr zur Notwendigkeit. „In Deutschland ist das noch sehr arztzentriert“, führt er weiter aus. „Wir müssen lernen, dass das nicht mehr funktionieren wird.“
Was Welte meint: Die Zahl der Mediziner schrumpft. „Die Vorstellung, dass plötzlich 50 Ärzte zusätzlich da sind, ist absolut unrealistisch. Wir brauchen neue Konzepte.“ Bei einem PA sei Kompetenz vorhanden, „die wir nutzen müssen“. Damit spielt er auf die Ausbildung solcher Menschen an. Im Fall von Praxismanagerin Wäger ist das eine dreijährige Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten und ein dreijähriges Studium, in dem es vor allem um medizinische Aspekte geht.
Den Einsatz von Arztassistenten kann für die Verantwortlichen in Neuendettelsau ein Baustein sein, um das Problem bei der Hausärzteversorgung zu lösen, wie Stefan Grün es ausdrückt. „Wir investieren gerne in Zukunftsoptionen.“ Deshalb will man auch versuchen, ein Modellprojekt ins Leben zu rufen, um diesen Beruf weiter zu verbreiten. Für Grün steht fest: „Für uns ist das eine enorme Qualitätssteigerung.“