Logistikzentrum in Ansbach: Mit Robo-Hunden steuert Hermes hier den Paketversand | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.08.2025 10:31

Logistikzentrum in Ansbach: Mit Robo-Hunden steuert Hermes hier den Paketversand

Mit dem Roboterhund Apollo testet Hermes die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in der Logistik. (Foto: Robert Maurer)
Mit dem Roboterhund Apollo testet Hermes die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in der Logistik. (Foto: Robert Maurer)
Mit dem Roboterhund Apollo testet Hermes die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz in der Logistik. (Foto: Robert Maurer)

Drei Klicks im Onlineshop und spätestens drei Tage danach liegt die Ware vor der Haustür. Egal, ob Pullover, CD oder Waschmaschine. Der Aufwand dahinter bleibt unbeachtet. Das Hermes-Logistikzentrum in Elpersdorf gewährte nun einen Einblick. Und dabei stellte sich auch der ganz besondere Standort-Hund Apollo vor.

Schon von außen wirkt das Logistikzentrum gigantisch. Auf dem 186.000 Quadratmeter großen Grundstück direkt neben der Autobahn stehen zwei mächtige Hallen. Von außen sieht man nicht viel mehr als die Ein- und Ausfahrten für die Lastwagen und die langen Betonwände. Es gibt in der Region viele Logistikzentren, doch Hermes kann mit besonderen Zahlen aufwarten. 92 Lkws und 268 Stellplätze für Container oder Wechselbrücken finden auf dem Gelände Platz.

Innen ist es karg. Regale, Regale, Regale. Fein säuberlich angeordnet. Meist gut zwölf Meter hoch. 54.000 Quadratmeter stehen für Lagerware in sechs Halleneinheiten zur Verfügung. Bis zu 50.000 Kubikmeter Volumen sind denkbar.

Alles, was groß und schwer ist

Spülmaschinen, Fernsehgeräte, Schränke. Der Standort ist spezialisiert auf alles, was groß ist. Die Logistikbranche spricht vom Zwei-Mann-Handling. Es sind zwei Menschen nötig, um sie einzulagern oder sie für den Versand zum Kunden fertig zu machen. Letztendlich geht es um alles, was schwerer als 31,5 Kilogramm ist.

Den Schwerpunkt bildet Weiße Ware, also Haushaltsgroßgeräte wie Kühlschränke, Herde oder Waschmaschinen. Der Begriff hat sich bereits in den 1950er Jahren eingebürgert, weil die Geräte damals ein Gehäuse hatten, das weiß emailliert war.

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80 Prozent des Lagerbestands in Ansbach-Elpersdorf macht die Weiße Ware aus, schätzt Volker Weidemann. Er ist Standortleiter für den Bereich Hermes Fulfilment (HF). 15 Prozent sind Möbel, der Rest große Fernsehgeräte.

Zwei Firmen von Hermes unter einem Dach

Das Logistikzentrum besteht aus zwei eigenständigen Unternehmen, die aber Hand in Hand arbeiten. Neben den Lagerspezialisten vom Fulfilment gibt es auch noch den Hermes Einrichtungsservice (HES). Robert Schwoob ist hierfür verantwortlich. Er und seine Leute sorgen vereinfacht gesagt dafür, dass die bestellte Ware dorthin kommt, wo sie hin soll. HF arbeitet ausschließlich für die Otto-Gruppe. Dazu gehören neben Otto selbst beispielsweise auch Baur oder Heine. HES hingegen ist auch für andere Kunden tätig und liefert beispielsweise auch Bestellungen von Media-Markt aus.

Das Lager ist klar strukturiert. Waschmaschinen von Bauknecht, Kühlschränke von Gorenje, Fernseher von Sharp. Die pure Menge erschlägt einen als Besucher förmlich. Und immer wieder flitzen zwischen den Gängen gezielt die Staplerfahrer umher, packen mit ihren Klemmen das Gerät, das sie brauchen und liefern es an einem Abstellplatz ab. Dort sind andere Kollegen damit beschäftigt, die Geräte auf Paletten zu verstauen.

Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspüler, Wäschetrockner: Haier stapelt in Ansbach-Brodswinden Elektrogroßgeräte aller Art. Die Bedingungen sind optimal, weil das Lager hoch genug ist, damit auch die Sprinkleranlage noch funktioniert. (Foto: Robert Maurer)
Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspüler, Wäschetrockner: Haier stapelt in Ansbach-Brodswinden Elektrogroßgeräte aller Art. Die Bedingungen sind optimal, weil das Lager hoch genug ist, damit auch die Sprinkleranlage noch funktioniert. (Foto: Robert Maurer)

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Von Ansbach aus in 60 Lieferdepots

Über einen Korridor ist das Lager mit der 15.000 Quadratmeter großen Hauptumschlagbasis von HES verbunden. Hier gibt es allein 24 Wareneingangs- und 84 Warenausgangstore. Dort können die Auflieger direkt andocken und be- oder entladen werden. Im Warenlager gibt es übrigens 47 weitere solcher Tore für die Anlieferung. Von Ansbach aus wird die Ware in der Regel zu einem von 60 Lieferdepots gebracht, von dort aus geht es dann weiter zum Endkunden.

Nochmal zurück ins Warenlager. „Wir legen großen Wert auf Qualität“, sagt Weidemann und öffnet die Tür zum hauseigenen Testcenter. Stichprobenartig überprüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier, ob der Fernseher auch wirklich ein scharfes Bild liefert oder die Waschmaschine wirklich sauber wäscht. Es gibt allein 20 Anschlussmöglichkeiten für Wasch- oder Spülmaschinen zu diesem Zweck. Reklamationen sind allerdings selten, sagt Weidemann.

Nur ein weiterer Standort in Deutschland

Zwei solcher Logistikzentren für das Zwei-Mann-Handling betreibt Hermes. Neben jenem in Ansbach noch ein weiteres in Löhne in Nordrhein-Westfalen, ebenfalls eine Stadt mit rund 40.000 Einwohnern. Löhne ist etwas größer. Dort werden auch Retouren abgewickelt.

„Das hätten wir uns auch in Ansbach vorstellen können“, sagt Weidemann. „Doch dafür reicht der Platz nicht.“ Als die Stadt den Gewerbepark-West in Elpersdorf in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre plante und bekannt wurde, dass von den insgesamt 32 Hektar Fläche weit mehr als die Hälfte an ein einziges Logistikunternehmen verkauft werden sollte, waren davon nicht alle begeistert.

Weidemann erinnert sich noch gut an die „konstruktiven Verhandlungen“ mit der damaligen Oberbürgermeisterin Carda Seidel. Die anfänglichen Probleme, dass Navis nicht wussten, wo der Dr.-Zumach-Ring ist und die Lkw-Fahrer nach Hennenbach lotsten, sind lange Geschichte. Eine Karikatur aus der FLZ, die das veralberte, hängt aber bis heute in Postergröße im Bürobereich des Logistikzentrums.

„Wir fühlen uns hier sehr wohl“, betont Weidemann. Die Nähe zur Autobahn ist aus seiner Sicht ein absoluter Pluspunkt. So entsteht in der Stadt durch das Logistikzentrum kaum zusätzlicher Lkw-Verkehr.

Der Start für Hermes war äußerst anspruchsvoll

Spatenstich war im Oktober 2018. 24.000 Kubikmeter Beton wurden gegossen, 2100 Tonnen Stahl verarbeitet sowie 95 Kilometer Rohrleitungen und 220 Kilometer Strom- und Datenkabel verlegt, informierte Hermes bei der Eröffnung 2020. 90 Millionen Euro wurden damals investiert. Die Eröffnung eineinhalb Jahre später lief schon unter Extrem-Bedingungen. Die Corona-Pandemie hatte Deutschland in den Würgegriff genommen. Die Geschäfte waren zu, die Online-Bestellzahlen schossen nach oben.

Vom ersten Tag an lief das Logistikzentrum unter Volllast. „Wir hatten anfangs eine Übersteuerung von 350 Prozent“, blickt Weidemann zurück. „Wir haben die Regale gar nicht voll gekriegt.“ Ware, die reinkam, musste auch gleich wieder raus.

Inzwischen hat sich das normalisiert. 5000 bis 6000 Pakete verlassen den Standort pro Tag. Bei Rabattaktionen wie dem „Black Friday“ oder der „Cyber Week“ können es auch doppelt so viele sein. Deshalb ist eine enge Abstimmung im Vorfeld wichtig, damit im Hermes-Logistikzentrum auch genug Personal bereitsteht.

Die Automation kommt auf vier Füßen

Hermes Fulfilment hat am Standort Ansbach etwa 120 Beschäftigte, der Einrichtungsservice liegt in der Regel bei etwa 110 Mitarbeitenden. Bei HES sind die Schwankungen etwas größer. Bei Rabattaktionen greift Schwoob auf Zeitarbeitsfirmen zurück, um aufzustocken. Etwa 30 Prozent sind im Schnitt Leiharbeiter. Zum Start des Logistikzentrums sprach Hermes noch von bis zu 400 Beschäftigten, die hier in Spitzenzeiten zumindest punktuell tätig sein sollen. Das wird wohl eher nicht mehr passieren. Denn die Automation schreitet voran.

Beim Rundgang gesellt sich plötzlich ein Roboterhund zur Journalistengruppe. Apollo haben ihn die Beschäftigten getauft. Es gibt noch einen zweiten mit dem Namen Asterix. „Der Anfangsbuchstabe A steht für Ansbach“, sagt Weidemann lächelnd.

Hermes arbeitet hier mit Boston Dynamics zusammen, dem wohl führenden Unternehmen weltweit für Robotikforschung und Entwicklung. Im Netz gibt es unzählige Videos von mensch- oder tierähnlichen Konstruktionen, die nicht nur Treppen steigen können, sondern auch Purzelbäume schlagen. In Elpersdorf ist Apollo eine Art Kontrolleur. Er läuft durch die Hallen und überprüft, ob die Laufwege und Sperrflächen frei sind oder versehentlich etwas abgestellt wurde.

Die Testphase in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) läuft seit etwa einem Jahr, sagt Weidemann. Die Ergebnisse sind positiv. „Wir werden noch deutlich mehr in KI investieren“, ist er überzeugt. Im kommenden Jahr sollen die ersten autonomen Stapler zum Einsatz kommen. „Wir können uns damit Wege sparen“, glaubt der HF-Leiter. Die Entfernungen in den Hallen sind wirklich enorm.

Neue Möglichkeiten durch KI tun sich auf

Ein Stellenabbau ist nach Ansicht des Standortleiters eher nicht zu erwarten. Zumindest nicht im großen Stil. „Alles kann man ohnehin nicht automatisieren.“ Aber natürlich spürt auch Hermes, dass es immer schwieriger wird, neue qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Da helfen dann auch Fitnessangebote, Gratis-Obst, Fahrradleasing oder ausreichend Parkplätze vor der Tür nicht mehr.

Otto ist schon jetzt der größte Möbel-Onlinehändler in Deutschland. Und der Bereich wächst weiter. KI kann somit dabei helfen, das Wachstum möglich zu machen. Fürs Erste setzt Hermes in Ansbach jedoch ab September auf einen Zweischicht-Betrieb, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Hermes und die Otto-Gruppe

Die Hermes-Firmengeschichte beginnt im Sommer 1972 als privater Paketdienstleister des Otto-Versands. Gut 30 Jahre später kam das Segment Möbel- und Großstücktransporte hinzu, für das der Hermes Einrichtungsservice als Joint Venture mit einer Spedition gegründet wurde.

In den Jahren von 2016 bis 2020 hat Hermes seine Standortstruktur in Deutschland umgebaut. Auch die Niederlassung in Ansbach-Elpersdorf fällt in diese Zeit. Im November 2020 übernahm Advent International 25 Prozent der Anteile an der Hermes Germany GmbH.

Zur Otto-Gruppe gehören neben dem Logistikunternehmen Hermes die Versandhäuser Otto, Baur, Heine und Bonprix, die Modehändler Lascana, Witt und About You sowie weitere Unternehmen wie die Hanseatic Bank, der amerikanische Möbelhändler Crate & Barrel oder auch Manufactum.

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