Eine „Olympische Wiesn“, vor allem aber kurze Wege und ein starker Fokus auf Nachhaltigkeit und Innovationskraft sollen die Münchner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele befeuern. „München ist weltweit einzigartig mit dem Erhalt des olympischen Erbes, der Erfahrung mit Großveranstaltungen, den standortbedingten Bedingungen, der internationalen Strahlkraft - und, und, und“, zählte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bei der Vorstellung des vertieften Bewerbungskonzeptes auf. Dazu komme ein enger Schulterschluss zwischen Stadt, Freistaat und anderen Akteuren.
Wuchern wolle man vor allem auch mit dem Pfund der kurzen Wege und kurzen Fahrzeiten, sagte der Leiter des Referats für Bildung und Sport, Florian Kraus. 90 Prozent aller Wettkampfstätten seien innerhalb von 30 Minuten vom olympischen Dorf erreichbar oder maximal 30 Kilometern entfernt.
Auch die Fußballerinnen und Fußballer sollen möglichst nicht mehr so weit fahren müssen und dadurch im olympischen Dorf wohnen können. Zusätzlich zu den Standorten Fröttmaning - wo die Allianz Arena des FC Bayern steht -, Nürnberg, Augsburg und Stuttgart könnten die Spiele im Grünwalder Stadion, im Olympiastadion und in Ingolstadt statt im gesamten süddeutschen Raum stattfinden. An der Messe sollen nach dem vertieften Konzept neben den Medien acht Sportarten inklusive Volleyball ihre Heimat finden. Dafür könnten Baseball und Softball im Olympiapark ausgerichtet werden. Squash wird im Areal um die alte Paketposthalle geplant.
Das Konzept enthält nunmehr nur noch drei temporär benötigte Hallen, für Handball, Volleyball und den Bahnradsport. Derzeit wird noch geprüft, ob das Velodrom wegen des dortigen Bundesstützpunkts als bleibendes Bauwerk in Nürnberg sinnvoll wäre. Auch Cricket könnte in die fränkische Stadt verlegt werden. Die Sportarten Lacrosse und Flag Football würden im Dantestadion oder einem anderen kleineren Stadion mit temporärer Erweiterung stattfinden.
Auch das Nachhaltigkeitskonzept soll Sympathien bringen. Es könnten die ersten „zirkulären Spiele“ werden, werben die Verantwortlichen. Damit sind nachhaltige und umweltfreundliche Spiele gemeint, von grüner Infrastruktur über klimaneutrale Materialien bis hin zu Zero-Waste-Konzepten.
Die Bewerbung wird dabei gezielt als Instrument genutzt, um zentrale Entwicklungsprojekte umzusetzen beziehungsweise zu beschleunigen. Ein gutes Dutzend solcher Projekte wurde wissenschaftlich untersucht; demnach würden die Spiele einen erheblichen Mehrwert generieren.
Für die Spiele selbst rechnen die Verantwortlichen aktuell mit Kosten von knapp fünf Milliarden Euro, die aller Voraussicht nach komplett refinanziert würden. Dazu soll auch der Verkauf von nunmehr 12,5 Millionen Tickets beitragen.
Die bayerische Wirtschaft hat derweil ihre Unterstützung bekräftigt. In einem am Freitag überreichten Memorandum betonten der Industrie- und Handelskammertag, die Handwerkskammern und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft: „Es geht um mehr als nur um Sportwettkämpfe, es geht um Leistungsbereitschaft, um den Willen, gemeinsam ein Ziel zu erreichen und um einen nachhaltigen Beitrag zur wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und internationalen Entwicklung.“
Das vertiefte Bewerbungskonzept soll dem Stadtrat nächsten Mittwoch zur Zustimmung vorgelegt werden. Die Einreichung der abschließenden Bewerbungsunterlagen beim Deutschen Olympischen Sportbund muss dann bis Anfang Juni erfolgen. Dieser will im September entscheiden, mit welchem Konzept Deutschland ins internationale Rennen für die Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 geht. Neben München bewerben sich noch Hamburg, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region um die Spiele.
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