Der Heilsbronner Richard Knab war beim Terroranschlag 1972 in München im Einsatz | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.12.2025 20:00

Der Heilsbronner Richard Knab war beim Terroranschlag 1972 in München im Einsatz

Über viele Jahre hat Richard Knab als Krankenpfleger im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ansbacher Krankenhauses schlimme Verletzungen versorgt.  (Foto: Martin Knab )
Über viele Jahre hat Richard Knab als Krankenpfleger im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ansbacher Krankenhauses schlimme Verletzungen versorgt. (Foto: Martin Knab )
Über viele Jahre hat Richard Knab als Krankenpfleger im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ansbacher Krankenhauses schlimme Verletzungen versorgt. (Foto: Martin Knab )

Richard Knab (80) hat seinen Führerschein freiwillig abgegeben. Bei seinen vielen Einsätzen im Rettungsdienst und in der Notaufnahme des Ansbacher Krankenhauses hat der Krankenpfleger schwere Verletzungen von Verkehrsopfern versorgt. Der Heilsbronner gehörte auch zu den Einsatzkräften bei Olympia 1972 in München nach dem Terroranschlag.

An den 5. September 1972 in München kann sich Richard Knab noch gut erinnern. In den frühen Morgenstunden kam über die Rettungsleitstelle die Meldung von einem „Notfalleinsatz” im olympischen Dorf. Richard Knab und sein Kamerad fuhren mit dem Rettungswagen auf dem schnellsten Weg an den Einsatzort. Sie kannten sich aus und waren gut eingewiesen.

Sie hatten mit anderen freiwilligen Rot-Kreuz-Helfern schon eine Woche vor Beginn der Spiele Quartier in der Sophie-Scholl-Schule bezogen. Sie schliefen während ihres sechswöchigen Aufenthaltes auf Feldbetten in den Klassenzimmern, konnten sich im Gebäude duschen und wurden verköstigt.

Elf Sportler, ein Polizist und fünf Terroristen starben

Am olympischen Dorf angekommen, hielt die Polizei die Rot-Kreuz-Rettungswagenbesatzung am Eingang zurück. Die Helfer warteten dann mit Sicherheitsabstand über mehrere Stunden im Rettungswagen auf weitere Befehle und beobachteten, wie sich ein immer größeres Polizeiaufgebot formierte. „Erst nach und nach kristallisierte sich heraus, was passiert ist”, erzählt Richard Knab.

Palästinensische Terroristen hatten das israelische Quartier im olympischen Dorf überfallen und Sportler der Mannschaft als Geiseln genommen. Ein Ringer-Trainer und ein Gewichtheber versuchten zu fliehen und wurden erschossen.

Die Verhandlungen mit den Attentätern zogen sich bis in den Abend. Die Terroristen forderten freies Geleit und einen Flug in ein arabisches Land und die Freilassung der RAF-Mitglieder Andreas Baader und Ulrike Meinhof aus deutscher Haft. Auf dem Flugplatz bei Fürstenfeldbruck endete die Gewalttat nach einer gescheiterten Befreiungsaktion in einem Feuergefecht. Insgesamt wurden an diesem Tag elf israelische Sportler und ein Polizist ermordet, fünf Terroristen starben.

Er erhielt den silbernen Ehrenamtspreis

Das Internationale Olympische Komitee entschied sich, die Sportwettkämpfe fortzusetzen. „Nach dem Anschlag war die Stimmung nur noch gedrückt”, erinnert sich Richard Knab. „Bei der Dienstbesprechung mit allen Einsatzkräften kam das ganze Ausmaß des Geschehens zur Sprache.” Dabei hatten die Spiele so fröhlich und friedlich begonnen. Richard Knab war als Rot-Kreuz-Einsatzkraft bei der feierlichen Eröffnung dabei und bei verschiedenen Wettkampfdisziplinen.

Er war dabei, als eine Turnerin vom Barren stürzte und sich den Fuß brach oder Sportler und Zuschauer wegen Kreislaufzusammenbrüchen behandelt werden mussten. Als ehrenamtlicher Rot-Kreuz-Helfer betreute Richard Knab auch immer wieder Stadien und Fanmeilen. Er verfolgte Club-Spiele in Nürnberg oder von seinem Lieblingsverein Bayern München aus nächster Nähe vom Spielfeldrand aus.

In der Rot-Kreuz-Bereitschaft Heilsbronn hat Richard Knab über 60 Dienstjahre gesammelt. Gewürdigt wurde dies mit dem silbernen Ehrenamtspreis. Bis November letzten Jahres gab er Erste-Hilfe-Kurse in der Fachschule für Gesundheit und Krankenpflege und im Fachbereich Hebammen und Geburtshelfer.

Grenzen der Medizin akzeptieren

30 Jahre arbeitete er in der Notaufnahme des Ansbacher Krankenhauses – bis zu seinem Ruhestand. Viele Schicksale und Momente hat der Krankenpfleger in seinem Aufgabenbereich erlebt. Dazu gehört auch, die Grenzen der Medizin akzeptieren zu müssen.

Einmal versorgte er einen jungen Mann abends in der Notaufnahme, der seine Handverletzung nicht schlüssig erklären konnte. Als die Wunde versorgt war, verließ er in Begleitung eines Kumpels umgehend das Klinikum. Ein paar Stunden später stellte sich heraus, dass der junge Mann an diesem Abend seine Freundin umgebracht hatte und von der Polizei gesucht wurde. Er war aus einem benachbarten Landkreis in die Ansbacher Notaufnahme gefahren. Wohl in der Hoffnung, nicht aufzufliegen.

Ein anderes Mal kam ein Mann nach Kontakt mit einer Kreissäge mit einer Handverletzung in die Notaufnahme. Auf der Fahrt in die Klinik wurde der Wagen mit 120 „Sachen” unterwegs und prompt innerorts geblitzt. Die Umstände der Geschwindigkeitsüberschreitung ließen Richard Knab keine Ruhe. Am Telefon schilderte er der zuständigen Behörde die Verletzung und bezeugte die Dringlichkeit der Behandlung. Die Anzeige wurde zurückgezogen und der Fahrer lediglich belehrt.

Freiwillig den Führerschein abgegeben

Die Ausbildung zum Krankenpfleger hat der gelernte Maurer während seines 18-monatigen Wehrdienstes bei der Bundeswehr gemacht und danach in einer orthopädischen Klinik (vormals Waisenhaus für Kinder) in Ansbach gearbeitet. „1972 wurden wir vom städtischen Krankenhaus am Strüther Berg übernommen”, erzählt Richard Knab und erinnert sich noch gut daran, wie kulant der damalige Personalchef war. Für den Helfereinsatz bei den olympischen Sommerspielen 1972 bekam der Krankenpfleger eine Dienstbefreiung mit Lohnfortzahlung.

Im höheren Rentenalter beschloss Richard Knab, nicht mehr selbst Auto zu fahren und seinen Führerschein freiwillig abzugeben. Viel unterwegs ist der 80-Jährige trotzdem. Wenn es mit dem Wohnwagen an den Gardasee oder nach Südtirol geht, sitzt sein Sohn Martin am Steuer, der in Heilsbronn Tür an Tür mit dem Vater wohnt.

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