Antisemitische Vorfälle und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden erweisen sich als traurige Realität. Dagegen wendet sich das neue Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit. Es trägt das Jahresthema „Schulter an Schulter miteinander“. Ein Pressegespräch zeigte, was die Eröffnungswoche ab Montag, 9. März, in Ansbach bietet.
Die Eröffnungswoche, früher Woche der Brüderlichkeit, läuft bis Sonntag, 15. März. Als Schirmherr nahm in dem Pressegespräch in der Synagoge am Donnerstag Oberbürgermeister Thomas Deffner Bezug auf die weltpolitische Lage. Antisemitische Feindbilder sind zu seinem großen Bedauern weiterhin präsent.
Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele klagte er, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach heftigen Vorwürfen eines TV-Kommentators gegen den israelischen Bobfahrer Adam Edelman als nicht zuständig bezeichnet hatte. Im Gegenzug fühle es sich aber zuständig, „wenn ein ukrainischer Bobfahrer die Köpfe von Gefallenen auf dem Helm hat”. Man müsse sich fragen, „in welchen Zeiten wir leben”.
Umso wichtiger findet der Oberbürgermeister, mit dem Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit Zeichen zu setzen. Das Jahresthema beschreibt seiner Ansicht nach „das, was wir in der Stadt Ansbach in den letzten Jahren und Jahrzehnten gemacht haben”: sich klar zu positionieren und sich Schulter an Schulter mit Israel, aber auch mit den jüdischen Menschen in Deutschland zu befinden.
„Gerade jetzt ist es wirklich wichtig, dass man an der Seite der Juden steht”, erklärte der Koordinator des Initiativkreises für das Jahr, Pfarrer Dr. Johannes Wachowski. Er hält es für „einfach unglaublich, wie viel Irritation da ist, dass unser Staat so wenig macht für den Schutz der jüdischen Bevölkerung und nicht klar auftritt”.
Die offizielle Eröffnung durch den OB und den Initiativkreis ist am Montag, 9. März, um 20 Uhr in der Karlshalle. Rabbiner Professor Dr. Andreas Nachama, der jüdische Vorsitzende des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hält den Festvortrag zum Jahresthema. Musikalisch umrahmen Hannah und Malin Lichtinger.
Als Geschäftsführer und pädagogischer Leiter stellte Johannes Wachowski die Begegnungsfahrt zu den jüdischen Gemeinden Bambergs vor, die das Evangelische Bildungswerk (EBW) im Dekanat Ansbach einbringt. Sie findet am Mittwoch, 11. März, von 9 bis etwa 18 Uhr statt. Abfahrt ist auf dem Bahnhofsplatz. Teilnehmende melden sich beim EBW an (Telefon 0981/9523122, ebw.ansbach@elkb.de und ebw-ansbach.de).
Zu den weiteren Programmpunkten in der Woche zählt ein Vortrag des Kirchenhistorikers Privatdozent Dr. Christian Lange, den die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Ansbach-Neustadt am Donnerstag, 12. März, veranstaltet. Dessen zweiter Vorsitzender Wolfgang Osiander gab im Pressegespräch bereits Einblick.
Christian Lange, stellvertretender Direktor des Bayerischen Forschungszentrums für Interreligiöse Diskurse an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, spricht zum Thema „Einmal ein anderer Zugang zur Bibel? Interreligiös-diskursive Zugänge zu biblischen Narrativen in Judentum, Christentum und Islam”. Der Vortrag findet im Pfarrzentrum St. Ludwig statt und beginnt um 19 Uhr.
Schulklassen können sich in der Woche kostenlos durch die Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof führen lassen. Mit Blick auf die Synagoge stellte der Vorsitzende der Frankenbund-Gruppe Ansbach, Alexander Biernoth, fest: „Wir haben schon im Vorfeld sehr viele Anmeldungen.” Sie sei europaweit ein Bauzeugnis ersten Ranges. Schulen melden sich unter Telefon 0981/51243 oder per E-Mail an tourismus@ansbach.de an.
Das vollständige Programm der Woche findet sich im Internet: synagoge-ansbach.de