Eine Anwohnerin am Schelbuckring übt massive Kritik an den Bauhofmitarbeitern, da diese eine Hecke offenbar willkürlich zurückgeschnitten und so einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Kleintiere zerstört hätten. Von einem notwendigen Verjüngungsschnitt ist hingegen aus dem Rathaus die Rede.
„Mit der Planierraupe wurde alles buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht“ oder „von Naturschutz kann bei solch radikalem Vorgehen kaum die Rede sein“ oder „die Klima- und Artenschutzdiskussion scheint mir verlogener denn je“: Solche Vorwürfe wurden an die Redaktion der FLZ gerichtet, nachdem in den vergangenen Wochen die Mitarbeiter des Dinkelsbühler Bauhofs anrückten, um im Stadtgebiet Hecken- und Baumpflegearbeiten vorzunehmen.
In diesem speziellen Fall geht es um eine Wildhecke, die sich auf städtischen Grund zwischen dem Spielplatz Schelbuck und einer Wohnhäuserreihe befand. Die Hecke diente dort nicht nur als Lebensraum für Wildvögel und Igel, sondern auch als Sicht- und Lärmschutz, wie Anwohnerin Heike Lechler erklärt.
In den vergangenen Jahren habe sie die Bauhofmitarbeiter immer davon abhalten können, die Hecke zu schneiden. Anders in diesem Jahr. „Ich bin immer direkt hin, wenn ich gesehen habe, dass die Bauhofmitarbeiter dort zu Gange waren. Dann sind sie immer wutentbrannt gegangen und haben die Hecke in Ruhe gelassen. Dieses Jahr sind sie mit Absicht vormittags angerückt, da sie genau wussten, dass ich da als Lehrerin nicht zu Hause bin“, so der Vorwurf der Anwohnerin.
Im Vorfeld habe sogar extra eine Begehung mit dem Leiter des Bauhofs Tobias Wittmann und Stadtrat Gerhard Zitzmann (Bündnis 90/Die Grünen) stattgefunden. Hierbei sei laut Lechler die Bedeutung der Wildhecke hervorgehoben worden und der Stadtrat habe explizit darauf aufmerksam gemacht, welche Sträucher dort dringend stehen bleiben müssten. „Und trotzdem hat die Stadt eine brachial anmutende Tabula-Rasa-Aktion vollzogen. Nun ist kein einziger dieser Büsche mehr da, nicht einmal ein „Stock-Schnitt“ war durchgeführt worden, hätte wohl zu viel Arbeit gemacht“, so Lechler.
Auch Stadtrat Zitzmann ist laut eigener Aussage überrascht gewesen, dass entgegen der vorherigen Vereinbarung alles „rabiat“ zurückgeschnitten worden sei. „Eigentlich hatten wir die Übereinkunft, dass einzelne Arten wie Liguster, Wildrose, Schlehe und Pfaffenhütchen stehen bleiben sollen. Daran wurde sich nicht gehalten, was leider auch nicht das erste Mal so war“, so Zitzmann.
Die Stadt weist hingegen jegliche Kritik von sich. „Nach einer Besichtigung hat der Bauhof festgestellt, dass die Hecke teilweise sehr kaputt und auch sehr verwachsen war“, erklärt die Verwaltung auf Nachfrage der FLZ. „Wenn Bäume in den Hecken zu dicht stehen, müssen einzelne herausgenommen werden, damit sich andere Bäume und Sträucher besser entwickeln können. Der Rückschnitt dient dazu, die Hecken zu verjüngen und dadurch ihre vielfältigen ökologischen und landwirtschaftlichen Funktionen zu erhalten“, heißt es weiter.
Es sei davon auszugehen, dass die Sträucher und Bäume im Frühling wieder austreiben würden. Lechler glaubt daran allerdings nicht: „So lange ich lebe, wird das nicht mehr so nachwachsen wie es war“, ist sie sich sicher. Sie wünsche sich deshalb eine Neupflanzung.
„Es wird schon wieder etwas nachwachsen, aber die Artenzusammensetzung wird eine andere sein. Und zum Beispiel bei den Pfaffenhütchen wird es mindestens die nächsten drei bis vier Jahre dauern bis dort wieder die roten Früchte wachsen“, erklärt Gerhard Zitzmann.
Die Stadt Dinkelsbühl und der städtische Bauhof bitten in ihrer Stellungnahme die Mitbürger um Verständnis für „diese notwendigen Pflegemaßnahmen zur Entwicklung der Hecken- und Gehölzbestände im Stadtgebiet“.
Das Rathaus kündigt eine weitere Maßnahme an. Drei Eichen neben der TSV-Turnhalle seien vom Eichenprozessionsspinner befallen. Eine Bekämpfung sei ohne Erfolg geblieben. Da es in der Vergangenheit schon mehrere medizinische Notfälle von Schülern gegeben habe, habe die Stadtverwaltung nun beschlossen, die Bäume zu fällen. Anstelle der drei Eichen sollen jetzt neue, schnell wachsende schattenspendende Exemplare gepflanzt werden, heißt es dazu.