Eine halbe Ewigkeit hat man in der Gegend von den beiden nichts gehört, jetzt sind sie aber mit Macht und noch dazu doppelt zurückgekehrt: Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Die legendären Kleinkunstgrößen waren in dieser Saison mit ihren Sketchen präsent wie noch nie, erst in Dinkelsbühl, jetzt dank eines Gastspiels in Feuchtwangen.
Johann Anzenberger, im vergangenen Sommer der Sherlock Holmes im Kreuzgang, schaute zusammen mit seiner Kollegin Bele Turba am Samstag in der Feuchtwanger Reihe „Kreuzgangspiele extra” vorbei. Mitgebracht hatten sie eine Produktion des Münchner ValentinKarlstadt-Theaters: „Karl Valentin und Liesl Karlstadt – Die besten Szenen” heißt sie schlicht. Der Untertitel ist natürlich eine Werbeübertreibung. Es gibt noch mindestens ein halbes Dutzend genauso beste Szenen, mindestens.
Lustig sind die Sketche allemal, skurril und tiefgründigen auch. Die Nummern funktionieren immer noch, ohne viel Pipapo, obwohl manche darunter sind, die über hundert Jahre alt sind. Was einen dann doch auch wundern kann – oder besser: in den ehrwürdigen Zustand der Bewunderung versetzen muss. Man hat da vor sich Perlen der deutschen Hochkomik. Gar so viele gibt es nicht.
Klassiker also. Wie bringt man die auf die Bühne? Wie Klassiker halt. Was heißt: Es ist allerlei möglich. Nah am Text, so war es jetzt in Feuchtwangen, oder freier, avancierter wie in Dinkelsbühl.
Das Landestheater hatte in dieser Winterspielzeit Liesl Karlstadt und Karl Valentin ein eigenes neues, sehr schönes, komisches und anrührendes Stück gewidmet. „Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung!” heißt es, stammt von Gisela Maria Schmitz und ist ein Publikumsmagnet geworden.
Schmitz reiht nicht bloß originale Szenen und Szenenausschnitte aneinander, sie bettet sie in die Biographie von Valentin und Karlstadt ein. So lernt man die beiden, fein gespielt von Andreas Peteratzinger und Margret Gilgenreiner, kennen und dazu ihre schwierige Beziehung und die noch schwierigeren Zeitumstände. Der Witz, die Pointen, die Wortspiele, der Nonsens, die stumme Komik im Kampf mit den Tücken der Objekte – sie bekommen einen melancholisch eingedunkelten Hintergrund.
Man sieht, man begreift, dass sein Humor für Valentin ein Überlebensmittel ist, mit dem sich die Zumutungen der Welt halbwegs aushalten ließen. Und Liesl Karlstadt, auch das leistet das Stück, rückt weiter nach vorn ins Rampenlampenlicht. Sie war mehr als eine Stichwortgeberin.
Der Valentin-Karlstadt-Abend, der in Feuchtwangen zu sehen war, hat nicht so viele Ebenen. Er funktioniert einfacher. Die beiden Menschen hinter den Bühnenfiguren, Karlstadt und Valentin, sind für Johann Anzenberger und Bele Turba kein Thema. Sie vertrauen auf die Nummern selbst. Sie bringen die Szenen, Couplets und Einakter sozusagen werkgetreu von A bis Z, oder genauer von „Aquarium“ bis „Weltuntergang”, auf die Bühne, wo nötig mit der typischen Maskerade. Beim Buchbinder Wanninger und seiner Telefon-Odyssee gibt es aber eine ironische Neuerung: Warteschleifenmusik, die von „Für Elise” bis hin zu „Star Wars” reicht.
Rhythmus und Zug hat jede Nummer. Das Publikum im vollen „Kasten”, Feuchtwangens Stadthalle, geht mit. Es ist auch gefordert. Zur „Loreley” darf es ein Papierschiffchen durchreichen. Mitsinggelegenheiten gibt es außerdem.
Johann Anzenberger hat Valentins Körpersprache, Dialekt, Timbre und Tonfall, wozu etwas Gepresstes, Missmutiges gehört, täuschend gut adaptiert. Bele Turba orientiert sich in ihrer Rollengestaltung weniger deutlich am Vorbild, an Liesl Karlstadt. Als Apothekerin, als Ehefrau mit Billetts für den „Faust” oder als Schallplattenverkäuferin ist das auch nicht unbedingt nötig. Bele Turba hat Präsenz. Ihr Timing stimmt.
Beiden ist am Ende der Applaus ist sicher – und die „Alten Rittersleute” dem Publikum als Zugabe.
Der Valentin-Karlstadt-Abend von Johann Anzenberger und Bela Turba ist noch einmal im Landkreis Ansbach zu sehen: Am 26. September, 20 Uhr, beim Kulturverein Aug und Ohr in der Alten Turnhalle von Leutershausen.