Ein echter Volltreffer war der Auftritt von Ines Procter beim Kulturverein Aug und Ohr in der ausverkauften Alten Turnhalle in Leutershausen: 400 Gästen bescherte die Unterfränkin mit ihrem dritten Programm „I don’t kehr“ einen äußerst unterhaltsamen Abend.
Die nicht auf den Mund gefallene Kabarettistin wurde unter anderem durch ihre Auftritte als närrische „Putzfraa“ bei der „Fastnacht in Franken“ bekannt und begeisterte auch gut 100 Kilometer östlich von Veitshöchheim durch Alltagsnähe und Selbstironie. Mit Feudel und im türkisfarbenen Paillettenkittel nahm sie gesellschaftliche Entwicklungen ebenso wie zwischenmenschliche Absurditäten aufs Korn.
Außerdem lieferte Procter die Begründung dafür, warum ihr jüngstes Pointenfeuerwerk den Titel „I don’t kehr“ trägt: „Ich putze nicht gern“, verriet sie. Frei nach dem Motto „Kindermund tut Wahrheit kund“ habe bereits ihr Sohn vor vielen Jahren im Kindergarten verkündet: „Mama putzt nur an Fasching!“, und viel geändert habe sich seitdem daran nicht. „Ich stelle mir schließlich stets die Sinnfrage – und Putzen ist nun mal nicht nachhaltig!“
Das liege nicht zuletzt daran, dass es in jedem Haushalt kleine und große Mitbewohner gebe, die nichts machten außer Dreck. „Ich habe mal einen Wäschekorb in die Treppe gestellt, in der Hoffnung, dass jemand ihn mit raufnimmt“, plauderte sie aus dem Nähkästchen: „Mein Sohn ist achtmal darübergestiegen und hat sich beschwert, dass ihm das Ding im Weg ist!“ Bei nächster Gelegenheit habe sie daher einen vollen Müllsack vor der Haustür abgelegt: „Er hat ihn wieder mit reingebracht.“
Beine stelle sich die Hausfrau aber auch gern selbst, und zwar mit dem Satz: „Ich muss den Gefrierbeutel nicht beschriften, ich weiß, was drin ist.“ Wenn der undefinierte, braune Klumpen dann schließlich Jahrzehnte später in der Spüle vor sich hin taue, gehe sie alle halbe Stunde in die Küche und frage sich gespannt: „Ja, was wird es denn wohl?“
Obwohl sie als Tochter eines Metzgers aufgewachsen sei, habe sie kein Problem mit Vegetariern oder Veganern: „Mir ist das egal, neben wem ich meine Bratwurst ess!“ Schwierig fände sie jedoch all jene, die den Mitmenschen Vorschriften über persönliche Entscheidungen wie die Ernährung machen wollten. Unverständnis riefen bei ihr außerdem Produkte wie vegane Schnitzel hervor: „Ich komme schließlich auch nicht auf die Idee, mir einen Salatkopf aus Hackfleisch zu machen.“
Wie absurd die Welt mittlerweile sei, erlebe man, wenn man irgendwo die vierte Datenschutzerklärung des Tages ausfüllen müsse, während daneben jemand sitzt, der laut telefoniert. „Letztens saß ich neben Jason, während der mit Shanaia Schluss gemacht hat.“ In ihrer Jugend habe es noch keine Handys gegeben, Datenschutz aber schon: „Wenn vor der Telefonzelle eine lange Schlange stand, haben wir uns umgedreht und gebrüllt: Tür zu, des is‘ privat!“
Am Ende lang anhaltender Applaus. Ein Abend, der zeigte, warum Ines Procter mittlerweile zu den festen Größen des fränkischen Kabaretts zählt.