Im Auswärtsspiel bei der DJK Vilzing am Samstag, 9. August, trifft Fußball-Regionalligist SpVgg Ansbach auf einen Trainer aus Obernzenn. Ex-Profi Thorsten Kirschbaum hat beim langjährigen Rivalen in der Oberpfalz seinen ersten Trainerjob angenommen.
Herr Kirschbaum, wie kam es dazu, dass Sie Trainer bei der DJK Vilzing geworden sind?
Ausgangspunkt war ein Event der Bananenflanker. Durch meine Bekanntschaft mit dem ehemaligen DJK-Spieler Jim-Patrick Müller habe ich Abteilungsleiter Roland Dachauer kennengelernt. Ein paar Wochen nach dem Event er den Kontakt zu mir aufgenommen und wir haben mehrere Gespräche geführt. Sehr schnell haben wir gemerkt, dass wir beide in die gleiche Richtung denken und sind uns in der Folge schnell einig geworden.
Die DJK Vilzing ist ein Dorfverein. Sie waren als Spieler bei großen Klubs unter Vertrag. Schon eingelebt?
Ja, auf jeden Fall. Was mir besonders gefällt, ist die Art und Weise, wie in Vilzing gearbeitet wird. Jeder ist mit Herzblut dabei und alle engagieren sich enorm. Ich freue mich, mit den Jungs zu arbeiten und habe richtig Bock auf den Verein.
Wie lief die Vorbereitung?
Die Jungs haben sich alle reingehängt. Bereitschaft und der Wille sich zu verbessern habe ich bei jedem meiner Spieler gesehen und das bildet eine gute Basis. Die schweren Knieverletzungen von Markus Ziereis und Martin Tiefenbrunner, die in der Vorbereitung beide einen Kreuzbandriss erlitten haben, trüben natürlich das Gesamtbild.
„Spielerpass liegt beim TSV Obernzenn.”
Sie waren Bundesligatorhüter und sind noch relativ jung. Einige DJK-Fans haben sich gefragt, ob Sie im Falle eines Falles selbst ins Tor gehen würden. Wo ist denn der Spielerpass?
Meinen Spielerpass habe ich bei meinem Heimatverein beim TSV Obernzenn. Dort habe ich, zusammen mit meinen Cousins, auch schon ein paar Spiele letztes Jahr gemacht. Die Verbundenheit zu meinem Heimatverein ist nach wie vor sehr groß.
Sie haben als Profi viele Trainer erlebt. Wer hat besonders beeindruckt?
Ich glaube, dass ich nahezu von jedem etwas mitnehmen konnte. Meistens im positiven, aber auch manchmal im negativen Sinne. Besonders prägend war für mich Ralf Rangnick, den ich in Hoffenheim drei Jahre bei den Profis hatte. Unter ihm habe ich kennengelernt, wie man es mit Leidenschaft und absoluter Überzeugung schaffen kann, die Jungs über einen längeren Zeitraum mitzunehmen und erfolgreich zu führen. Aber auch von Thomas Schneider beim VfB Stuttgart oder Peter Bosz bei Leverkusen konnte ich viel lernen. Besonders war auch Huub Stevens, der auf seine Art und Weise ein toller Trainer war.
Was sprach dafür, die erste Trainerstelle in Vilzing anzunehmen?
Mich hat das Amt des Trainers sehr früh gereizt und ich wusste, dass ich diese Richtung nach meiner Karriere einschlagen möchte. Es gab die Überlegung, erst einmal als Co-Trainer zu starten und Erfahrung zu sammeln. Die Entscheidung habe ich mir selbst nicht leicht gemacht und mich mit vielen Freunden, die mich und das Geschäft kennen, ausgetauscht. Ich glaube, ich bin gut reflektiert, habe abgewogen und mich mit voller Überzeugung dafür entschieden. Ich traue mir die Aufgabe zu hundert Prozent zu. Die mir noch fehlende A-Lizenz werde ich im kommenden Jahr erwerben, so der Plan.
„Es braucht harte Arbeit und klare Prinzipien.”
Es fällt auf, dass Sie sehr viele Gespräche mit Spielern führen. Was steckt dahinter?
Kommunikation und Ehrlichkeit sind aus meiner Sicht das A und O. Die Beziehung zu jedem einzelnen Spieler ist mir sehr wichtig. Sie sind alle sehr junge Menschen, die wissen sollen, warum sie spielen oder nicht spielen und vor allem, woran sie arbeiten können, um ihre Situation zu verbessern.
Welche Teams in der Regionalliga sind die Favoriten?
Burghausen, Würzburg und Unterhaching sind sicher zum Favoritenkreis zu zählen. Mit Unterhaching und Würzburg haben wir ja schon gegen zwei der Topfavoriten gespielt und jeweils verloren, da hat sich meine Annahme schon bewahrheitet. Im Vorjahr konnte Buchbach überraschen, sicherlich wird es wieder eine ähnliche Überraschung geben.
Wo wird die DJK Vilzing in dieser Saison landen?
Ich halte nicht viel davon, einen Tabellenplatz vorab zu prognostizieren – dafür ist die Liga zu ausgeglichen und zu stark. Aber eines ist klar: Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und uns in der Regionalliga weiter etablieren. Dafür braucht es harte Arbeit, klare Prinzipien und eine funktionierende Mannschaft. Unser Ziel ist es, von Woche zu Woche stabiler zu werden. Ich bin überzeugt, dass wir das Potenzial haben, eine richtig gute Saison zu spielen.
Nun geht es gegen die SpVgg Ansbach, bei der sie vor Jahren mal Trainingsgast waren. Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Die Ansbacher kommen über den Kampf und die Mentalität. Sie werden – ähnlich wie wir – versuchen, in der Liga immer wieder Ausrufezeichen zu setzen. Wir wollen im zweiten Heimspiel der Partie unseren Stempel aufdrücken und die ersten drei Punkte einfahren.
Thorsten Kirschbaum (38) stammt aus Obernzenn und lebt mittlerweile mit Frau und Tochter in Regensburg. In seinen 17 Jahren als Fußballprofi war der Torhüter für verschiedene Vereine in Deutschland, darunter Bayer 04 Leverkusen, VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim, Energie Cottbus und 1. FC Nürnberg, sowie im benachbarten Ausland aktiv. Zur neuen Saison hat er bei der DJK Vilzing in der Oberpfalz seinen ersten Trainerposten angenommen.