Kinder sollen früh gute Lösungen beim Streiten finden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.02.2023 12:29

Kinder sollen früh gute Lösungen beim Streiten finden

Renate Heindel absolvierte unter anderem eine Mediatorenausbildung und arbeitet im Bereich Konfliktberatung und Gewaltprävention.  (Foto: Ute Niephaus)
Renate Heindel absolvierte unter anderem eine Mediatorenausbildung und arbeitet im Bereich Konfliktberatung und Gewaltprävention. (Foto: Ute Niephaus)
Renate Heindel absolvierte unter anderem eine Mediatorenausbildung und arbeitet im Bereich Konfliktberatung und Gewaltprävention. (Foto: Ute Niephaus)

Konflikte, Streit, Probleme – auch wenn jeder gern darauf verzichten würde, so sind sie in Kitas, Schulen, Arbeitswelt und im persönlichen Bereich präsent. Und weil sie allgegenwärtig sind, ist es Renate Heindel seit vielen Jahren ein großes Anliegen, dass Kinder von klein auf lernen, damit umzugehen.

Streitkultur ist ein Begriff, der bei ihr häufig fällt – ebenso wie Intervention, wenn es kracht. Am Herzen liegt ihr die Prävention, damit manche Eskalationen erst gar nicht entstehen oder ausarten. Doch das ist alles leichter gesagt als getan, weiß die Landkreisbürgerin, die viele Jahre als Gymnasiallehrerin unterrichtete. Diesen Job hat sie an den Nagel gehangen und sich ganz einem Bereich verschrieben, in dem sie parallel zur Pädagogentätigkeit eine Ausbildung absolvierte.

Ziel der Arbeit: Gewalt und Konflikte vermeiden

Der Fokus liegt auf der Gewaltprävention und Konfliktberatung. Eine Mediatorenausbildung nebst Hochschulabschluss hat Renate Heindel ebenfalls in der Tasche. Ausbilden ließ sie sich zudem als Trauma-Pädagogin.

Seit rund 15 Jahren arbeitet sie vor allem in der Schweiz, da es hierzulande zu wenig Nachfrage nach ihrer Arbeit gab. In der Schweiz will sie aber zukünftig weniger wirken und verstärkt im hiesigen Raum aktiv werden. Denn: Probleme gibt es auch hier zuhauf. Tätig ist sie im Ausland freiberuflich für das Schweizer Rote Kreuz. Dort wird sie von Schulen und Kitas angefordert, wenn Not am Mann ist. Wie viele andere Lehrkräfte stellte sie fest, dass die Folgen von Corona im Verhalten der Kinder und Jugendlichen sichtbar werden. „Die Aggression ist extremer geworden.“

Rüstzeug für den Unterrichtsalltag

Bevor Heindel aktiv wird, werden die Ziele in den Wirkungsstätten besprochen und vor allem auf eines hingewiesen: „In vier Stunden kann man nichts ändern. Deshalb ist Nachhaltigkeit umso wichtiger. Dann gilt es, da weiterzumachen, wo wir im Kurs aufhören.“

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Deshalb gehört es für sie dazu, dass Lehrkräfte etwa bei „chili“, einem Programm zur Gewaltprävention und Konfliktberatung, anwesend sind und mitmachen. So erhalten sie das Handwerkzeug für den Unterrichtsalltag. Die Klasse selbst muss lernen, als Team zu agieren. Der einzelne muss lernen, sich auch einmal zurückzunehmen und bei Spielen, wenn es nicht klappt, anderen nicht die Schuld für das vermeintliche Misslingen zuzuweisen.

In der Gruppenarbeit beobachtet Heindel darüber hinaus die Rollen, die Schülerinnen und Schüler bekleiden. Wer vermittelt? Wer bestimmt? Wer hält sich zurück, wer schweigt? Ihre Rolle dabei ist klar definiert: „Ich bewerte nicht und gebe keine Lösungen vor. Ich fungiere als Moderatorin, bleibe neutral.“

Sanktionen gemeinsam festlegen und umsetzen

Was Renate Heindel Lehrkräften und Schülern gleichermaßen vermittelt, ist, dass man in der Klasse Regeln festlegen muss, welche Sanktionen auf Verstöße folgen. Diese müssen umsetzbar sein und zwar möglichst schnell. Bei kleinen Kindern kann das etwa bedeuten, dass sie drei Mal beim Sportunterricht nur zuschauen dürfen.

Größere müssen beispielsweise einen dreiminütigen Vortrag über ihr Hobby oder den Urlaub vor der Klasse halten. Ihn vorzubereiten, kostet Freizeit. Wenn die festgelegte Vortragszeit nicht eingehalten wird, muss der- oder diejenige trotzdem vor der Klasse stehen bleiben und zudem den Vortrag wiederholen. Wichtig sei es, Strategien zu entwickeln, die Sinn machen, so Heindel.

Als wichtig bezeichnet sie es, die Eltern mit Blick auf Sanktionen ins Boot zu holen, damit sie diese akzeptieren und das Ganze letztlich als Schulfamilie umgesetzt wird. Als ein großes Manko in der Lehrerausbildung sieht Heindel, dass das Konflikttraining zu kurz kommt. Deshalb schult sie Pädagogen zu diesem Thema im Rahmen von Weiterbildungen, bietet Kurse für Klassen im Schullandheim zur Teambildung an.

Ebenfalls wichtig ist ihr, Mädchen und Jungen beizubringen, einen Streit selbst zu lösen. Dazu bedarf es der Kommunikation. Es gilt, Gefühle zu äußern, sagen zu können, was einen verletzt, enttäuscht – ohne von den anderen runtergemacht zu werden. Wichtig ist es zudem, eingestehen zu können: Ich habe Mist gebaut.

Es gibt also viel zu lernen und zu trainieren, um das Miteinander reibungsloser laufen zu lassen. Wer Kontakt zu Renate Heindel aufnehmen möchte, kann dies telefonisch unter 0171/6983175 oder per Mail unter renate.heindel@gmx.de


Von Ute Niephaus
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