Hilfe aus Herrieden und Windsbach für Sängerin aus dem Westjordanland | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.06.2026 17:00

Hilfe aus Herrieden und Windsbach für Sängerin aus dem Westjordanland

Bei der Probe zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert” in Regensburg: Cornelius Ubl und Alma Sweilem. (Foto: Shibly Sweilem)
Bei der Probe zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert” in Regensburg: Cornelius Ubl und Alma Sweilem. (Foto: Shibly Sweilem)
Bei der Probe zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert” in Regensburg: Cornelius Ubl und Alma Sweilem. (Foto: Shibly Sweilem)

Bundesweit für Aufmerksamkeit hat Alma Sweilem beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gesorgt. Sie ist das erste palästinensische Mädchen, das sich für das Finale qualifiziert hat. Dass die 15-Jährige in Regensburg auftreten konnte, war nicht zuletzt wegen eines kleinen Windsbach-Herrieder Netzwerkes möglich, das bis Jerusalem reicht.

„Jugend musiziert“ ist nicht nur auf Deutschland beschränkt. Wer an einer der rund 30 Deutschen Schulen unterrichtet wird, die an dem Wettbewerb teilnehmen, kann es bis in die Endrunde schaffen. Alma Sweilem geht in die Klasse 9b der deutschen evangelisch-lutherischen Schule Talitha Kumi in Beit Jala, einer Stadt bei Bethlehem im Westjordanland.

Gerne „Ja” gesagt

Beim Regionalwettbewerb an ihrer Schule hatte die Neuntklässlerin sich in der Sparte Gesang für die nächsthöhere Wettbewerbsstufe qualifiziert, die in Rom stattfand. Sie konnte aber wegen des Krieges im Nahen Osten nicht dorthin reisen. Der Jury in Rom genügte ein Video. Das überzeugte sie. Alma Sweilem durfte zum Bundeswettbewerb nach Deutschland.

Das Problem: Wie aus Beit Jala ein Vorsingen in Regensburg organisieren? Alma Sweilems Musik- und Gesangslehrerin, die sie am Klavier begleitet, Thekla von Dombois, konnte nicht mitreisen. Die Musikerin kennt aber Dr. Linus Ubl. Der Altgermanist, der aus Herrieden stammt, arbeitet an der hebräischen Universität in Jerusalem und musste nicht lange überlegen. Sein Vater und sein Bruder sind Musiklehrer und Kirchenmusiker – also fragte er, ob sie helfen könnten.

Das wollten sie gern. „Regensburg ist jetzt auch nicht so weit weg ist“, erzählt Cornelius Ubl, der Bruder des Germanisten, „da haben wir dann gern gesagt, ja, da helfen wir.“ Einen Korrepetitor und Überaum finden und bezahlen zu müssen, sei sehr schwierig, wenn man niemanden kenne. Alma Sweilem und ihr Vater sind zum ersten Mal in Deutschland gewesen. Für die Unterstützung waren sie darum „super dankbar“, erinnert sich Ubl. Der „Urherrieder“ und Musiklehrer am Johann-Sebastian-Bach Gymnasium Windsbach übernahm den Klavierpart. Aber wo gemeinsam üben, in einer Stadt, in der wegen des Bundeswettbewerbes Überäume begehrt sind?

Zusätzliche Aufregung wegen Fernseh-Team

An der Stelle kommt Jonas Schumann ins Spiel. Der Herrieder ist ein Freund von Cornelius Ubl, studiert in Regensburg und macht selbst Musik, weswegen in seinem Studentenzimmer ein E-Piano steht. „Jonas war gerade in Herrieden“, erzählt der Dreißigjährige, „hat mir den Schlüssel mitgegeben und dann sind Alma, ihr Vater und ich in sein Studentenzimmer, um zu proben.“

Zwei Tage später war der Wettbewerb. Cornelius Ubl begleitete Alma Sweilem bei einem viertelstündigen Programm in vier Sprachen: Händels „Lascia ch’io pianga“, Schuberts „Heideröslein“ und einen englischen Popsong. Ein arabisches Volkslied sang die Schülerin allein. Immer dabei war ein deutsches Fernsehteam, das einen Bericht über die Jugendliche drehte. „Das war natürlich eine zusätzliche Belastung für sie“, meint Ubl. Andere konnten sich ganz auf den Wettbewerb konzentrieren.

Dritter Preis war das Ergebnis

Für den jungen Musiklehrer war das Ganze „natürlich auch ein bisschen aufregend“, erzählt er. „Da sitzt man in einem vollen Saal, wo man dann eben Klavier spielt. Und dann sind sogar noch eigene Schüler von den Windsbachern drin. Das fand ich auch witzig.“

Am Ende hat alles gut geklappt. Alma Sweilem war „recht erfolgreich“, so Ubl, und erhielt einen dritten Preis. Ihre Schule feierte sie auf Instagram: „Wir sind unglaublich stolz auf dein Talent auf der großen Bühne, Alma!“


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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