Fast 50 Jahre im Amt: Otto Schaudigs Karriere im Ansbacher Stadtrat | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.03.2026 14:00

Fast 50 Jahre im Amt: Otto Schaudigs Karriere im Ansbacher Stadtrat

Bei einem Besuch in der FLZ-Redaktion erinnerte sich Otto Schaudig an die Wegmarken seiner 48 Jahre im Ansbacher Stadtrat – und brachte alte Fotos mit. (Foto: Evi Lemberger)
Bei einem Besuch in der FLZ-Redaktion erinnerte sich Otto Schaudig an die Wegmarken seiner 48 Jahre im Ansbacher Stadtrat – und brachte alte Fotos mit. (Foto: Evi Lemberger)
Bei einem Besuch in der FLZ-Redaktion erinnerte sich Otto Schaudig an die Wegmarken seiner 48 Jahre im Ansbacher Stadtrat – und brachte alte Fotos mit. (Foto: Evi Lemberger)

Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man ihn als personifizierte Stadtgeschichte bezeichnet. Wenn am 5. Mai der neu gewählte Ansbacher Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, wird Otto Schaudig nicht mehr dabei sein – nach fast einem halben Jahrhundert, in dem der CSU-Mann die Geschicke seiner Heimatstadt mitbestimmte.

Es ist typisch für die Nachkriegs-Generation, dass sie schon in jungen Jahren viel Verantwortung übernommen hat. Im Fall des am 5. Mai 1949 geborenen Otto Schaudig jedenfalls war es so. Im Jahr 1976 wird der studierte Jurist mit 27 Jahren „Probe-Richter” am Verwaltungsgericht Ansbach, als jüngster Verwaltungsrichter Bayerns. Zwei Jahre später, mit nicht einmal 29 Jahren, wird Schaudig erstmals in den Ansbacher Stadtrat gewählt. Der Bürgermeister und Ansbacher CSU-Vorsitzende Klaus Dieter Breitschwert hatte ihn vorgeschlagen.

Weitere drei Jahre später, mit 32 Jahren, wird Schaudig Fraktions-Chef der CSU. Er sollte es 30 Jahre lang bleiben. Allerdings mit einer Unterbrechung: Als er 1993 an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München berufen wird, lassen sich politisches Ehrenamt und Beruf aus Schaudigs Sicht nicht mehr vereinbaren. Drei Jahre lang bleibt er einfacher Stadtrat. Doch 1995 zieht ein Teil des Verwaltungsgerichtshofes nach Ansbach, so auch Schaudigs Arbeitsplatz.

„Gestandene Männer der Kriegs-Generation”

So wird er 1996 wieder Fraktions-Chef – und bleibt es bis 2014. „Es war oft nicht leicht, diese Fraktion zusammenzuhalten”, erinnert sich Schaudig an seine frühen Jahre in dem Amt. Die meisten Stadträte seien „gestandene Männer der Kriegs-Generation” gewesen – mit der entsprechenden Lebenserfahrung und einem daraus resultierenden Selbstbewusstsein. Dennoch sei er als junger Fraktions-Chef nie umstritten gewesen, so Schaudig.

Derweil änderte sich die Parteienlandschaft auch in Ansbach. Verfügte die CSU bis 1984 noch über eine absolute Mehrheit im Stadtrat, war sie in den folgenden sechs Jahren auf die Unterstützung der FDP angewiesen. Und 1990 kam dann die Riesen-Überraschung, als der SPD-Mann Ralf Felber sich in der OB-Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Klaus Dieter Breitschwert durchsetzte.

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Ein „nicht erträglicher Zustand” sei das für viele CSU-Parteimitglieder gewesen, erinnert sich Schaudig. Und dann machte er im Vorfeld der nächsten Kommunalwahl in einer CSU-Vorstandssitzung das, was er heute seine „erste wesentliche Mitwirkung” nennt. Er schlug vor, für 1996 keinen eigenen OB-Kandidaten ins Rennen zu schicken. Vielleicht könne man mit dem SPD-OB zusammenarbeiten und so die Sozialdemokraten einbinden. „Das war allerdings zunächst eine völlige Außenseitermeinung in der Partei”, gibt Schaudig zu. Doch der Gedanke machte in der Folgezeit Karriere.

„Die kommunalpolitisch ertragreichste Zeit”

Hinzu sei gekommen, dass auf der SPD-Seite Gretl Schneider, ein absolutes Schwergewicht in der Fraktion, ähnliche Überlegungen anstellte. Ende 1994 wurde es offiziell, dass die CSU den SPD-OB bei der Wahl unterstützt. „Das ist auf großen Widerstand in der Parteibasis gestoßen”, erinnert sich Schaudig.

Es folgten zwölf Jahre, die allgemein und in der Presse mit dem „Ansbacher Kuschelkurs” bezeichnet wurden und erst mit der Niederlage Felbers gegen die parteilose Carda Seidel im Jahr 2008 beendet wurde. Die Kritik der Basis sei durchaus verständlich gewesen, allerdings: „Diese zwölf Jahre zwischen 1996 und 2008 waren die kommunalpolitisch ertragreichste Zeit”, ist Otto Schaudig überzeugt.

Noch in der Nacht nach der Wahlniederlage 2008 habe die SPD die Zusammenarbeit mit der CSU aufgekündigt, erzählt Schaudig. „Wir haben dann versucht, so weit wie möglich einen Fuß in die Tür zu bekommen.” Mit Manfred Stephan von der BAP, die die neue OB stützte, habe er „irgendwie eine Zusammenarbeit” verabredet, erinnert er sich. Ergebnis: Die CSU stellte mit Thomas Deffner und die BAP mit Hannes Hüttinger jeweils einen Bürgermeister als Vertreter der OB. „Das ist mir in der Partei übel genommen worden.”

„Thomas war mein langfristiges Projekt”

Den Werdegang des heutigen OB Thomas Deffner zu begleiten, sei eine weitere wirkliche Gestaltung gewesen, so Schaudig: „Thomas war mein langfristiges Projekt.” Deffners OB-Kandidatur 2014 habe man in der Parteiversammlung noch erstreiten müssen. Der CSU-Bürgermeister habe dann die langwierige Erkrankung der Amtsinhaberin im Sommer 2018 nutzen können, um sich an der Stadtspitze zu profilieren. Um Deffners Kandidatur 2020 habe es dann keinerlei Diskussionen mehr gegeben.

Was erinnert Otto Schaudig noch an politischen Wegmarken seiner langen Mandatszeit? Er denkt daran zurück, wie man etwas ratlos wegen des 2001 gekauften Retti-Palais gewesen sei. Die Stadt habe den hohen Millionenbetrag zur Sanierung des historischen Gebäudes nicht aufbringen können. Deshalb habe er vorgeschlagen, das Palais für einen symbolischen Betrag an einen privaten Investor zu verkaufen. Dem Investor und dem Retti-Förderverein sei es zu verdanken, dass es jetzt das Museum Retti-Palais gebe. „Ich habe damals nur den Anstoß gegeben.”

Einen maßgeblichen Anstoß habe er im Stadtrat auch gegeben, 2022 die Landesausstellung „Typisch Franken” nach Ansbach zu holen, sagt Schaudig. Die damalige Kulturreferentin Ute Schlieker habe sich dann darum gekümmert, dass das Projekt gelang.

„Nur wenn der Ehepartner mitspielt”

Und dann fällt ihm noch das geplante Abwasser-Pumpwerk vor der Orangerie ein. Mancher erinnert sich noch, dass die Abwasserentsorgung Ansbach (awean) für den Stauraumkanal unter der Inselwiese ein Pumpwerk vor der Orangerie bauen wollte – was das historische Stadtbild ziemlich zerstört hätte. Beim Widerstand dagegen habe er in der CSU-Fraktion zunächst kaum Unterstützung gefunden, erinnert sich Schaudig. Es hieß, das Bauwerk sei '”technisch alternativlos”.

„Aber selbst einem Verwaltungsjuristen kann man nicht alles erzählen”, so Schaudig. Im Jahr 2013 nahm die öffentliche Diskussion Fahrt auf, Die CSU und weitere Teile des Stadtrates schwenkten um, und in der Bürgerschaft wurden tausende Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Ein Jahr später fiel die Entscheidung, das Pumpwerk unterirdisch zu bauen, 2017 wurde es eröffnet.

Der Ansbacher Rekord-Stadtrat vergisst nicht, bei wem er sich in der Rückschau vor allem zu bedanken hat. „Das können Sie nur machen, wenn der Ehepartner mitspielt.” Es habe Wochen gegeben, in denen er an keinem Abend zu Hause gewesen sei, so Schaudig. Aus der Ehe mit Frau Regina sind zwei Töchter hervorgegangen (heute 44 und 38 Jahre alt), und Schaudig freut sich über zwei Enkeltöchter, zwei Jahre und acht Wochen alt.

Otto Schaudigs Resümee nach 48 Jahren im Stadtrat ist überraschend: Heute diskutiere das Gremium wesentlich sachlicher, und persönliche Angriffe seien viel seltener als früher. „Auf der anderen Seite hat das Zusammengehörigkeitsgefühl abgenommen.” Früher habe man sich nach den Sitzungen zum Essen oder zu einem Bierchen zusammengesetzt, und man habe gemeinsame Ausflüge unternommen. „Das gibt es nicht mehr.”


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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