Exkursion durchs graue Ödland im Oberzenner See | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.11.2024 07:00

Exkursion durchs graue Ödland im Oberzenner See

Diplombiologe Ulrich Meßlinger (links, mit Stock) und Heiko Moßhammer vom Ansbacher Wasserwirtschaftsamt (Zweiter von links) führten die Gäste um und durch den See. (Foto: Helmut Meixner)
Diplombiologe Ulrich Meßlinger (links, mit Stock) und Heiko Moßhammer vom Ansbacher Wasserwirtschaftsamt (Zweiter von links) führten die Gäste um und durch den See. (Foto: Helmut Meixner)
Diplombiologe Ulrich Meßlinger (links, mit Stock) und Heiko Moßhammer vom Ansbacher Wasserwirtschaftsamt (Zweiter von links) führten die Gäste um und durch den See. (Foto: Helmut Meixner)

Seit drei Wochen ist der Obernzenner See komplett abgelassen. Die am 2. November gefangenen Fische sind umgesiedelt. Am Staudamm wurden bereits erste Arbeiten erledigt. Gelegenheit für die Bevölkerung, mit Experten aufzubrechen, um sich von ihnen die Maßnahmen erklären zu lassen.

Was wird im Rahmen der Sanierung, die sicherlich das gesamte nächste Jahr in Anspruch nehmen wird, geplant? Und was wurde im Vorfeld des Auslassens seitens des Wasserwirtschaftsamtes unternommen, damit Flora und Fauna von den Baumaßnahmen möglichst wenig in Mitleidenschaft gezogen werden? Antworten auf diese Fragen gab es nun am und im See.

Schutz vor Überschwemmungen

Trotz eisiger Temperaturen hatten sich am Freitagnachmittag etwa 20 Interessierte am Spielplatz eingefunden, um mit Heiko Moßhammer, Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt in Ansbach und als solcher maßgeblich für die technischen Belange der Seesanierung verantwortlich, sowie dem Flachslandener Diplombiologen Ulrich Meßlinger, ausgerüstet mit Gummistiefeln, zu einer Seegrundwanderung aufzubrechen.

Die Frage nach dem „Warum?“ der Maßnahme folgte auf dem Fuß. Der Obernzenner Freizeitsee war Ende der 1970er Jahre nicht als Badeanlage errichtet worden, sondern dient dem Zweck, die Bevölkerung vor den wiederholt im Ortsbereich aufgetretenen Überschwemmungen zu schützen. Vor allem im Mai 2016, jedoch auch im Sommer 2021 hat der See den Kernort bei Starkregenfällen vor weitaus Schlimmerem bewahrt.

Die große Prüfung als Antwort aufs Warum

Nach rund 45 Jahren, in denen der See bereits mehrmals abgelassen worden war, sah sich das Wasserwirtschaftsamt in der Pflicht, einerseits die Dammanlage auf Herz und Nieren zu überprüfen, andererseits die Sedimente, die im Verlauf der zurückliegenden Jahrzehnte angeschwemmt wurden, zu entfernen.

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Da das Gewässer über seine drei Zuflüsse Zenn, Mölbenbächl und Eisenbach weiterhin mit Wasser gespeist wird, galt es zunächst, mittels einer Verrohrung einen geordneten Wasserablauf zu gewährleisten. Erste entlang des Staudamms vorgenommene Untersuchungen führten zu dem Resultat, dass das Bauwerk im Laufe der Jahre keinen Schaden genommen hat.

Bereits genauer betrachtet wurde zudem die beim Bau vor der Dammanlage in einer Tiefe von vier Metern verlegte Drainage. „Diese wird“, so Moßhammer, „im kommenden Frühjahr, allerdings in einer Tiefe von nur noch zwei Metern, neu gebaut.“ Die Kosten für die rund 380 Meter lange Leitung liegen bei etwa 200.000 Euro, erläuterte der WWA-Vertreter.

Sedimentmasse wird abgebaggert

Nicht erledigt werden konnte beim letzten Ablassen im Jahr 2013, da das Wetter nicht mitspielte, die Beseitigung der Sedimente. Rund 26.500 Kubikmeter dürften es sein, die abgebaggert, abtransportiert und von den Landwirten nach der Ernte auf den Feldern ausgebracht werden. Eine Masse, die sich auf einem Fußballfeld zu einer Höhe von fünf Metern anhäufen würde.

Großen Wert legte und legt man seitens des WWA darauf, der Natur, so weit es möglich war und ist, keine Schäden zuzufügen. Bereits vor dem Ablassen des Sees wurden Teiche angelegt und das einlaufende Wasser an diversen Stellen angestaut. „Der Lebensraum von Vögeln, wie dem Teichrohrsänger oder den Wasserrallen wird“, so Diplombiologe Meßlinger beim Stopp im Biotopbereich, „kaum in Mitleidenschaft gezogen.“

Ähnlich scheinen dies die am Einlauf der Zenn angesiedelten Biber zu sehen. Das Angebot, ihre angestammte Burg zu verlassen und sich an anderen, auf sie vorbereiten Orten niederzulassen, haben die Tiere bisher jedenfalls nicht in Anspruch genommen. Täglich abgesammelt und in die neu geschaffenen Tümpel umgesiedelt wurden außerdem rund 3500 Teichmuscheln, die, sobald der See wieder mit Wasser gefüllt ist, zurückwandern können.


Von Helmut Meixner
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